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Kunstberichte

Raben sind pietätlos

Aufzählung (cai) Kann man mehr als zehn Jahre nach dem Jugoslawienkrieg schon wieder ein Blumenstillleben malen? Oder wenigstens einen Löwenzahn, der harmlos in der Gegend herumsteht und ungeniert vor sich hin blüht? Theoretisch schon. Vladimir Velickovic (1935 in Belgrad geboren) tut das aber zum Glück eh nicht. In die verbrannte Erde seiner apokalyptischen Angst-Landschaften pflanzt er höchstens da und dort einen Galgen ein. Das letzte Gänseblümchen ist offenbar längst gepflückt, die letzte Wiese abgefackelt, die letzte Schäfchenwolke vom dichten Qualm des Weltenbrandes verscheucht worden.

Also, leichte Kost ist das keine. Grausliche Endzeitvisionen sind das. Trostlose, verkohlte Gefilde, die sich bis zum rußigsten Schwarz verdüstern. Am Horizont glüht eine ferne Feuersbrunst. Raben (die klassischen Todesboten) picken die Restln auf. Besonders drastisch wird’s, wenn auch noch verstümmelte Leiber daliegen und Velickovic mit dem halbverwesten Fleisch die pietätlosen Rabenvögel füttert. Oder wenn er in einer wuchtigen Jäger-Beute-Szene einen Adler auf den womöglich allerletzten Überlebenden der Menschheitsdämmerung hetzt. Schwer verdaulich, ja. Aber der Mann beherrscht sein Handwerk. Der weiß , wie man die "Unfarben" Grau und Schwarz dramatisch in Szene setzt (und mit Blut und Feuer bedächtig würzt, weil das Rot ja so scharf ist wie Chili).

Stoisches Chaos

Aufzählung (cai)Wer dem Schwarz begegnen will (schon wieder die Lieblingsfarbe der Nihilisten und Existenzialisten), der kann ja in den puren Kaffee starren. (Moment: Ist der nicht dunkelbraun? Sonst müsst er ja grau werden, wenn man Milch reinschüttet.) Oder man schaut sich ein "Schwarzaquarell" vom Joachim Bandau an. Unzählige blassgraue Farbfelder legt er wie zartes Transparentpapier übereinander (stoisch ruhig bis chaotisch dynamisch). Die Schnittmenge kann da verdammt dunkel werden. Saugt den Blick ein wie eine offene Tür. Beinharte Disziplin wird mit einer solchen delikaten Raffinesse vorgeführt, dass es eine Freud’ ist.

Galerie Hilger (Dorotheergasse5) Vladimir Velickovic Bis 8. Mai Di. bis Fr. 10 bis 18 Uhr Sa. 10 bis 16 Uhr

Artmark Galerie Wien (Singerstraße 17) Joachim Bandau Bis 3. Mai Mi. bis Fr. 12 bis 18 Uhr Sa. 11 bis 14 Uhr

Dienstag, 29. April 2008

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