In den ersten drei Monaten habe Linz09 in der Bewertung des touristischen Erfolges immerhin so etwas wie einen Abfederungseffekt zustande gebracht. Österreichs Landeshauptstädte jammern wegen der Wirtschaftskrise über einen zehnprozentigen Rückgang des Geschäftstourismus. Linz sei fein heraußen, sagt Linz09-Geschäftsführer Walter Putschögl, weil in den Anfangsmonaten des Jahres nur um sechs Prozent weniger Gäste in der Landeshauptstadt übernachtet haben.
Der Erfolg von Linz09 wird nicht allein an der touristischen Sogwirkung gemessen werden, sondern daran, ob es der Stadt gelungen ist, das eigene Kulturbewusstsein zu vertiefen und sich einer kulturellen Verantwortung zu stellen. Für den Beschluss, die Kulturhauptstadt mit einem Budget von 65,8 Millionen Euro auszustatten, war es dennoch ein wuchtiges Argument, dass Zigtausende in die Stadt strömen würden.
Aber dann kam die Wirtschaftskrise. Lautlos hat sie sich angeschlichen, wird aber in diesen Monaten gern als Erklärung für enttäuschte Erwartungen engagiert. Erst vergangene Woche hatte sie einen großen Auftritt, als man ihr die Absage für das riesige Pöstlingberg-Projekt „Der Heilige Berg“ anhängen wollte – nur applaudierte niemand.
Verplemperte ZeitWas wie finanzielles Verantwortungsbewusstsein aussehen sollte, stellte sich bei genauerer Betrachtung als getarntes Zeitverplempern heraus.
Das Wahrzeichen der Stadt, das in der nationalen und internationalen Wahrnehmung nicht mühselig und teuer bekannt gemacht werden müsste, bekommt bei Linz09 deshalb keinen Auftritt, weil man das Geld für das seit drei Jahren im Rohkonzept vorliegende Projekt nicht rechtzeitig zusammengetragen hatte. Der Pöstlingberg wird also nicht als Erlebniswelt Karriere machen, sondern sich weiterhin mit der Grottenbahn im Kreis drehen.
Politische GleichgültigkeitDie kulturpolitisch Verantwortlichen nickten ab, was die Intendanz einst als Programm vorgelegt hatte – wie bei Aufsichtsratssitzungen des AEC (Ars Electronica Center). Absagen wesentlicher Linz09-Projekte werden nun genauso gleichmütig hingenommen. Beim Linzer Bürgermeister Franz Dobusch und seinem Stellvertreter Erich Watzl war nicht einmal gespielte Aufregung zu bemerken, als „Der Heilige Berg“ aus dem Programm gesprengt wurde.
Kulturhauptstadt heißt vor allem, sich daran zu beteiligen. Sonst hätte es ein Stadtverschönerungsverein als Linz09-Organisator auch getan.