Wien - Vielleicht will man sich den Spielregeln der Kunst unterordnen: Schließlich müssen sich im Halleneck des MAK bis Mitte April zwei Tonnen Wachs (Ausstellung Anish Kapoor) akkumulieren, und da kann man vermutlich nicht einfach einmal den Kanonenbeschuss aussetzen; erst recht nicht, wenn dem Zuhörer dank Knall-Attacke die Worte des Direktors durch Mark und Bein gehen und so dem Motto der Veranstaltung "Gnadenlos. Visionär" entsprochen wird.
Peter Noever stellte am Dienstag die Ausstellungspläne für 2009 und die Ansätze für "Reparatur, Intervention und Erweiterung" vor, die für die "nächsten 20, 30 Jahre genug Platz" schaffen sollen - einen Großteil der Ausstellungsfläche vermietet das MAK bereits jetzt - und mindestens zwei Tonnen Baumasse und bisher unfinanzierte 40 Millionen Euro in Bewegung setzen würden: Dachausbau, "Überplattung" des Wienflusses, ein Kunst-Kran, Schaulager und Lounge sind nur einige der mitunter seit Jahren gedeihenden Ideen des "Changement" , die verdächtig nach einem Gesamtentertainment à la Tate Modern riechen:"Es ist die Aufgabe denkender Menschen, die Aura zu schaffen, die der Welt entspricht, statt in einer verrotteten Dekoration zu vegetieren."
Fixstarter: Kunst aus Korea
Zum fixen Programm gehören u.a. die Ausstellungen Global:lab, zu Globalisierung im historischen Kontext, Kunst aus Nordkorea, Rainer Ganahl, Franz Graf und Liam Gillick. Dank Kooperationspartner departure und der damit verbundenen Wirtschaftstopf-Finanzspritze wird auch das Thema Design in mehreren Schienen weitergeführt.
Gänzlich ohne Donnergrollen kam das Mumok, zeitgenössischer musealer Konkurrent, im Dezember zur Präsentation ihres 2009er-Programmes aus: Nächste Woche startet neben Maria Lassnig auch die Ausstellung Nam June Paik. Zu den weiteren Highlights zählen Präsentationen von Cy Twombly und Zoe Leonard und die großen Themenschauen Gender Check sowie Schöne neue Welt. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 04.02.2009)