| Salzburger Nachrichten am 9. Juli 2005 - Bereich: kultur
Das Ende von Leihgaben "Dauerleihgaben" von
Kunstwerken können Museen große Probleme bereiten
Laszlo MolnarFrankfurt, Bonn, SALZBURG (SN). Deutsche Museen bekommen
gerade zu spüren, was es bedeutet, wenn Sammler das Wort "Leihgabe" ernst
nehmen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet in ihrer
Freitag-Ausgabe, dass das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt dabei ist,
fünfhundert Sammlungsobjekte zu verlieren. Darunter solche, für die sich
das Museum einen Namen gemacht hat: Werke von Beat Streuli, Luc Tuymans
oder Burce Naumann. Der bisherige Leihgeber, der Immobilienunternehmer
Dieter Bock, will seine bis zu diesem Jahr als Leihgabe überlassenen
Kunstwerke wieder zurückhaben. Ungemach droht auch dem Kunstmuseum in Bonn. Dessen Bestände
zeitgenössischer Kunst verdankt es vor allem der Sammelleidenschaft des
Duisburger Bauunternehmers und Immobilienhändlers Hans Grothe. Nach
bereits seit längerem kursierenden - und von Grothe immer wieder
dementierten - Gerüchten, hat der Sammler seine siebenhundert Werke
umfassende Sammlung nun komplett verkauft (die SN berichteten). Der
Komplex, eine der größten Sammlungen von Gemälden deutscher Malerstars wie
Sigmar Polke, Markus Lüpertz, Anselm Kiefer und Gerhard Richter, wird auf
einen Wert von 200 Millionen Euro geschätzt - angeblich für 50 Millionen
verkaufte Grothe ihn an das Sammlerpaar Syliva und Ulrich Ströhe, die
Eigentümer des Haarpflegeunternehmens "Wella". ANALYSE Finanzielle Schwierigkeiten sollen den 74-jährigen
Geschäftsmann dazu gezwungen haben. Die Konsequenzen für das Bonner Museum
könnten das Gegenteil derer für die Kollegen in Frankfurt sein: Es werde
befürchtet, dass das Ehepaar Ströhe nicht in den alten Leihvertrag
eintreten, sondern für seine gesamte Sammlung Konditionen aushandeln
werde, berichtet die "FAZ". Auf das Bonner Museum käme dann die Verpflichtung zu, sich um insgesamt
1500 Kunstwerke kümmern zu müssen. Das würde den Handlungsspielraum
einschränken, sich um die Pflege des eigenen Bestandes zu kümmern. Der ist
in Bonn in Form einer guten Sammlung von Arbeiten August Mackes und
jüngerer Kunst vorhanden. In Frankfurt hingegen steht man zunächst einmal
vor überwiegend leeren Wänden. Die 500 Dauerleihgaben sind weg, ein großer
Teil von ihnen wird in den Kunstmarkt gehen. Offenbar hatten die
Verantwortlichen der Stadt nicht gewusst, welche Abmachungen genau der
damalige Museumsdirektor, Jean-Christophe Ammann, mit dem Finanzier Bock
getroffen hatte. Bock hat auf Vorschlag Ammanns die Werke gekauft und sie dann dem
Museum zur Verfügung gestellt - allerdings nur für die Dauer der Amtszeit
Ammanns, die bereits 1995 zu Ende gegangen ist. Nun machte der Eigentümer
von seinem Recht Gebrauch, der Dauer der Leihgaben ein Ende zu setzen. Er
brauchte dafür nicht einmal Gründe anzugeben. Fälle wie diese haben der Diskussion wieder Nahrung gegeben, wie weit
sich staatliche oder kommunale Museen mit privaten Sammlern einlassen
sollen. Auch für das neue Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg
ist solche Gefahr nicht gebannt, wenn es nicht gleichzeitig eine
tragfähige eigene Sammlung aufbauen wird. |