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25.09.2002 - Kultur News
Vollplastisch: Ein Wiener Hellene
Joannis Avramidis, Bildhauer in Wien, feiert morgen, Donnerstag, seinen achtzigsten Geburtstag. Eine Würdigung.
VON KRISTIAN SOTRIFFER


Im inneren Stadtbereich Wiens, in dem etliche verunglückte skulpturale Implantate vor allem aus der Zilk-Ära verstören, ist er nicht zu finden. Im Rahmen des Versuchs, Bau und Kunst organisch aneinander zu rücken, sollte einer seiner großen Entwürfe in die Architektur der neuen TU integriert werden. Daraus wurde nichts.

Und auch das blockartige Gefüge, erst vor kurzer Zeit neben dem äußeren Burgtor am Heldenplatz als Mahnmal für im Dienst verstorbene Exekutivbeamte aufgestellt, stammt nicht von Joannis Avramidis. Verrät als erratische Erscheinung allerdings die Herkunft von einem seiner ehemaligen Schüler: Florian Schaumberger. Der tradierte des Lehrers Methode im Abstrahieren und Kumulieren einer Form.

Im Fall des jetzt achtzigjährigen Bildhauers leitete sich das Teilen und Schneiden als systematisch vorangetriebener Vorgang von den Maßen des menschlichen Körpers und der Suche nach einer Formel für ihn ab. Die Avramidis dabei begleitenden Paten sind unschwer auszumachen. Sie stehen in einer Reihe etwa von Piero della Francesca bis Brancusi, Schlemmer und Wotruba. Der hatte den seinen stets ernsten, strengen Blick kaum je aufhellenden, einer Idealität nachspürenden Formelsucher zu seinem eigentlichen Nachfolger - nicht nur als Akademielehrer - erklärt.

Denn wie Wotruba strebte Avramidis, der 1943 als in der damaligen georgischen Sowjetrepublik geborene Sohn griechischer Eltern über Athen als Fremdarbeiter nach Wien gelangt war, eine klassische Statuarik an. Er wehrte sich gegen alle Auflösung, suchte nach einem Gesetz, dem sich seine Figuren zu unterwerfen, innerhalb dessen sie sich aber auch teilen, akkumulieren, gruppieren lassen sollten.

Ein modellhaft konstruktives Element bot den Ausgangspunkt für Variationen, Metamorphosen und Paraphrasen. Sie mündeten schließlich in der Idee der Polis: Avramidis ist auch eine Art Architekt der Figur und des Raums, in dem sie steht - die Sache der Plastik, wie es sein Freund Klaus Demus ausdrückte, von Grund auf angehend. Damit erarbeitete sich Avramidis eine singuläre Position, der anderswo in den letzten Jahrzehnten mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde als in seinem engeren Wirkungskreis: Ein Hellene in Wien.



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