http://www.nachrichten.at/nachrichten/ooen.asp?id=299502


AUSSTELLUNG: Kunstuni-Bildhauer eroberten ein Abbruchhaus in Linz

Blodsn foa laudda Kündsdlarn

"Trüholijo-Rütiriodldü" - so tönt's von der Alm. Die Kuhglocken bimmeln, der Bergwind pfeift dir um die Nase. Ein Hirsch röhrt von rechts, die Bienen summen und der Kuckuck kuckuckt, was das Zeug hält. Möglich, dass auch eine Sennerin über die grüne Wiese stapft und dir das Frischgemolkene zwecks Labung kredenzt.

Das Ganze befindet sich nicht auf 1000 Metern Höhe sondern - schätzen wir mal - auf ca. sieben. Mitten in Linz. Adresse Graben 2. Die aus erfrischend grindigen Details (vom Billigventilator bis zum Plastikrasen) geschaffene "instant-einbau-alm" von Betty Wimmer ist eine von 37 Rauminstallationen, mit denen 44 Bildhauereistudierende der Linzer Kunstuni für einige Tage hier ein Abbruchhaus erobern. Und ein großteils sowohl inhaltlich/formal zwingendes als auch pointiertes Bekenntnis zur Bildhauerei als Auseinandersetzung mit Raum ablegen. Skulpturale Auseinandersetzungen, ohne an die Zwänge einer bestimmten Materialität gebunden zu sein.

Vom "Atelier", das vom Trio Höller/ Knopp/ Hinterleitner zum zerknüllten Schrottquader komprimiert wurde, bis zu der höchst minimalistisch und zugleich trefflich vermittelten Spurensuche "aus.graben" von Christina Hartl-Prager und Katharina Lackner. Vom subtilen Lichtspiel "Überkreuz" Pavel Petkovs bis zu der dichten, duftenden Teesackl-Tapete von Silvia Brandstetter. Vom projizierten Mobiliar "Wohnen in Gedanken" Kurt Pichlers bis zum prächtigen Fußballfeld-Zitat "Finale" von Claudia Wörnhörner sowie Alex und Claudia Heinze: Ein Zimmer - von Boden bis Decke und Accessoires ganz in Grasteppich. Bespielbar mit verzerrtem Fußball. Im grastapezierten TV ein Video: Laufen übers Gras aus der subjektiven Kameraposition garniert mit Schnaufen des Stürmers.

Gebückt taucht man durch einen umgedrehten Raum und schon kippt die Perspektive: Judith Maria Goetzloff hat ein einzelnes Muster dermaßen virtuos variiert und in Boden und Wände eingebrannt, dass des Betrachters Optik präzise irritiert wird.

37 Räume "tan fosd blodsn foa laudda Kündsdlarischn" wie es die Bildhauer-Chefin Renate Herter in ihrer Dialekt-Eröffnungsrede formulierte. Dem ist nur hinzuzufügen: "Waun ois so sche blodsat wia do, kunntats nu vü mehr blodsn lossn, es Büdhaua."

"Kunst in 37 Räumen: Am Graben 2, noch heute, von 14-20 Uhr.


OÖN vom 28.06.02 zuletzt geändert am: 27.06.02 14:31:44


© 2002 OÖNachrichten. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.


zurück