Jetzt ist die chinesische Gegenwartskunst, die durch etliche Toplisten gekrönte Gewinnerin des Kunstmarktbooms schlechthin, endgültig auch in Österreich gelandet. In der Sammlung Essl hat dieses ziemlich unmotiviert, weil ziemlich zu spät anmutende China-Jahr zwar schon 2006 stattgefunden. Die verloren hier und da beginnenden Ausstellungssplitter dieses Jahres trauern aber sowieso eher einem einst umfassend angelegten, letztlich gescheiterten China-Großprojekt von Mumok-Direktor Edelbert Köb nach, der wiederum seinen China-Teil kommenden Herbst nachliefert.
Autark von Beginn an war dabei Toni Stooss' Plan, der jetzt mit „Mahjong“ immerhin sein erstes überzeugendes Lebenszeichen als Direktor des Salzburger Museums der Moderne liefern konnte. Wobei gesagt werden muss, dass Uli Siggs einzigartige Sammlung schon 2005 unter demselben Titel in Bern präsentiert worden war. Schön für die Salzburger ist diese Schau trotzdem, das einschlägig interessierte internationale Festspielpublikum muss sich eben mit einem Wiedersehen begnügen.
Auch in Kassel und Venedig war China heuer stark präsent. Bei der Documenta dominierte mit Ai WeiWei der chinesische Star der Stunde. Sein von einem Unwetter demontierter Türenturm wurde zum unfreiwilligen Symbol der Veranstaltung. Man stelle sich nur die hämischen Kommentare vor, wäre für die Konstruktion eine Künstlerin verantwortlich gewesen. So aber durfte die Skulptur sogar „erstaunlich ästhetisch“ zu Boden sinken. Worin sich der europäische und der asiatische Kunstmarkt wohl am meisten ähneln: die Präferenz der schöpferischen Herren.
In Venedig übrigens verzichtete China heuer auffällig darauf, seine im Westen so erfolgreichen männlichen Stars weiter zu promoten: Man entschied sich für vier Künstlerinnen und erhielt dafür einen der zauberhaftesten Pavillons dieser Biennale.
almuth.spiegler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2007)