Hauptmenu . _
Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

Linkmap

.
. .

Quer durch Galerien

Sag zum Meer leise: "Fass!"

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Feuer speiende Drachen kann man nur bedingt mit einem Feuerlöscher außer Gefecht setzen. Und wenn die Biester eine feuchte "Aussprache" haben und Meeresungeheuer sind, die sich höher aufbäumen als das Ronacher? Dann satteln die Ritter ihre Surfbretter und reiten hinaus - nein, nicht um jungfräuliche Schwimmerinnen in Seenot zu retten, sondern um ein bisschen auf dem Rücken oder im Maul des Monsters Wellen zu reiten. Surfer sind ja keine Drachentöter.
Robert Longo (auch so ein Wellenreiter) ist vielerlei. Der Regisseur von "Johnny Mnemonic" zum Beispiel, wo das gutaussehende Hirn von Keanu Reeves vor lauter Input, nämlich nach einer Überdosis von 320 Gigabytes zu explodieren droht (ebenfalls eine Naturgewalt). Nun huldigt Longo (bis 8. Mai in der Galerie Steinek, Himmelpfortgasse 22) mit dem Kohlestift der faszinierenden Schönheit und "animalischen" Wildheit von Monsterwellen. Und macht regelrechte Lebewesen aus dem nassen Element, das sich mitunter mit Feuer zu verbinden scheint. Dampfende Kreaturen mit dem Temperament von Godzilla (also Choleriker). Persönlichkeiten, denen man mit Angelhaken oder gar einem Beißkorb bestimmt nicht beikommen kann. Sozusagen die "Dobermänner der Beach Boys" oder der Salzwasser gewordene Leviathan, auch wenn alles immer noch wie Wellen, die für Surfer geeignet sind, aussieht.
Longo hat es geschafft, die Wellen zu beseelen, wie er es dereinst mit Freuds Sessel getan hat, den man fortan sogar eines Ödipuskomplexes für würdig erachten möchte. Es wäre verlockend, nun zu schlussfolgern (wegen dem Naheverhältnis von Longos Kohlestift zu Freud), bei den zügellosen Wellen handle es sich um das brodelnde Es. Auf kitschige Weise pathetisch und schmalzig romantisch ist der heroisch hohe Seegang wohl. Aber, meine Güte: Wieso nicht? "Typisch" amerikanisch wäre das Ganze freilich erst, wenn der flüssige Aggregatzustand nach fiesen Nazis schnappen würde, die brustschwimmend den Atlantik überquert haben, um eine Invasion in der zivilisierten Welt zu machen. Denn: "Killernazis must die!"
Claudia Pilsl (bis 3. April in der Fotogalerie, Währinger Straße 59) hat bei ihrem letzten Besuch im Palais Liechtenstein alle Bilder aus den Rahmen geschnitten. Genau genommen hat sie den "Fremdkörper" namens "moderne Kunst" nicht aus dem leibhaftigen Barockpalais herausgeschnipselt, sondern aus den Fotos, die sie bei ihrem Abschiedsbesuch geschossen hat. Ein Ausdruck von Futterneid (die Konkurrenz zu entfernen)? Oder ein konzeptioneller Nachruf auf das alte Museum moderner Kunst? Oder hat Pilsl die etablierte Kunst, die es also ins möglicherweise eh fade Nirwana geschafft hat, einfach aus ihrer letzten Ruhestätte, die man Museum nennt, befreit? Die Fotos mit den klaffenden "Operationswunden" setzen jedenfalls lohnende Gedanken frei. Dass die Bilder ja wirklich nicht mehr im Palais sind, liegt aber bekanntlich nicht an einem frechen Diebstahl mit Voodoo-Methoden, sondern an der Sogwirkung des MuseumsQuartiers.
Das Aquarium - ein Fischbunker. Dieter Matzalik (bis 8. April in der Galerie Gabriel, Seilerstätte 19) malt grobschlächtig wie beim Verputzen von Wänden, sprich: Er spachtelt seine Bilder zu. Ein bezeichnender Titel: "Ich hatte ein Aquarium aus Beton." Ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Erschienen am: 29.03.2002

.

bullet Quer durch Galerien

bullet Eine Pariser Ausstellung über einen Buchhändler aus Wien

bullet Kunsthalle Krems: Die russischen Realisten des 19. Jahrhunderts

bullet KunstHausWien: Pierre & Gilles - "Arrache mon cœur"

bullet Quer durch Galerien

bullet Dorotheum: Auktion "Alte Meister"

bullet Gösta Winbergh in Wien gestorben

bullet Wiener Secession: "Gefangen in der Gegenwart" - Manfred Erjautz

.