Edelbert Köb zieht eine erfolgreiche Bilanz und hat Finanzierungsnöte
Besucherrekord und Sammlungszuwachs

Das Mumok beklagt eine Finanzierungslücke.

Ausstellung zu "schlechter Malerei" geplant.
Wien.
Mit einer Reihe von Superlativen eröffnete Edelbert Köb, Direktor des
Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok), seine
Jahrespressekonferenz. Nach selbst ausgerufenen Schwerpunkten wie dem
"Jahr des Sammelns" und einer "Ausstellungs-Offensive" blickte man am
Mittwoch, auf ein "Rekordjahr 2007" zurück. Neben dem Jubel über den
Besucherrekord und den Sammlungszuwachs wurde jedoch auch Besorgnis
über eine Finanzierungslücke im Jahr 2008 laut.
Zum "ersten Mal in seiner Geschichte" konnte das Haus 240.000
Besucher anlocken, was eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem
Vorjahr bedeutet. Der Wertzuwachs wurde – vor allem durch die Schenkung
Bogner und die Erwerbungen der Stiftung Ludwig – mit 2,68 Millionen
Euro beziffert.
Eine neue Zahl verleitete Köb allerdings nicht zu Jubel: Erstmals
hat das Mumok für das kommende Jahr einen offenen Finanzbedarf, der
sich auch 500.000 Euro beläuft. Während das Mumok laut eigenen Angaben
im Jahr 2002 gut zwei Drittel seines Programms aus der Basisabgeltung
finanzieren konnte, reichte diese im Jahr 2007 "nicht einmal mehr" zur
Deckung der Fixkosten (Personal- und Betriebskosten).
Absage an Blockbuster
Im kommenden Jahr müssten die Kosten für das gesamte
Ausstellungsprogramm, die Sammlungsankäufe und das Marketing aus
Eigenerlösen gedeckt werden. Dadurch entstehe jedoch der Fehlbetrag von
einer halben Million Euro, der nicht wie im vergangenen Jahr durch die
Auflösung der Rücklagen gedeckt werden könne. "Die Alternative wären
Blockbuster-Ausstellungen oder Klassische Moderne zu zeigen, wie so
manch andere Museen", so Köb, "aber mit den gleichen Programmen würden
wir dann alle gemeinsam baden gehen".
Kritik übte Köb auch am Zeitpunkt der Verteilung der
Basissubventionen, die die Jahresabschlüsse und Budgetpläne für das
nächste Jahr nicht berücksichtigt hatte. "Eigentlich wäre das schon
fast eine parlamentarische Anfrage", so der Direktor.
Infrage stellte Köb auch die Aussage von Kulturministerin Claudia
Schmied, wonach "die aktive Teilhabe der Bevölkerung an der ,Sammlung
Österreich’" in ihrer Museumsreform noch "vor die traditionellen
Aufgaben der Museen" gestellt werden solle.
Trotz aller Probleme lässt die Vorschau auf ein ambitioniertes Jahr
2008 schließen. Reduktionen gibt es zwar bei der Zahl der
Ausstellungen, die von 14 im Jahr 2007 nun auf 11 herabgesetzt wurden.
Zu den großen Schauen zählen allerdings zwei thematisch eher
unübliche Ausstellungen: "Genau und Anders. Maß, Zahl und Proportion
von Dürer bis Sol LeWitt" setzt sich von 29. Februar bis 18. Mai mit
den Verbindungen zwischen Mathematik und Kunst und daraus
resultierenden geometrischen Formen auseinander.
Wurm und Kogler
Auch "Bad Painting. Malerei zwischen Trash, Spekulation und Kritik"
rückt von 6. Juni bis 28. September nicht unbedingt allseits Bekanntes
ins Licht. Zu sehen sind hier Beispiele absichtsvoll schlechten Malens
von großen Namen wie René Magritte, Georg Baselitz, Philip Guston oder
Albert Oehlen.
Die "mittlere Generation" (Köb) würdigt man nach Ausstellungen von
Heimo Zobernig und Erwin Wurm mit einer Peter Kogler-Retrospektive (17.
Oktober bis 13. Jänner 2009). Der jungen Generation wird in der Mumok
Factory Platz eingeräumt, auf dem Programm steht die bild- wie auch
raumbezogene Malerei der 1974 geborenen Südtirolerin Esther Stocker (1.
Februar bis 6. April). Die Installationen und Projektionen der 1970 in
Bangladesch geborenen Künstlerin Runa Islam reflektieren den
Illustrationscharakter des Mediums Film (9. Mai bis 13. Juli).
Josh Smith verarbeitet zwischen 25. Juli und 21. September zentrale
Mythen der modernen Malerei. Den Baloise Kunstpreis-Gewinner 2007,
Andreas Eriksson, präsentiert das Mumok schließlich von 10. Oktober bis
Jänner 2009.
Kunst und Raum
Im Rahmen der Fokus-Sammlungsausstellungsreihe zeigt man ab 18.
April Arbeiten zum Thema Kunst und Raum in vier Themenblöcken ("Raum
und Geschichte", "Raum und Kunst", "Raum, Farbe und Licht", "Raum,
Öffentliches und Privates").
Gemeinsam mit Werner Hoffmann, dem Gründungsvater des Mumok, wurde
die Neuaufstellung der Klassischen Moderne konzipiert, die die
bekannten Werke ab 6. Juni auch mit zeitgenössischen Foto- und
Textdokumenten ergänzen und so in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext
erläutern soll.
Kunst im öffentlichen Raum im Form von Skulptur-Projekten sind für Frühling und Herbst im Hof des Museumsquartiers angedacht.
Mittwoch, 12. Dezember 2007
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