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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
28. Mai 2007
17:35 MESZ
foto:SP/MARTIN MEISSNER

Foto: EPA/Horst Ossinger
Der von seiner Krankheit schwer gezeichnete Jörg Immendorff im März 2007 neben seinem Porträt Gerhard Schröders.

Jörg Immendorff 1945–2007
Der deutsche Maler starb 61-jährig an einer Nervenkrankheit - Immendorff zählte zu den bekanntesten Malern in Nachkriegs­deutschland

Düsseldorf – Er starb an einer mysteriösen Krankheit. Von 1998 an, da wurde bei Jörg Immendorff ALS, ein degeneratives Nervenleiden, diagnostiziert, war klar: Sein Körper würde langsam, Stück für Stück, zur Bewegungslosigkeit hin erstarren. Die Sehkraft würde dem Maler bleiben, solange, bis eben auch jene Nervenbahnen endgültig zersetzt sein würden, welche seine Atmung ansteuern.

Jörg Immendorf ist tot, sein Café Deutschland, jener immer wieder erweiterte Bilderzyklus, den er in den späten 1970ern begann, endgültig abgeschlossen. Im Café Deutschland platzierte Immendorf immer wieder jene Typen, die eben bestimmten, was Sache ist – bzw. er ließ die Akteure in Abwesenheit wirken. Sein Bildpersonal, das waren die Helden der (Kunst-)Geschichte, die politischen Akteure und Manipulateure, die Malerfürsten von seinem Kaliber. Malerei war bei Immendorf stets gleichzusetzen mit einer Debatte über Malerei. Wenn Bilder von Bildern kommen, dann waren das bei ihm stets Historien-, Moritatenbilder.

Reibung als Prinzip

Bei Joseph Beuys hat er studiert, vom Schamanen vielleicht das eminent wichtige Politische in der Kunst übernommen. Vor Immendorffs Zielen, der Ästhetik der Umsetzung ins Bild, seinen Vorstellungen, wie zu unterrichten denn das Beste wäre (die Reibung am Professorengott als quasi natürliches Selek_tionsprinzip), hat und hätte Joseph Beuys gegraust. Als Student wurde Immendorff von der Düsseldorfer Akademie verwiesen. Als Professor sollte er 1996 dorthin zurückkommen. Schon 1972 nimmt er, dessen "Ausbildung" nach seinen Rausschmiss autodidaktisch verlief, an der documenta 5 in Kassel teil, fünf Jahre später an der Biennale von Venedig. 1976 kommt es zu einer – für beide – prägenden Begegnung: Jörg Immendorf lernt den in Dresden lebenden A.R. Penck (Ralf Winkler) kennen. Es beginnt eine nachhaltige, und damals höchst ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen einem "Ost-" und _einem "Westkünstler". Penck und Immendorff verfassen ein Manifest zur Arbeit als Kollektiv, im Jahr darauf ein Aktionsbündnis, dessen Folge gemeinsame Ausstellungen unter dem Titel Penck mal Immendorff. Immendorff mal Penck waren.

Etwa zeitgleich mit der Diagnose seiner Krankheit verändert sich sein Werk. Er versucht alles Erzählerische abzulegen, das "inhaltliche Lametta" loszuwerden. Er entlehnt Leitmotive aus dem Werk Hans Baldung Griens, die an schwere Kugeln gebundenen Füße einer nackten Frau, malt Bilder mit Labyrinthen, Weltkugeln, dem Turm von Babylon. Rätselhafte Allegorien und das Thema des steten Wechsels bestimmen das nunmehrige Spätwerk. Im September 2005 wurde Jörg Immendorff mit einer letzten großen Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie Berlin geehrt. Er selbst rief noch eine Stiftung zur Erforschung von ALS ins Leben. (Markus Mittringer/ DER STANDARD, Printausgabe, 29.05.2007)


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