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14.07.2003 - Kultur News
Hermann Nitsch geht in Pension
Der umstrittene Aktionskünstler feiert seinen Abschied als Dozent der Frankfurter Städelschule mit einem Fest und zwei Ausstellungen.


FRANKFURT/MAIN (apa/dpa). Der umstrittene Aktionskünstler Hermann Nitsch geht in Pension: Nach mehr als drei Jahrzehnten beendet der dienstälteste Dozent der Frankfurter Städelschule seine Lehrtätigkeit in Deutschland. Die Kunstschule verabschiedet ihn diese Woche mit einem Fest und zwei Ausstellungen. Nach einem Kulturkrieg Ende der 80er Jahre blieb dem Schockierer bis heute der Status als Professor verwehrt.

Rituale mit Blut und Eingeweiden

Nitsch, der am 29. August 65 Jahre alt wird, ist für seine schockierenden Aktionen bekannt. Für sein "Orgien Mysterien Theater" ersann er verstörende Rituale mit Blut, Tierkadavern und Eingeweiden. Die von ihm veranstalteten "Mysterienspiele" riefen regelmäßig die Polizei auf den Plan und entsetzten Tierschützer und Gläubige. Nitschs Bilder entstehen in der Tradition des Action Painting durch das Beschütten mit Farbe und Blut.

Professorentitel verweigert

Nachdem Nitsch jahrelang als Gastdozent in Frankfurt gearbeitet hatte, schlug der damalige Städelschule-Direktor Kaspar König ihn 1989 als Professor vor. Doch die hessische CDU/FDP-Landesregierung mit Wolfgang Gerhardt (FDP) als Wissenschaftsminister verweigerte dem Österreicher die Verbeamtung.

Stoiber: "Perverses Spektakel"

Ein Fernsehbericht hatte kurz zuvor Nitschs grausige Spektakel angeprangert und damit deutschlandweit Proteste heraufbeschworen. So kritisierte Edmund Stoiber (CSU), damals bayerischer Innenminister, den TV-Beitrag als "größte Sauerei" und "perverses Spektakel". Der damalige hessische Grünen-Vorsitzende Joschka Fischer versuchte vergeblich zu vermitteln: "Künstlerische Entscheidungen dürfen nicht von den Geschmacksnerven eines Ministers bestimmt werden."

Ausstellungen

Was der Österreicher an der Städelschule geleistet hat, ist von dieser Woche an in Frankfurt zu besichtigen. Zum Ausstand präsentieren von Mittwoch (16.) an die Schüler aus Nitschs letzter "Klasse für interdisziplinäre Kunst" ihre Arbeiten. Eine zweite Ausstellung vereint die besten Arbeiten aus rund 100 Nitsch-Klassen zwischen 1971 und 2003. Am Donnerstag (17. Juli) wird der Österreicher dann offiziell verabschiedet.



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