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| 06.05.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Das Blei und die gläsernen Decken | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| IM GESPRÄCH. Eva Schlegel über Giftiges in ihrer Installation in der Wiener Secession. | ||
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F Eva Schlegel spielt in ihrer Installation mit den
Assoziationen und mit der Ambivalenz des Bleis, das sie seit Jahren in
ihrer Arbeit begleitet: "Einerseits ist es giftig, andererseits schützt es
vor Strahlen." Gleich nach Abschluss ihres Studiums an der Angewandten bei
Oswald Oberhuber Mitte der 80er Jahre experimentierte Schlegel schon mit
Siebdrucken auf Bleiplatten. Heute ist sie selbst Professorin,
unterrichtet Fotografie an der Wiener Akademie der bildenden Künste und
ist eine der wenigen Frauen ihrer vom Kunstmarkt-Boom der 80er Jahre
verwöhnten Generation, die sich als Künstlerin durchsetzen konnten. Sie
vertrat Österreich bei der Biennale in Venedig 1995 und ist international
gut im Geschäft. So gestaltete sie etwa die Lounge des neuen Salzburger
Museums der Moderne - mit runden Spiegelelementen übrigens. Auch diese
finden sich jetzt wieder in der Secession. Nur viel größer. Riesig am
Boden ausgebreitet, holen die Spiegelscheiben die Oberlichtendecke
herunter, legen sie sozusagen zu unseren Füßen. Während sich der Raum in
der Horizontalen auflöst, verdichtet er sich in der Vertikalen massiv
durch die Bleiwände. Trotz aller Querverbindungen zu ihrem bisherigen Werk -
eine überraschende Schlegel-Ausstellung. Weit und breit keine Spur von
unscharfen Schriftzeichen und den verschwommenen Frauenporträts, die sie
im November in der Galerie Krinzinger gezeigt hat. Viel ist passiert seit
damals. Sie (üb)erlebte mit ihrem Lebensgefährten, dem ehemaligen
Akademie-Rektor Carl Pruscha, nur knapp den Tsunami in Sri Lanka, der sie
beim Frühstück überraschte. Im Februar starb auch noch ihr Vater. Doch sollte in diese bewusst bilderlose Ausstellung in
der Secession kein falsches Pathos hineininterpretiert werden. Das Konzept
dafür hatte Schlegel schon vor den Schicksalsschlägen in der Schublade.
Und so ganz entgeht man den Bildern sowieso nicht, darf man schließlich
sein eigenes Selbst nicht vergessen, das in den Spiegeln am Boden
auftaucht, ein wenig verzerrt und deformiert und fast auch so vernebelt
wie in Schlegels Fotografien - wäre die halbtransparente Schutzfolie von
der blanken Oberfläche nicht abgezogen worden. Ein wenig vermisst "frau" hier aber doch den
feministischen Unterton, der in Gesprächen mit Schlegel sonst mitschwingt.
Vor allem ihre Lehrtätigkeit, ihre vielen Studentinnen, sensibilisierten
Schlegel für diese Problematik: "Ich werde immer feministischer." Noch
immer haben es Frauen im Kunstbetrieb schwerer, erkennbar an den Preisen
und an der "Quote" in Gruppenausstellungen: "Wenn ein Viertel Frauen sind,
ist das schon viel", ärgert sich Schlegel. "Aber so schnell werden sich
die Mechanismen nicht ändern. Auch für meine Studentinnen nicht. Wenn man
um die 30 ist, realisiert man erst, dass es so etwas wie eine gläserne
Decke gibt und es doppelter Anstrengung bedarf." Das Thema bewegte Schlegel auch in Los Angeles, wohin es
sie 2003 mit einem Getty-Stipendium verschlug. Sie porträtierte dort die
Arbeitsbedingungen von 22 Künstlerinnen und 17 Architektinnen. Ihre
Eindrücke kommen im Herbst in einem Buch heraus, das eine Art Gegenentwurf
zu den vielen, total idealisierten Künstler-Porträt-Bänden werden soll, wo
Frauen meist nur als Musen und Modelle vorkommen. Überhaupt scheinen die
USA Schlegel zu reizen. Denn noch weiß sie nicht, ob sie sich für eine
Verlängerung ihrer Professur an der Akademie bewerben wird - ihr Vertrag
läuft heuer aus. |
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