Menschen wie Vorstadthäuser
Der Vorarlberger Ingmar Alge zeigt in der St. Galler Galerie Roellin neue Arbeiten.
St. Gallen (VN-ag)
Scheinidyllen unter einem bedrohlich blauen Himmel, verborgen hinter
gesichtslosen Fassaden: mit seinen großformatigen Ansichten von
Einfamilienhäusern hat der Vorarlberger Maler Ingmar Alge in den
vergangenen Jahren auch international reüssiert. Doch bevor er
endgültig als der Häusermaler in die Kunstgeschichte eingeht,
überrascht er mit thematischer Vielfalt. Befindlichkeiten
Von Überbevölkerung
kann auch in den neuen Arbeiten, die Ingmar Alge derzeit in der Galerie
Christian Roellin in St. Gallen zeigt, nicht die Rede sein. Aber
irgendwie, vorsichtig und doch unaufhaltsam, hat sich der Mensch in die
Bilder eingeschlichen. Was für den außenstehenden Betrachter zunächst
wie ein Quantensprung anmutet, bedeutet für den Künstler selbst keinen
großen Bruch. Häuser wie
Menschen, leere Hüllen oder entindividualisierte Personen, es geht um
Befindlichkeiten, um Lebenssituationen, hier wie dort. " Ich bin Maler
und male meine Lebenswirklichkeit" , sagt Alge. Die Vorlagen zu dieser
Alltagsbewältigung auf Leinwand stammen teils aus dem Internet, teils
sind es Fotos oder reine Bilderfindungen, die via Computer neu
komponiert und in die Malerei zurückübersetzt werden. Die Lücke, die
zwischen realistischer Malweise und der großen Künstlichkeit des
Dargestellten aufklafft, füllt der Künstler versatzstückartig. Szenen, in denen
das Dunkel der Nacht momenthaft erhellt wird, das anonyme Bild einer
dunkelhäutigen Person im Gegenlicht oder das skurrile Zusammentreffen
von Maulwurf und Golfspieler auf dem Green - Aspekte wie Heimatsuche,
die Angst vor dem Fremden oder das Unheimliche thematisierend,
schließen die Arbeiten inhaltlich fast nahtlos an die Serie der Häuser
an. Geblieben ist auch jene Tristesse, die alle Arbeiten von Alge
ausstrahlen. Einsamkeit
" Ein Maximum an
Individualität produziert im Umkehrschluss ein Höchstmaß an Einsamkeit"
, sagt Alge, und malt gegen die Brüchigkeit von Wahrnehmung an. Unter
scheinbar glatten Oberflächen fördert er die Dinge, die dort lauern,
zutage. Doch auch in den aktuellen Gemälden gibt es kein Entrinnen vor
der Einsamkeit. Darüber täuscht auch das Auftauchen von Menschen nicht
hinweg. Die Ausstellung
in der Galerie Roellin, Davidstraße 40Ö42, St. Gallen, dauert bis zum
14. April, geöffnet Mittwoch bis Freitag 14Ö18, Samstag 11Ö17 Uhr. ZUR PERSON
Ingmar Alge
Ingmar Alge stellt derzeit in der Galerie Roellin aus
Geboren: 1971 in
Höchst Ausbildung: Sommerakademie Salzburg, Akademie der bildenden
Künste Wien Ausstellungen: u. a. München, Berlin, Wien, Bregenz,
Dornbirn Projekte: Kunst am Bau, Konzept für Naturschutzgebiet
Rheindelta Preise: Österr. Grafikwettbewerb, Österr. Staatsstipendium
Wohnort: Dornbirn Das
Unheimliche und die Angst vor Ausgrenzung symbolisierend treten Ingmar
Alges Bilder an den Betrachter heran. (Foto: Grabher)
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