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15.11.2002 - Ausstellung
Der Welt gestellt: soziales Design
Die Generali Foundation in Wien zeigt "Designs für die wirkliche Welt": zum Benützen, zum Schmunzeln, zum Kopfschütteln, aber auf jeden Fall zum Nachdenken.
VON ALMUTH SPIEGLER


Ein Fremdenstab, eine mobile Wohnung für Obdachlose, eine Provokateurstange, ein Mobiltelephon mit Handkurbel, ein Schmetterlings-Haus. Skurrile Erfinder-Messe in der Wiener Generali Foundation? Vier Architekten und Designer zeigen hier ihre Arbeiten zur Weltverbesserung. Titel: Designs für die wirkliche Welt" - ein Grund, warum kein Kunst- Künstler ausstellt?

Die Betonung liegt auf dem Wort Interdisziplinarität. Ein Fluchtweg aus einem ausufernden Thema, eine Rechtfertigung für die Einschränkung auf vier Beiträger? Denn Kunst und soziales Engagement ist ein sowohl altes wie schon durchgehend beackertes Feld der Kulturgeschichte.

Die Generali Foundation windet sich aus einer Verantwortung zum Überblick elegant heraus: Die Biographien der Teilnehmer lesen sich so interessant wie eindrucksvoll und bestätigen die unausgesprochene Konzentration auf Osteuropa. Aufgeteilt wurde die Schau gerecht zwischen Geschlechtern und Reifegraden - klar und intelligent.

Ausstattung für die Welt

So ist mit Krzysztof Wodiczko der 1943 geborene polnische Urvater der sozialen Kunst vertreten, der jetzt in Cambridge die "Interrogative Design Group" leitet. Seine zur Erleichterung der Kommunikation erdachten Apparaturen karikieren in ihrer Sperrigkeit genau die Unfähigkeit zu dieser. Poetischer ist sein "Alien Staff", ein Hirtenstab-ähnliches Gerät zum multimedialen Geschichtenerzählen. Dokumentiert sind Testversuche mit Einwanderern und sozialen Randgruppen.

Ebenfalls getestet wurden Wodiczkos Vehikel für Obdachlose. Die tonnenartigen Wägen, die Schlaf- und Sammelstelle verbinden, scheiterten im Gebrauch. Beladen waren sie nicht mehr zu bewegen - Design nicht für diese Welt.

Gegen das trotz aller Ehrwürdigkeit ironische Werk von Wodiczko steht die ernsthafte Arbeit der 26jährigen Azra Akasamija, die 1990 von Sarajevo nach Österreich flüchtete. In ihrer hier als Installation präsentierten Diplomarbeit an der TU Graz analysiert sie die Entwicklung des Arizona-Marktes, des größten Schwarzmarkts in Bosnien, und erarbeitete strukturelle Verbesserungen: Die "Provokateurstange", eine Straßenlaterne mit Zusatzfunktionen - ein "infrastrukturelles Andockprogramm".

Die Slowenin Marjetica Potrc dokumentiert alternative Nutzgeräte für die Dritte Welt, wie eine simpel-geniale Wasserwalze. Durch ihren Nachbau des Regenwasser-sammelnden "Butterfly-House" wird ein anderer Sozialarbeiter der Kunst geehrt, der US-Architekt Samuel Mockbee.

Ähnlich arbeitet der österreichische Designer Florian Pumhösl: Er rekonstruierte die Entwürfe des revolutionären Design-Vordenkers der 70er-Jahre, Viktor Papanek, von dessen kritischem Buch "Design for the real World" auch der Titel der anregenden Ausstellung entlehnt wurde.

Bis 22. Dezember. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.



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