Im inneren Stadtbereich Wiens, in dem etliche
verunglückte skulpturale Implantate vor allem aus der Zilk-Ära verstören,
ist er nicht zu finden. Im Rahmen des Versuchs, Bau und Kunst organisch
aneinander zu rücken, sollte einer seiner großen Entwürfe in die
Architektur der neuen TU integriert werden. Daraus wurde nichts.
Und auch das blockartige Gefüge, erst vor kurzer Zeit
neben dem äußeren Burgtor am Heldenplatz als Mahnmal für im Dienst
verstorbene Exekutivbeamte aufgestellt, stammt nicht von Joannis
Avramidis. Verrät als erratische Erscheinung allerdings die Herkunft von
einem seiner ehemaligen Schüler: Florian Schaumberger. Der tradierte des
Lehrers Methode im Abstrahieren und Kumulieren einer Form.
Im Fall des jetzt achtzigjährigen Bildhauers leitete sich
das Teilen und Schneiden als systematisch vorangetriebener Vorgang von den
Maßen des menschlichen Körpers und der Suche nach einer Formel für ihn ab.
Die Avramidis dabei begleitenden Paten sind unschwer auszumachen. Sie
stehen in einer Reihe etwa von Piero della Francesca bis Brancusi,
Schlemmer und Wotruba. Der hatte den seinen stets ernsten, strengen Blick
kaum je aufhellenden, einer Idealität nachspürenden Formelsucher zu seinem
eigentlichen Nachfolger - nicht nur als Akademielehrer - erklärt.
Denn wie Wotruba strebte Avramidis, der 1943 als in der
damaligen georgischen Sowjetrepublik geborene Sohn griechischer Eltern
über Athen als Fremdarbeiter nach Wien gelangt war, eine klassische
Statuarik an. Er wehrte sich gegen alle Auflösung, suchte nach einem
Gesetz, dem sich seine Figuren zu unterwerfen, innerhalb dessen sie sich
aber auch teilen, akkumulieren, gruppieren lassen sollten.
Ein modellhaft konstruktives Element bot den
Ausgangspunkt für Variationen, Metamorphosen und Paraphrasen. Sie mündeten
schließlich in der Idee der Polis: Avramidis ist auch eine Art Architekt
der Figur und des Raums, in dem sie steht - die Sache der Plastik, wie es
sein Freund Klaus Demus ausdrückte, von Grund auf angehend. Damit
erarbeitete sich Avramidis eine singuläre Position, der anderswo in den
letzten Jahrzehnten mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde als in
seinem engeren Wirkungskreis: Ein Hellene in Wien.
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