"Binnendifferenz"

Die Wiener Galerie Krinzinger zeigt auf einem ehemaligen Industrieareal in Bregenz junge Kunst aus Berlin.
Von Ingrid Adamer.


Berlin hat sich in den letzten Jahren als das neue Kunstzentrum Deutschlands etabliert. Viele internationale Künstlerinnen und Künstler wählen die Stadt als temporären Wohnsitz und tragen so zur Lebendigkeit der Szene bei.

Für das Ausstellungsprojekt "Berlin- Binnendifferenz" der Galerie Krinzinger haben der Komponist Thomas Krinzinger und die in Wien tätige Kuratorin Bettina Busse das Programm zusammengestellt. Während zahlreichen Aufenthalten in Berlin wurde die Auswahl getroffen. Ein Eckpunkt dabei ist die in Berlin wieder sehr präsente Malerei. "Es gibt aber keine neuen jungen Wilden, sondern viele unterschiedliche Strömungen", erklärt Bettina Busse.

Kult, Liebe, Medien

Kultfiguren wie die Beatles oder David Bowie stehen im Mittelpunkt der Bilder des Künstlerduos Maike Abetz und Oliver Drescher. In Johannes Kahrs Installation dreht sich alles um die Liebe: Der Künstler arbeitet mit Bildern, die in den Medien und in der Geschichte des Kinos vorkommen und er erzeugt künstliche Räume, die er mit Musik und akustischen Filmausschnitten bespielt.
Abetz/Drescher, Über Speicherung und Übertragung, 1999, 200 x 240 cm
Abetz/Drescher, Über Speicherung und Übertragung, 1999, 200 x 240 cm

Künstlerkollektiv Isotrop

Ein Shooting-Star innerhalb der jungen Berliner Kunstszene ist Jonathan Meese, dessen Arbeiten nun in Bregenz gezeigt werden. Meese ist Gründungsmitglied der Künstlervereinigung Isotrop, die vor rund vier Jahren ins Leben gerufen wurde. Seither organisieren die rund 20 KünstlerInnen Ausstellungen und Workshops. Sie machen aber auch Filme und haben eine eigene Band. Interessant ist dabei, dass trotz des Arbeitens im Kollektiv die einzelnen Kunstwerke die Handschrift der jeweiligen Künstlerpersönlichkeit tragen.

Schwerpunkt Fotografie

Neben Installationen und der Malerei nimmt auch die Fotografie in der Berliner Kunstszene einen wichtigen Stellenwert ein. Frank Thiel setzt sich bespielsweise mit dem öffentlichen Raum auseinander. Der Künstler thematisiert in seinen Fotografien anhand von Überwachungskameras die Frage nach der Sicherheit und Unsicherheit in Städten. Er wendet sich gegen die Scheindebatten, wie er sagt, in denen den Bürgern versprochen wird, alles werde gut, solange der öffentliche Raum äußerlich intakt erscheine.

Kunst auf dem Industriegelände

Präsentiert wird die Ausstellung über junge Berliner Kunst, die anschließend in veränderter Form auch in Salzburg und Innsbruck zu sehen sein wird, in Bregenz in einer 800 m2 großen Industriehalle in unmittelbarer Nähe des Festspielhauses. Teile des ehemaligen Fabrikareals werden derzeit umgebaut. Wie lange die Räumlichkeiten im Sommer noch für die Kunst zur Verfügung stehen ist ungewiss, denn Ursula Krinzinger weiß noch nicht, ob sie das Projekt noch betreiben wird. Vor 5 Jahren, als die Galerie Krinzinger ihr 25. Jubiläum beging, bespielte sie die Räumlichkeiten das erste Mal. "Ich behaupte immer noch, dass wir die Besitzer auf diesen wunderbaren Ort erst aufmerksam gemacht haben", ist sich Ursula Krinzinger sicher. Heute, da Teile des Komplexes anderwärtig, etwa als Jugendherberge, genützt werden, wird es für die Galerie immer schwieriger, den Ort zu bekommen.

Tipp:

Zu sehen ist die von der Galerie Krinzinger veranstaltete Ausstellung "Berlin- Binnendifferenz" bis 12. August im BengerAreal im Bregenzer Festspielbezirk.

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