Ein Fremdenstab, eine mobile Wohnung für Obdachlose, eine
Provokateurstange, ein Mobiltelephon mit Handkurbel, ein
Schmetterlings-Haus. Skurrile Erfinder-Messe in der Wiener Generali
Foundation? Vier Architekten und Designer zeigen hier ihre Arbeiten zur
Weltverbesserung. Titel: Designs für die wirkliche Welt" - ein Grund,
warum kein Kunst- Künstler ausstellt?
Die Betonung liegt auf dem Wort Interdisziplinarität. Ein
Fluchtweg aus einem ausufernden Thema, eine Rechtfertigung für die
Einschränkung auf vier Beiträger? Denn Kunst und soziales Engagement ist
ein sowohl altes wie schon durchgehend beackertes Feld der
Kulturgeschichte.
Die Generali Foundation windet sich aus einer
Verantwortung zum Überblick elegant heraus: Die Biographien der Teilnehmer
lesen sich so interessant wie eindrucksvoll und bestätigen die
unausgesprochene Konzentration auf Osteuropa. Aufgeteilt wurde die Schau
gerecht zwischen Geschlechtern und Reifegraden - klar und intelligent.
Ausstattung für die Welt
So ist mit Krzysztof Wodiczko der 1943 geborene polnische
Urvater der sozialen Kunst vertreten, der jetzt in Cambridge die
"Interrogative Design Group" leitet. Seine zur Erleichterung der
Kommunikation erdachten Apparaturen karikieren in ihrer Sperrigkeit genau
die Unfähigkeit zu dieser. Poetischer ist sein "Alien Staff", ein
Hirtenstab-ähnliches Gerät zum multimedialen Geschichtenerzählen.
Dokumentiert sind Testversuche mit Einwanderern und sozialen Randgruppen.
Ebenfalls getestet wurden Wodiczkos Vehikel für
Obdachlose. Die tonnenartigen Wägen, die Schlaf- und Sammelstelle
verbinden, scheiterten im Gebrauch. Beladen waren sie nicht mehr zu
bewegen - Design nicht für diese Welt.
Gegen das trotz aller Ehrwürdigkeit ironische Werk von
Wodiczko steht die ernsthafte Arbeit der 26jährigen Azra Akasamija, die
1990 von Sarajevo nach Österreich flüchtete. In ihrer hier als
Installation präsentierten Diplomarbeit an der TU Graz analysiert sie die
Entwicklung des Arizona-Marktes, des größten Schwarzmarkts in Bosnien, und
erarbeitete strukturelle Verbesserungen: Die "Provokateurstange", eine
Straßenlaterne mit Zusatzfunktionen - ein "infrastrukturelles
Andockprogramm".
Die Slowenin Marjetica Potrc dokumentiert alternative
Nutzgeräte für die Dritte Welt, wie eine simpel-geniale Wasserwalze. Durch
ihren Nachbau des Regenwasser-sammelnden "Butterfly-House" wird ein
anderer Sozialarbeiter der Kunst geehrt, der US-Architekt Samuel Mockbee.
Ähnlich arbeitet der österreichische Designer Florian
Pumhösl: Er rekonstruierte die Entwürfe des revolutionären
Design-Vordenkers der 70er-Jahre, Viktor Papanek, von dessen kritischem
Buch "Design for the real World" auch der Titel der anregenden Ausstellung
entlehnt wurde.
Bis 22. Dezember. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis
20 Uhr.
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