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Schwere Kunst bei leichter Athletik

09.08.2007 | 18:22 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Perfekte Sportlerkörper durch die Linse einer Frau gesehen, wehend in einem Stadion auf monumentalen, sechs Meter langen Fahnen. Dass einem bei dieser Kombination immer noch zuerst Leni Riefenstahl in den Kopf schießt, ist bei der Arbeit einer als feministisch orientiert zu bezeichnenden Künstlerin wie Ilse Haider gleichermaßen unfair wie bedauerlich. Denn schließlich stand die Fotografie seit der NS-Zeit nicht still, haben Robert Mapplethorpe, Helmut Newton etc. ebenfalls nackte stählerne Frauen- wie Männer-Körper in Schwarzweiß inszeniert.

Und trotzdem machen Haiders – bis auf ein Sujet (siehe Abb.) – auf den ersten Blick ungebrochene Athleten-Inszenierungen stutzen. Hängen sie schließlich in keiner Galerie, keinem Museum – sondern beim Leichtathletik-Meeting in Kapfenberg. Ein Event, bei dem eher weniger anzunehmen ist, dass das Publikum die narzisstischen, äußerst gschamigen Posen als Variationen barocker Höllenstürze erkennt, genauer gesagt des Engelsturzes Luca Giordanos aus dem Kunsthistorischen Museum.

Ob sich, diese Erkenntnis einmal vorausgesetzt, die Gedanken angesichts von Spitzen-Speerwerferinnen und Hürdenläufern dann noch zur nächsten studienfüllenden Frage empor schwingen, nämlich warum im Gegensatz zum barocken Schönheitsideal der Damen (Rubens-Zellulitis!) gerade das der Männer derart beneidenswert konstant blieb – das kann bestenfalls abgewartet werden.

Dennoch eine kleine Zwischenprognose: Das Publikum sieht Leichtathletik-Verband-Pressesprecher Elmar Lichtenegger unter Ilse Haiders Fahnen flanieren und erinnert sich unweigerlich an das, womit der ehemalige FPÖ-Abgeordnete in seiner Parlamentszeit als Einziges für Aufmerksamkeit gesorgt hat: Seine archaischen Akt-Fotos, die von den Medien 2003 auf seiner freizügigen Homepage entdeckt wurden. Darauf möchte ich fast wetten. Gewinnen will ich dabei nicht.


almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2007)


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