FRANKFURT/MAIN (apa/dpa). Der umstrittene Aktionskünstler Hermann
Nitsch geht in Pension: Nach mehr als drei Jahrzehnten beendet der
dienstälteste Dozent der Frankfurter Städelschule seine Lehrtätigkeit in
Deutschland. Die Kunstschule verabschiedet ihn diese Woche mit einem Fest
und zwei Ausstellungen. Nach einem Kulturkrieg Ende der 80er Jahre blieb
dem Schockierer bis heute der Status als Professor verwehrt.
Rituale mit Blut und Eingeweiden
Nitsch, der am 29. August 65 Jahre alt wird, ist für seine
schockierenden Aktionen bekannt. Für sein "Orgien Mysterien Theater"
ersann er verstörende Rituale mit Blut, Tierkadavern und Eingeweiden. Die
von ihm veranstalteten "Mysterienspiele" riefen regelmäßig die Polizei auf
den Plan und entsetzten Tierschützer und Gläubige. Nitschs Bilder
entstehen in der Tradition des Action Painting durch das Beschütten mit
Farbe und Blut.
Professorentitel verweigert
Nachdem Nitsch jahrelang als Gastdozent in Frankfurt gearbeitet hatte,
schlug der damalige Städelschule-Direktor Kaspar König ihn 1989 als
Professor vor. Doch die hessische CDU/FDP-Landesregierung mit Wolfgang
Gerhardt (FDP) als Wissenschaftsminister verweigerte dem Österreicher die
Verbeamtung.
Stoiber: "Perverses Spektakel"
Ein Fernsehbericht hatte kurz zuvor Nitschs grausige Spektakel
angeprangert und damit deutschlandweit Proteste heraufbeschworen. So
kritisierte Edmund Stoiber (CSU), damals bayerischer Innenminister, den
TV-Beitrag als "größte Sauerei" und "perverses Spektakel". Der damalige
hessische Grünen-Vorsitzende Joschka Fischer versuchte vergeblich zu
vermitteln: "Künstlerische Entscheidungen dürfen nicht von den
Geschmacksnerven eines Ministers bestimmt werden."
Ausstellungen
Was der Österreicher an der Städelschule geleistet hat, ist von dieser
Woche an in Frankfurt zu besichtigen. Zum Ausstand präsentieren von
Mittwoch (16.) an die Schüler aus Nitschs letzter "Klasse für
interdisziplinäre Kunst" ihre Arbeiten. Eine zweite Ausstellung vereint
die besten Arbeiten aus rund 100 Nitsch-Klassen zwischen 1971 und 2003. Am
Donnerstag (17. Juli) wird der Österreicher dann offiziell
verabschiedet.
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