Graz (SN-m.b.). Jene, die sich die große "herbst"-Gedächtnisausstellung erwarten, werden enttäuscht. "Wir sind zu jung für Festreden und Gedenkausstellungen", sagt Intendantin Veronica Kaup-Hasler. Zwei Projekte gehen aber doch auf Geschehnisse der vier ersten Jahrzehnte ein, beleuchten das Wesen und die Mythen der "Avantgarde" und richten zugleich den Blick in die Gegenwart und Zukunft.
Im Grazer Stadtmuseum etwa kuratiert Reinhard Braun die Schau "Reading Back And Forth". Thematisiert werden Öffentlichkeit, Politik, Erinnerung und Rebellion. Acht Künstler entwickeln in neuen Arbeiten spezielle Lesarten des Festivals, zeichnen Konfliktlinien zwischen Kunst und Gesellschaft nach, dekonstruieren Mythen oder untersuchen Verschiebungen in der ästhetischen Sprache.
So fertigte etwa der Künstler Michael Schuster analog zu den mit Sponsoraufklebern übersäten Interview-Paravents von Fußballübertragungen eine Hintergrundwand mit allen Logos des Festivals an. "Eine durchaus aufschlussreiche Kurzgeschichte des steirischen herbstes", sagt Braun.
Die britisch-deutsche Formation "plan b" wiederum lädt zu einer "GPS-Audio-Tour durch 40 Jahre Kunst auf den Straßen von Graz". Zu hören gibt es erzählte Erinnerungen aus einer Zeit, als Christoph Schlingensief die Grazer mit einer Sandler-Aktion verstörte, als Hermann Nitsch auf der Kasematten-Bühne blutigen Aktionismus betrieb oder als Bill Fontanas Sound-Skulptur "Sonic Projections" Verzückung ebenso wie heftige Empörung hervorrief. Eingebracht wurden die Reminiszenzen von Ex-Intendanten, Besuchern, Kunstschaffenden oder Kritikern. "Eine Klanglandschaft legt sich über die visuelle Landschaft der Stadt", erläutert Sophia New von "plan b" ihre Arbeit "Fortysomething". Die Audio-Tour schaffe auch eine "im Entstehen begriffene neue Erinnerung".





