DER ONLINE DIENST DER TIROLER TAGESZEITUNG
http://www.tirol.com/
Sprengung im Schneefeld

Im Projektraum des Kunstraum Innsbruck zeigt Judith Moser ihre Installation "emeth".

Von E. SCHLOCKER
INNSBRUCK. Die Installation der 35-jährigen Inns-
bruckerin bedeutet eine Zäsur in ihrem Sein als Künstlerin. Denn die gelernte Bildhauerin steht hier vor den Scherben ihrer bisherigen Arbeit, um sie zur Basis ihrer zukünftigen zu machen.

Für ihre bereits in Rom und Paris gezeigte Installation hat Judith Moser eine Reihe ihrer in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Tonfiguren zuerst mit roter Farbe - warum rot, das weiß die Künstlerin selbst nicht zu erklären - bemalt, auf ein Schneefeld gestellt und mittels Dynamit gesprengt. Diese Scherben sind ein Teil der Installation, der zweite ist das Video der Sprengung.

Die Radikalität dieses Tuns überrascht gerade angesichts des bisherigen Tuns von Judith Moser. Denn ihre tönernen, in sich gekehrten Figuren, die eigentlich nur Hüllen einer komplexen Wesenhaftigkeit sind, zeichnen sich gerade durch ihre Fragilität aus. Die Schöpferin dieser zerbrechlichen Körper hat ihre "Kinder" nun dem Tod preisgegeben.

In diesem Akt der Zerstörung - meth - ortet die Künstlerin allerdings die Wahrheit - emeth - und somit die Chance auf neue Erkenntnisse und künstlerische Perspektiven. Sie sieht Moser nicht zuletzt in den elektronischen Medien, im Video und in der Fotografie, aber auch im Sound, den sie mit ihren vielschichtig - nicht zuletzt politisch - deutbaren Bildern koppelt.

Kunstraum, Projektraum, Maria-Theresien-Straße 34, Innsbruck; 11. bis 20. Februar, Montag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr. Heute Montag 19 Uhr Buchpräsentation und Podiumsdiskussion
2003-02-09 19:40:17