Salzburger Nachrichten am 21. Oktober 2005 - Bereich: Salzburg ------------------------------------------------------------------------ *Aktuelle Kunst aus China im Hangar-7* SALZBURG-STADT (SN, APA). Im Hangar-7 wird am Freitag die Ausstellung "YCCA - Young Chinese Contemporary Art" eröffnet. Die Arbeiten von 15 chinesischen Künstlern der Gegenwart wurden zu einer Schau zusammengestellt, die "eine Idee von China und den verschiedenen Arten chinesischer Realität" vermitteln will, wie Kurator Chang Tsong-zung am Donnerstag bei der Presse-Führung erläuterte. Sämtliche Arbeiten repräsentieren die gegenständliche, figürliche Kunst, in allen spielt der radikale Wandel Chinas seit dem Beginn der 90er Jahre eine zentrale Rolle. Die Künstler suchen neue Bilder für das atemberaubende Produktionstempo ihrer Kultur. Viele aus dem Westen bekannte Stile und Techniken, wie etwa Pop-Art oder großflächige Collagen aus Foto und Malerei sowie Motive wie das letzte Abendmahl oder die apokalyptische Interpretation der Angriffe auf das World Trade Center haben den traditionellen Blick ver- oder zurückgedrängt. Chang ergänzte, es gebe noch wenig offizielle Regeln seitens der Politik. "Einerseits hat der Künstler große Freiheit, ich erinnere mich an ein Gentechnik-kritisches Kunstwerk, das aus dem Kopf eines Fötus, den Flügeln einer Taube und dem Körper eines toten Kaninchens bestand. Das wäre in Europa wohl kaum möglich. Andererseits würde ein Künstler in China, der in seinen Arbeiten fehlende Demokratie des Staates oder die Besetzung Tibets kritisiert, ernsthafte Probleme bekommen. Aber diese Themen scheinen die chinesischen Künstler ohnehin wenig zu interessieren", beschwichtigt der Kurator, der im Westen seit Jahren als einer der führenden China-Experten gilt. "Wie alles in China haben sich die Arbeitsbedingungen für Künstler in China in den letzten Jahren drastisch verändert", sagte Chang und verwies darauf, dass die Studentenzahl in einer bedeutenden chinesischen Kunst-Akademien in wenigen Jahren von 400 auf 5000 gestiegen ist. "Das schafft Konkurrenz, der Staat kümmert sich wenig um die zeitgenössische Kunst, wenn überhaupt, dann in sehr orthodoxer Weise. Erst in den vergangenen drei, vier Jahren haben sich private Sammler hervorgetan und einem eigenständigen Kunstmarkt damit auf die Sprünge geholfen." ------------------------------------------------------------------------