Personalentscheidungen sind des Kulturpolitikers wichtigste Profilierungschance. Kunstministerin Claudia Schmied bevorzugt Berechenbarkeit – und hat einen Hang zu Feudalismus. Das zeigt zumindest die Entscheidung der sozialdemokratischen Exbankerin für Karola Kraus (49). Die Leiterin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden übernimmt ab 1. Oktober das Wiener Museum moderner Kunst (Mumok).
Personell verantwortet Schmied einen so umfassenden Umbau der Wiener Kulturlandschaft wie kaum ein Politiker vor ihr: Staatsoper, Kunsthistorisches, Naturhistorisches Museum, Museum moderner Kunst. Es folgt bis 2011 die neue Direktion des Museums für angewandte Kunst (Nachfolge Peter Noever) und bis 2012 die Auswahl des Chefs der Bundestheater-Holding (Georg Springer).
Kulturmanager werden in Österreich seltener getauscht als anderswo– trotz befristeter Verträge. Gerade für Museen ist auch Kontinuität wichtig. Neue Ideen, frischer Wind aber sind angesichts schneller Umdrehungen auf dem Kunstmarkt wesentlicher.
Eine Mumok-Direktorin, die vor allem die Sechziger- und Siebzigerjahre zeigen will, wirkt da etwas bieder. Karola Kraus hat keine Bedingungen gestellt. Die Zeiten sind hart, wer einen begehrten Posten in der Kunstszene schnappt, muss froh sein. Kraus hat viel Erfahrung. Sie will auf die Sammlung setzen. Das kommt jedenfalls billiger als Blockbuster. Diese haben viel dazu beigetragen, der Kunst jene Breitenwirkung zu verschaffen, die sie heute hat. Die Rückkehr zur Sammlung – das Wort klingt recht trocken – kann auch ein Rückschritt sein.
Die Mumok-Erweiterung ist, trotz mancher Lippenbekenntnisse, auf die lange Bank geschoben. Das geschrumpfte Budget für Bauten – im Vergleich zu den Sanierungen und Neubauten (MQ!) vergangener Jahrzehnte – fließt in ein Denkmal an der Peripherie – ins 20er Haus. Die Aufwendungen für dessen Neugestaltung scheinen laufend zu steigen. Das 20er Haus soll auch zeitgenössische Kunst aufnehmen. Schön und gut. Aber Warschau plant z.B. mitten im Zentrum ein Moderne-Museum auf 53.000 Quadratmetern – ein utopisches Projekt, vielleicht. Aber das Mumok hat bloß 4500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Mit einem solchen Angebot ist man für die nächsten hundert Jahre schlecht bis miserabel gerüstet. Da muss man nicht erst mit New York oder Paris Vergleiche anstellen.
Wien muss aufpassen, dass Touristen nicht mit der Zeit woanders hinfahren, weil hier hauptsächlich Altes geboten wird. Noch reisen Ausstellungen von Wien aus ostwärts – wie „Gender Check“, die Kooperation von Mumok und Erste Stiftung, die nach dem Mumok in Warschau zu sehen ist. Aber die wilde sinnliche Bildermacht der einstmals verachteten Ostkunst gibt zu denken. Personalentscheidungen sind eine Sache, für die Zukunft sichert man sich damit nicht ab. Heimische Politiker waren schon kühner unterwegs in der Kunstpolitik.
kultur@diepresse.com