| Salzburger Nachrichten am 25. April 2003 - Bereich: kultur
Der Albertina-Blues
Spannungen zwischen Albertina-Direktor Schröder und Bildungsministerin Gehrer: Schröder sagt Ausstellung wegen nicht gehaltener Zusage ab.
WIEN (SN-mo). Der Direktor des Wiener Museums Albertina, Klaus Albrecht Schröder, ist der erste der Direktoren der Bundesmuseen, der Konsequenzen zieht aus der Ankündigung des für die Bundesmuseen zuständigen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst, die Basisabgeltungen für das Jahr 2004 nicht zu erhöhen. Schröder gab bekannt, die vom 4. Juli bis 17. August 2003 geplante Ausstellung "Raffael bis Goya - Meisterwerke der Albertina" nicht stattfinden zu lassen. Die Ausstellung wird bereits beworben, Folder dafür wurden bereits aufgelegt. Schröder begründet den Schritt mit der Absage des Ministeriums, die Basisabgeltung für die Albertina in Höhe von 5,1 Millionen Euro jährlich nicht um jene 2,1 Millionen zu erhöhen, die er als "objektiven Mehrbedarf" für sein Haus festgestellt hatte. Diese Zahl war Ergebnis einer Studie, die das Bildungsministerium bei allen Bundesmuseen durchführte. Zusätzlich erhält das Haus in den Jahren von 2001 bis 2006 jeweils 1,09 Millionen Euro für die Kosten der Einrichtung, dazu hat es für die Eröffnungsveranstaltungen 500.000 Euro erhalten, sagte die Sprecherin von Ministerin Elisabeth Gehrer, Ulrike Rauch-Keschmann, den SN. Bereits kurz nach der Ankündigung von Bildungsministerin Gehrer, dass der Museen-Etat nicht erhöht werden könne, hatte Schröder betont, dass er für die Erhöhung eine Zusage des Ministeriums gehabt habe. Rauch-Keschmann wies erneut darauf hin, dass es so eine Zusage nie gegeben habe. Schröder ist bislang der einzige der Direktoren, der sich zu einem derart drastischen Schritt entschlossen hat. Allerdings hatte Schröder schon nach Bekanntgabe des Sparbeschlusses damit gedroht, Personal abbauen und andere Tä-tigkeitsbereiche der Albertina einschränken zu müssen. Albertina-Sprecher Stefan Musil erklärte, man habe diese Ausstellung abgesagt, weil sie ganz aus Beständen der Albertina zusammengestellt werden sollte und deshalb keine Verträge mit Leihgebern oder Versicherungen berührt werden. Man könne so die Kosten für Restaurierung und Vorbereitung der Blätter und das Wachpersonal einsparen. Die weiteren Ausstellungsprojekte für dieses Jahr - darunter Dürer im Herbst und eine, die sich der Arbeit Fritz Wotrubas als Leiter der Galerie Würthle widmet - seien nicht gefährdet. Hingegen werde die Albertina mit dem von Schröder angekündigten Personalabbau Ernst machen müssen. Dem Vorwurf, zu üppige Ausstellungen mit zu vielen Leihgaben zu veranstalten, hält die Albertina entgegen, dass es gerade diese Ausstellungen seien, welche die Besucher interessieren und daher Geld bringen. Allein von der Munch-Ausstellung erwartet man sich einen Umsatz von zwei Millionen Euro. Durch die Ausgliederung habe nun auch die Albertina den Auftrag, Teile ihres Etats selbst zu erwirtschaften, und ist auch vom Gesetz dazu aufgefordert, Ausstellungen "im In- und Ausland" zu veranstalten. Gerade angesichts dieses vom Ministerium formulierten Auftrags habe sich Schröder auf die Zusage verlassen, eine Basisabgeltung von 7,2 Millionen Euro jährlich zur Verfügung zu haben.
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