Kultur

Unverschämt dekorativ und einfach schön

25.05.2007 | SN
Das Leopold Museum Wien widmet dem "Tausendkünstler" Kolo Moser (1868-1918) bis 10. September eine Sonderausstellung

ERNST P. STROBL Wien (SN). Das nennt man Verbreitung: Wenn man Briefmarken oder gar Geldscheine entwirft, ist die Kunst "beim Volk" angekommen. Kolo Moser wollte mehr, er wollte praktisch jeden Lebensbereich mit seiner speziellen Kunst prägen, die sich - oh gute, alte Zeit! - der Schönheit widmete. Ob Möbel oder Tafelgeschirr, Kirchenfenster oder Illustrationen, Bilder von zarten Frauen - alles stattete der Jugendstilkünstler mit Sinn für Proportion und Ornament, Komposition und Farbe aus, was sein Design unverschämt dekorativ machte.

Überprüfen kann man das in einer Sonderausstellung, die im Leopold Museum in Wien am Donnerstag eröffnet wurde und die erstmals nach dreißig Jahren einen Gesamtüberblick über das Schaffen von Koloman Moser auf zwei Stockwerken zeigt (bis 10. September).

Seit vor zwei Jahren Serge Lemoine, der Direktor des Pariser Musée d'Orsay, als erster das Werk von Kolo Moser für würdig befunden hat, es zur großen Ausstellung "Wien um 1900. Klimt, Schiele, Moser und Kokoschka" zu bündeln, erlebt das Interesse am Gründungsmitglied von Secession und Wiener Werkstätten einen Aufschwung. Es ist nicht so leicht, einen Überblick in dieser Größe, wie ihn nun das Leopold Museum zeigt, zusammenzustellen. Die Leihgeber - abseits der zahlreichen privaten, die ungenannt bleiben wollten - sind so gut wie alle Wiener Museen, vom MAK über die Albertina, vom Belvedere über das Theatermuseum bis zum Wien Museum: Kolo Mosers künstlerische Hinterlassenschaft ist in alle Sammlungen eingegangen.

Kolo Moser, genannt "Tausendkünstler" Rund 550 Exponate zeigen alle Facetten des "Tausendkünstlers", wie sein Freund Hermann Bahr ihn genannt hat, und machen die Entwicklung und die Vielfalt deutlich, zeigen aber auch "Schwächen". Allerdings sind die von Zeitgenossen als "Ferdinand-Hodler-Nachahmung" herabgewürdigten Ölgemälde sogar vielfach stärker als die Werke des Schweizer Vorbilds. Auch das zeigt die Schau, die Ferdinand Hodler einen Raum widmet. Der Besuch bei Hodler in der Schweiz beeinflusste Mosers Ästhetik, aber schon vorher hatte Kolo Moser in Wien eine Hodler-Ausstellung gestaltet, wie Fotos dokumentieren.

Fotografien gibt es auch aus dem privaten Bereich des mit Ditha Mautner von Markhof verheirateten Künstlers. Ditha in Prachtkleidung, Kinder, Familienbilder, auch der Taufschein und die Parte des mit 50 Jahren an Kehlkopfkrebs verstorbenen Künstlers spiegeln Momente eines Künstlerlebens.

Die Rolle Kolo Mosers bei der Gründung der Secession 1897 bis zu seinem Austritt gemeinsam mit der Klimt-Gruppe 1905 wird extra beleuchtet. Allein für das Vereinsorgan "Ver Sacrum" schuf Moser rund 140 Illustrationen. Berühmt wurde Kolo Moser als Künstler der Wiener Werkstätte. Er gründete diese 1903 gemeinsam mit dem Architekten Josef Hoffmann, einem engen Freund, und dem Financier Waerndorfer, mit dem er sich später überworfen hat. Aus dieser Zeit sind "Neuigkeiten" in die Ausstellung - und den luxuriösen Katalog - eingeflossen: Eine Reihe von intarsierten Möbeln sind den damaligen Besitzern nun zugeordnet: Die von Kolo Moser bis ins letzte Detail ausgestattete Wohnung gehörte Hans Eisler von Terramare, einem Enkel des "Inzersdorfer"-Dosenfabrikanten. Konserven hat Moser keine gestaltet, was eigentlich verwundert.Information: www.leopoldmuseum.org

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