„Bosnian Girl: No teeth, a mustache, smell like shit“, schrieb ein holländischer Soldat auf die Wand einer Baracke in dem kriegsgeschüttelten Land. Šejla Kamerić, 1976 in Sarajevo geboren, setzte Fragezeichen hinter die Beleidigungen, ein bildhübsches Mädchen schaut den Betrachter an. Wie eine Explosion von Kreativität bricht die Ausstellung „Gender Check“, die nach Wien nun in Warschau zu sehen ist, über den Besucher herein; weitere Reisen der 400 Bilder sind – ob der Fülle – nicht vorgesehen.
Die 1948 in Belgrad geborene Kunsthistorikerin Bojana Pejić gestaltete mit Experten aus 24 Ländern für das Wiener Museum moderner Kunst (Mumok) und die Erste-Stiftung eine Geschichte des Ostens: Da gibt es brav anmutende Systemaffirmation wie Bäuerinnen oder Teig knetende Frauen („Brot“ von Svetlin Roussev, Bulgarien), aber auch traurigen Realismus (eine völlig erschöpfte Frau nach der Arbeit vom Deutschen Horst Sakulowski, 1976). Tanja Ostojic aus Serbien versprüht beißende Ironie: Eine Frau sucht via Internet einen Mann mit EU-Pass und bekommt die skurrilsten Briefe.
Resignation strahlt Kai Kaljo aus Estland aus: Eine „Loserin“ erzählt ihr Leben, unsichtbares Publikum lacht höhnisch. Sexualität ist das Mittel, Gewalt gegen Frauen darzustellen (eine näht ihre Vulva zu), Demütigung zu zeigen (eine Frau leckt die Schuhe eines maskierten Mannes) und männliche Dominanz vorzuführen: „Aggressiver Kubus“, durch das Holz ragen Penisse (Eva Kmentová, Tschechien). Manches wirkt erschreckend aktuell wie das androgyne Wesen im Messgewand, das sein Geschlechtsteil herzeigt. Es gibt Anklänge an Aktionismus, Pop Art, einiges wirkt wie für den Westmarkt designed – wo das Publikum allerdings schon abgestumpft ist gegen Exzesse.
Im Zentrum von Warschau soll bis 2014 ein Museum moderner Kunst entstehen. Noch ist es ein Provisorium. Dem Schweizer Architekten, der den Neubau entwarf, wurde vorgeworfen, den hässlichen sozialistischen Baustil wiederzubeleben, der bis heute das Warschauer Stadtbild prägt. bp