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Eine Kunst, die Fragen stellt

Ausstellung. Zwischen Small Talk und Enthüllung: 26 Videokünstler spielen in „Talk Talk“ der Galerie 5020 mit den Klischees von Interviews.

CLEMENS PANAGL SALZBURG (SN). Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Was ist gute Kunst? In dem Gespräch, das über den Monitor mit der Nummer 21 flimmert, werden Fragen gestellt, wie sie in jedem Künstlerinterview vorkommen. Nur die Spielregeln sind umgekehrt: Der Künstler spielt den Fragesteller, drei Kunstkritiker bemühen sich um Antworten. „Die Kritiker“ heißt das einstündige Video von Roozbeh Asmani, in dem er die Klischees des Kunstbetriebs auf den Kopf stellt. Es ist eines von 26 Videos, die auf Monitoren in den Räumen der Galerie 5020 laufen. Auch ein hölzerner Tunnel zwischen Hauptraum und Kabinett, in dem über frei hängende Lautsprecher die Tonspuren aller Werke simultan zu hören sind, macht klar: Hier geht es um die Unentrinnbarkeit vor der Informationsflut in einer Welt des Klatsches und der Enthüllungen.

„Talk Talk“ heißt die von Marc Ries, Hildegard Fraueneder und Reinhard Braun kuratierte Ausstellung. Was passiert mit Klischees, wenn sie von Künstlern hinterfragt werden? Das Duo Dellbrügge & De Moll hat einen realen Auftritt in einer Talkshow, in dem es 1993 zum Thema Videokunst interviewt worden war, nachträglich manipuliert: Im Video besteht das Interview ausnahmslos aus den Fragen der Moderatorin. Es antwortet aus- schließlich Kathi Lackner in „I am able to express myself in unique ways“. Die Künstlerin gibt ununterbrochen über sich selbst Auskunft und erzählt dabei Widersprüchliches. Sämtliche Aussagen hat Kathi Lackner in Selbstdarstellungsforen im Netz gesammelt. Interviews mit Flüchtlingen, Emigranten, Fabriksarbeitern und vermeintlich perfekten Pärchen: Wer jeden Film verfolgt, sieht ein breites Panorama zwischen Parodie und hintergründiger Auseinandersetzung. Zeit sollte man dazu allerdings haben: Die Gesamtlänge aller Arbeiten beträgt fast zehn Stunden.Bis 6. März. Di–Fr 14–18 Uhr, Sa 10–13 Uhr. www.galerie5020.at

Kultur / 18.01.2010 18.01.2010 / Print

 
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