Kultur

"Belvedere" zum Einstampfen

23.05.2007 | SN
HEDWIG KAINBERGER

Hätte es nicht ein Bekannter mit Nahverhältnis zur Raiffeisen-Zentralbank hergezeigt, wär' es zu übersehen, dass unter der Leitung von Agnes Husslein als Direktorin und Alfred Weidinger als Vizedirektor in der Österreichischen Galerie im Belvedere bei all den neuen Broschüren und dem dicken, bunten Gartenkatalog ein beachtenswertes Druckwerk nicht erschienen ist. Es wäre auch dick und voller Bilder: prächtig! Es handelt von einem Maler, der auch nach dem Abschied der "Goldenen Adele" in diesem Museum prominent vertreten ist: Gustav Klimt. Und es heißt sogar "Belvedere". Doch wer im Museumsshop des Belvedere oder in Wiener Buchhandlungen oder in der Salzburger Galerie Welz danach sucht, wo diese seit 1995 zwei Mal jährlich erscheinende "Zeitschrift für bildende Kunst" vertrieben wird, findet nichts. Warum hat nun der Bekannte mit Nahverhältnis zur RZB ein Exemplar?

Das dürfte aus Sicht von Agnes Husslein und dem aus der "Schröder-Schule" der Albertina kommenden Alfred Weidinger ein blöder Zufall sein. Doch aus Sicht von Kunsthistorikern, die auf neueste Ergebnisse der Klimt-Forschung gewartet haben, ist es ein Glück: Die Druckerei hat von den in Auftrag gegebenen 1200 Stück arglos und wie vereinbart 300 Stück an den Sponsor dieses Bands geliefert.

Zeitgleich wurden zwar die anderen Bücher ins Belvedere geschickt, doch mit der Behauptung retourniert, dies sei nicht in Auftrag gegeben. Also liegen die 900, je 318-seitigen "Belvedere"-Exemplare seit April in der Druckerei und warten - sollte nicht ein Wunder geschehen - aufs Einstampfen.

Wohin werden die Kosten von angeblich 30.000 Euro für Autorenhonorare und Druck gebucht? Vielleicht findet sich ja bei den vielen bevorstehenden Umbauten noch einer von Prinz Eugens Kaminen, um sie da hinein zu schreiben.

In Auftrag gegeben wurde dieser seit zwei Jahren vorbereitete Sonderband von "Belvedere" sehr wohl, allerdings mit zwei Makel, die seit Jänner 2007 offenbar fatal geworden sind: Erstens wurde der Prachtband voll wissenschaftlicher Neuheiten nicht in der Ära Husslein fertig, sondern einige Wochen zuvor, so dass der Lorbeer wenn, dann ihrem Vorgänger zusteht. Und zweitens - vermutlich ist das noch schlimmer! - ist dieses Werk nicht mit großen Lettern des Namens von Direktorin oder Vizedirektor versehen.

Welch Glück im anbrechenden Zeitalter des Absolutismus in staatlichen Museen, dass es noch Sponsoren gibt!

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