VN Mi, 28.2.2007

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Kultur 

Menschen wie Vorstadthäuser

Der Vorarlberger Ingmar Alge zeigt in der St. Galler Galerie Roellin neue Arbeiten.

St. Gallen (VN-ag) Scheinidyllen unter einem bedrohlich blauen Himmel, verborgen hinter gesichtslosen Fassaden: mit seinen großformatigen Ansichten von Einfamilienhäusern hat der Vorarlberger Maler Ingmar Alge in den vergangenen Jahren auch international reüssiert. Doch bevor er endgültig als der Häusermaler in die Kunstgeschichte eingeht, überrascht er mit thematischer Vielfalt.

Befindlichkeiten

Von Überbevölkerung kann auch in den neuen Arbeiten, die Ingmar Alge derzeit in der Galerie Christian Roellin in St. Gallen zeigt, nicht die Rede sein. Aber irgendwie, vorsichtig und doch unaufhaltsam, hat sich der Mensch in die Bilder eingeschlichen. Was für den außenstehenden Betrachter zunächst wie ein Quantensprung anmutet, bedeutet für den Künstler selbst keinen großen Bruch.

Häuser wie Menschen, leere Hüllen oder entindividualisierte Personen, es geht um Befindlichkeiten, um Lebenssituationen, hier wie dort. " Ich bin Maler und male meine Lebenswirklichkeit" , sagt Alge. Die Vorlagen zu dieser Alltagsbewältigung auf Leinwand stammen teils aus dem Internet, teils sind es Fotos oder reine Bilderfindungen, die via Computer neu komponiert und in die Malerei zurückübersetzt werden. Die Lücke, die zwischen realistischer Malweise und der großen Künstlichkeit des Dargestellten aufklafft, füllt der Künstler versatzstückartig.

Szenen, in denen das Dunkel der Nacht momenthaft erhellt wird, das anonyme Bild einer dunkelhäutigen Person im Gegenlicht oder das skurrile Zusammentreffen von Maulwurf und Golfspieler auf dem Green - Aspekte wie Heimatsuche, die Angst vor dem Fremden oder das Unheimliche thematisierend, schließen die Arbeiten inhaltlich fast nahtlos an die Serie der Häuser an. Geblieben ist auch jene Tristesse, die alle Arbeiten von Alge ausstrahlen.

Einsamkeit

" Ein Maximum an Individualität produziert im Umkehrschluss ein Höchstmaß an Einsamkeit" , sagt Alge, und malt gegen die Brüchigkeit von Wahrnehmung an. Unter scheinbar glatten Oberflächen fördert er die Dinge, die dort lauern, zutage. Doch auch in den aktuellen Gemälden gibt es kein Entrinnen vor der Einsamkeit. Darüber täuscht auch das Auftauchen von Menschen nicht hinweg.

Die Ausstellung in der Galerie Roellin, Davidstraße 40Ö42, St. Gallen, dauert bis zum 14. April, geöffnet Mittwoch bis Freitag 14Ö18, Samstag 11Ö17 Uhr.

ZUR PERSON

Ingmar Alge

Ingmar Alge stellt derzeit in der Galerie Roellin aus

Geboren: 1971 in Höchst Ausbildung: Sommerakademie Salzburg, Akademie der bildenden Künste Wien Ausstellungen: u. a. München, Berlin, Wien, Bregenz, Dornbirn Projekte: Kunst am Bau, Konzept für Naturschutzgebiet Rheindelta Preise: Österr. Grafikwettbewerb, Österr. Staatsstipendium Wohnort: Dornbirn

Das Unheimliche und die Angst vor Ausgrenzung symbolisierend treten Ingmar Alges Bilder an den Betrachter heran. (Foto: Grabher)




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