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derStandard.at | Newsroom | Kultur | Bildende Kunst 
23. April 2009
14:29 MESZ

Detail aus der skandalisierten Installation "Entropa" von David Cerny. Im Bild: eine Repräsentation Intaliens.


David Cerny baut Installation in Brüssel ab
"Ich bin gegen die neue Regierung", sagt der Künstler als Begründung für den Abbau seiner Installation am 10. Mai

Prag - Schon vor dem Ende des tschechischen EU-Vorsitzes will der Prager Künstler David Cerny seine umstrittene Installation "Entropa" aus dem Ratsgebäude der Union in Brüssel entfernen. "Am 10. Mai bauen wir ab, das ist eine Stellungnahme", sagte Cerny am Mittwochabend in Prag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Ich bin gegen die neue Regierung", sagte Cerny. In Prag soll wegen innenpolitischer Querelen eine parteilose Übergangsregierung am 9. Mai die Führung des Landes übernehmen, das noch bis Ende Juni turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft innehat.

Die mehr als 100 Quadratmeter große Collage "Entropa" spielt mit nationalen Klischees und hatte bereits bei der Enthüllung im Jänner für internationalen Wirbel um den tschechischen EU-Vorsitz geführt: Die markante Skulptur im Machtzentrum der Union wurde nicht wie offiziell angekündigt von Künstlern aus allen 27 EU-Staaten geschaffen, sondern von dem renommierten Bildhauer Cerny allein.

Verhüllung von Seiten Bulgariens

Auch Motive einzelner EU-Mitgliedsstaaten hatten für Verstimmung gesorgt. Bulgarien, von Cerny als Hockklo symbolisiert, hatte diesen Teil des Kunstwerks mit einem schwarzen Vorhang verhüllt. Aus der Slowakei kam Protest gegen die Darstellung als eingeschnürte Salami. Deutschland ist durch ein Labyrinth aus Autobahnen verbildlicht.

Cerny, der nach eigenen Angaben über alle Rechte an "Entropa" verfügt, sagte der dpa, er habe geschäftsführende Minister über seine Entscheidung informiert. Die bisherige Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Mirek Topolanek war am 24. März in Prag durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden und soll am Europatag (9. Mai) von einem Experten-Kabinett abgelöst werden.

Typisch für politische Karriere

"Ich mache dafür (Präsident Vaclav) Klaus verantwortlich. Er sollte sich vielleicht bei der tschechischen Gesellschaft entschuldigen oder gar bei der ganzen Europäischen Union", sagte Cerny dazu. Auch in "Entropa" attackiert Cerny den tschechischen Präsidenten, indem er typische Zitate des EU-Kritikers Klaus auf einem elektronischen Laufband abspult. "Dieser Mann ist ein typisches Beispiel dafür, wie vernarrt man in die politische Karriere sein kann und dann Schweinereien anstellt. Ein sehr ehrgeiziger Junkie der Macht ist Klaus", sagte Cerny der dpa.

Was nun mit "Entropa" passiert, dessen Produktionskosten Cerny auf gut 10 Millionen Kronen (371 000 Euro) bezifferte, ist noch offen. "Zuerst wird "Entropa" hier in Prag im Kunstzentrum DOX ausgestellt, für danach habe ich noch keine Idee", sagte Cerny: "Es haben sich ein Interessent aus England und ein Sammler aus Portugal gemeldet, aber die boten weniger als den Herstellungspreis an." Die tschechische EU- Ratspräsidentschaft hatte sich nach dem ersten Wirbel um "Entropa" im Januar förmlich entschuldigt, eine Reaktion auf die neuerliche Überraschung stand zunächst aus. (APA/dpa)

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