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Kunstberichte

Architekt Heinz Tesar: Großangelegte Personale in der Münchner Pinakothek der Moderne

Ein Poet der Stadtpartikel

Poetische Architektur: Der große Saal von Tesars Stadttheater in Hallein. Mauracher

Poetische Architektur: Der große Saal von Tesars Stadttheater in Hallein. Mauracher

Von Krista Hauser

Sein Essel-Museum in Klosterneuburg zählt zu den schönsten europäischen Museumsbauten der letzten Jahre, die Kirche "Christus Hoffnung der Welt" in der Wiener Donaucity wurde nicht nur in internationalen Fachzeitschriften, sondern auch in der "Zeit" als bedeutender Sakralbau gewürdigt. Dennoch steht Heinz Tesar in Österreich etwas im Schatten publicityfreudiger Zampanos. Die erste große Personale findet denn auch in München in der Pinakothek der Moderne statt. Titel der Schau: "Architektur beginnt vor der Architektur".

Ohne Bauwelt

Kein Flimmern, keine Videos, auch keine virtuelle Bauwelt. Statt dessen riesige Holzmodelle, zarte Aquarelle, Zeichnungen, nur ein paar Fotos der Bauten, dazu Pläne. So ungewöhnlich wie die Präsentation des Architekten, so ungewöhnlich und eigenständig sind seine Arbeiten und Reflexionen über Architektur. Für Traditionalisten wie Modernisten "gleichzeitig ein Ärgernis und eine Herausforderung", sagt Friedrich Achleitner, der die Entwicklung Tesars von den frühen Malereien bis zu den jüngsten Projekten kennt.

Was diese unterschiedlichen Bauten in Dresden und Berlin, in St. Gallen, Wien, Klosterneuburg und demnächst in Innsbruck auszeichnet: die Auseinandersetzung des Architekten mit dem individuellen Ort. Nicht am Papier, sondern aus dem jeweiligen Ort entstehen seine Formen, wobei es ihm immer um ganzheitliche Zusammenhänge geht. "Ich nähere mich langsam der Architektur und erforsche alle Formen, öffne sie und schaue, was sie bringen", beschreibt er den Arbeitsprozess. In einem "poetischen" Vorgang im ursprünglichen Sinne des Wortes, als "poiesis", das heißt als "Hervorbringung", kommen diese architektonischen Formen zustande.

Was etwas pathetisch und zugleich abstrakt klingen mag, lässt sich in der Schau nachvollziehen. Tesars Aquarelle in sanften Rosé- und Brauntönen fließen, verändern, verfestigen sich. Sie stehen am Anfang von erdachten oder tatsächlich gebauten Projekten. Es folgen Raumzeichnungen, weiters grafische Fixierungen von Gedanken, dann Holzmodelle, die aus Werkstätten Leonardos stammen könnten, und schließlich – nach den von seinen Teams in Wien und Berlin erstellten Plänen – das Bauwerk.

Keine Monumente

Auch wenn diese Bauten manchmal groß und mächtig in der Landschaft stehen, distanziert sich Tesar vom Monument. Als "Pass-Stücke" oder Stadtpartikel möchte er sie verstanden wissen, Kommentare zu Stadt- und Naturlandschaften. Was damit gemeint ist, lässt sich an einem der prominentesten Bauplätze Deutschlands erleben. Auf dem Gelände des großteils zerstörten historischen Zentrums von Dresden errichtete Tesar das Büro- und Geschäftshaus am Zwinger: 170 Meter lang, 15 Meter tief, 18,5 Meter Höhe. Dank der geschickten Situierung, der Durchlässigkeit und dem Rhythmus des Gebäudes ist es gelungen, einen dynamischen Stadtraum zu schaffen, der authentisch ist und der Geschichte des Dresdner Zentrums mit Zwinger, Semperoper und Palais Taschenberg gerecht wird. In Berlin arbeitet er zudem am Großprojekt der Museumsinsel, gehört zur Planungsgruppe für den Masterplan.

"Weises Spiel"

In Museen kann er Räume schaffen, in denen zwischen Architektur und Menschen eine Resonanz entsteht. "KlangLichtRäume" nennt er sie, denn Licht ist ihr prägendes Element. Ganz im Sinne Le Corbusiers, der meinte, dass Architektur "das weise Spiel von Licht und Schatten mit Raumkörpern" sei.

Wer die Säle in der Sammlung Essel durchwandert oder die protestantische Kirche in Klosterneuburg besucht, spürt dieses "weise Spiel". In Klosterneuburg kann man im kommenden Jahr auch in Tag und Nacht eintauchen. Vor dem barocken Stift wurde ein Hügel aufgeschüttet, der im Inneren ein Bio-Kraftwerk beherbergt.

Oben führt ein Weg mit sieben, von Tesar gestalteten Betonstelen zum neuen Eingang des Stiftes. "Teichgartencalvario" heißt das Projekt, das in der Schau bereits präsentiert wird.

Was Wer Wo Wie

Architektur beginnt vor der Architektur

(Winfried Nerdinger, 2005)

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40

80333 München

noch bis 8. Jänner 2006

Glänzende Schau über einen einmaligen Künstler.

Freitag, 07. Oktober 2005


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