Mit den Händen sehen

Das Bregenzer Künstlerhaus zeigt einen Querschnitt durch 33 Jahre Kunstschaffen von Tone Fink, von den zeichnerischen Anfängen bis hin zu den jüngsten Skulpturen, die als Sitzmöbel dienen. Von Ingrid Adamer.




Sicher wird man im Alter ruhiger und braver, weniger "revoluzzerisch" oder anstößig. Vor allem aber ist mir wichtig, dass ich neben allen Provokationen selber Spaß an der Arbeit habe" so defininert sich Tone Fink, der seit fast dreieinhalb Jahrzehnten "munter drauf los arbeitet" wie er freimütig bekennt.


Papierene Kunst

Den Hang zum Spielerischen hat sich Tone Fink über die Jahre hinweg erhalten. Wie ein roter Faden zieht sich die Beschäftigung mit dem Material Papier durch sein Werk. Papier bezeichnet der Künstler mit skurrilen, bissigen und irritierenden Motiven, er ritzt es, zerreißt das Material und klebt es wieder zusammen, oder er ballt und formt das Papier zu Skulpturen.

Ausflüge in andere Welten

Die Papierhaut macht die Objekte zu Wesen, sie fungiert als schützende Maske und sie bietet zudem die Möglichkeit zur Verwandlung. Grenzen zwischen den Kunstgattungen sind für Tone Fink da, um übersprungen zu werden, denn er braucht die Abwechslung. "Die vielen Disziplinen und Medien halten mich bei Laune", erklärt Tone Fink. "Diese auf Papier gekritzelten, graphisch-grüblerischen Pläne, Skizzen, Skulpuren oder Wortschöpfungen" ,so Fink,"sind mein Ausgangsmaterial". Von diesem unternimmt er dann seine Ausflüge.

Ausflug Film

Verschiedene künstlerische Ausdrucksformen, wie Text, Klang, Zeichnung, Bild, Objekt, Performance und Design werden in den Filmen von Tone Fink, die die Besucher der Ausstellung im Bregenzer Künstlerhaus auf vom Künstler gestalteten Sitzgelegenheiten betrachten können, miteinander verschmolzen.

Möbel als Skulpturen

Die aus Draht und Papiermaché geformte Möbelskulpturen sind stabil und teilweise ineinander stapelbar. Die Wandelbarkeit ist Tone Fink wichtig: Große Papierkreisel funktionieren als skulptureales Arrangement ebenso wie als Utensil für eine Performance. "Wahrscheinlich habe ich als Kind zu wenig Spielzeug gehabt", so erklärt Fink seine Vorliebe für Kreisel und ähnliche Formen: "Ich will, dass man nicht nur mit den Augen begreift, sondern mit den Händen sieht." Der herkömmliche Museumsbetrieb, wo Gegenstände nicht berührt werden dürfen, läuft da Tone Finks Kunstauffassung ganz und gar zuwider, will er doch, dass seine Kunst spürbar ist, sinnlich und taktil.


Tipp: Die Retrospektive mit Zeichnungen, Malereien, Objekten und Filmen von Tone Fink aus den Jahren 1967- 2000 bleibt bis zum 3. September im Bregenzer Künstlerhaus (Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10a) geöffnet.

Radio …sterreich 1