


Blick in der Hrdlicka-Ausstellung "Schonungslos".

Wien - Rot wie Blut, die Liebe und der Kommunismus. Ja. Aber insbesondere Rot als bevorzugte antike Farbe ist es, die die frühen skulpturalen Arbeiten jenes Bildhauers umgibt, den man gerne mit Floskeln wie "sensiblen Berserker" oder steinbildhauernder "Ultra-Stalinist" versieht: Alfred Hrdlicka (1928-2009). Seinen bis zur Biennale-Teilnahme 1964 behauenen Steinen widmet das Belvedere nun eine Ausstellung - ungeplant die erste posthum.
Das Rot, so Belvedere-Kurator Alfred Weidinger, verstärkt den Eindruck, in einer antiken Sammlung zu stehen. Dazu passt Hrdlickas zarte, jedoch fragmentierte Marsyas-Figur von 1955. Sein mythologischer Held und Flötenspieler, der Apollon herausforderte und dafür bitter bezahlte - ihm wurde bei lebendigem Leib die Haut abgezogen -, wurde beim Venedig-Rücktransport beschädigt. Und so stehen dessen klobige Füße nun wie abgestreifte Schuhe unter dem sich schmerzvoll windenden Kalksteinleib.
Der Fokus der übersichtlichen, aber intensiven Schau in der Orangerie liegt auf dem frühen, noch "sanfteren" Hrdlicka; das Schonungslos des Ausstellungstitels beziehe sich nicht auf den Umgang mit dem Stein, sondern auf das, was er dem Publikum zumutete: Den Biennale-Besuchern etwa die 1951 am elektrischen Stuhl hingerichtete US-Serienmörderin Martha Beck. Es waren auch damals die Themen Gewalt und Schmerz, die Hrdlickas Werk bestimmten. 1959 begann er mit einem zarten Gekreuzigten, den er bis 1963 mit zwei massiven Torsi zur Kreuzigungsgruppe ergänzte. Schonungslos war er auch beim Titel des einzigen präsentierten Gemäldes: Denn Die Badenden (1957-60) zeigt keine idyllische Wasserszene, sondern ein Massaker an Juden. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 23.06.2010)
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