| Salzburger Nachrichten am 29. April 2003 - Bereich: kultur
Realität wird Fiktion
Salzburg: Carmen Calvo in der Academia
Carmen Calvo befördert in der Salzburger Galerie Academia Botschaften aus dem Alltag in eine Welt, in der Ansichten der Wirklichkeit in Fiktion münden. Das beginnt in den collagierten Zeichnungen, wo sie als leidenschaftliche Sammlerin gedruckten Fundstücken ihre Kommentare einschreibt. Menschliche Katastrophen, private Dramen und banale Alltäglichkeiten bilden die Folie für Calvos subversive Recherchen. Was in den Collagen zu einer Abrechnung mit Strategien der Unterdrückung gerät, führt die Künstlerin in den überarbeiteten vergrö-ßerten Fotografien zu einer Auseinandersetzung mit der Frage, ob und wo die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie auszumachen ist. Mit ihren oft nur schwer erkennbaren Eingriffen legt sie den Abgrund frei, der sich hinter der Idylle auftun kann. Sie fischt in den trüben Wassern des Unterbewusstseins und knüpft damit an surrealistische Methoden an. In den Objektkästen schafft die spanische Künstlerin Spielräume, in denen eigenwillige Assoziationen heftigen Spekulationen Auftrieb geben. Mit diesem Kontext gelingt es ihr zwar, eine gesteigerte Eindringlichkeit herzustellen, sie begibt sich jedoch auch in die Gefahr, den exotischen Reiz volkstümlichalltagsästhetischer Objet trouve`es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. WOLFGANG RICHTER
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