27.10.2003 11:46
Enorme Entschleunigung
Ernst
Hilger zeigt den erst 26-jährigen amerikanischen Fotokünstlers Brian McKee - Foto
Im 33. Galeriejahr hat Ernst Hilger nicht etwa zurück-, sondern
im Gegenteil nochmal voll aufgedreht. Der Wiener Galerist hat sich in einem
ehemaligen Teppichgeschäft ein beachtliches Forum für Zeitgenössisches
eingerichtet. Nicht anstatt, sondern zusätzlich zu seinen angestammten Räumen
und dem Siemens ArtLab. Jetzt zeigt er dort Fotografien aus der Serie Detritus
des erst 26-jährigen amerikanischen Fotokünstlers Brian
McKee.
McKee reist aktuellen Schauplätzen nach, die künftig als
"historisch" gelten könnten, sucht in Amerika, Osteuropa und im Fernen Osten
nach Spuren bedeutender Ereignisse. Und findet Spuren der Zerstörung. In der
Serie Detritus zeigt McKee Architekturen und Landschaften in Afghanistan, die
von Verlust künden. Klassisch streng komponiert hält er fest, was der Krieg
hinterlassen hat - nicht in der Art der Kriegsreporter, die möglichst schnell in
die Medien zu bringen trachten, was eben noch passiert. Brian McKee verwendet
eine 8-x-10-Inch-Studioplattenkamera, nimmt sich Zeit, versteht sich als
Historiker, der mit Bedacht visualisiert. (mm/DER STANDARD, Printausgabe,
27.10.2003)