Die Presse: Als Direktor eines Bundesmuseums stehen Sie
zwischen den politisch motivierten Fronten Gerald Matt/Wolfgang Wais und
Wolfgang Waldner. Wie sehen Sie die scheinbar festgefahrene Situation?
Edelbert Köb: Wenn dreizehn große Nutzer des
Museumsquartiers in den wesentlichen Sachfragen einer Meinung sind, heißt
das doch etwas. Es gibt strukturelle Probleme: die Unvereinbarkeit von
Facility Management und Kulturmanagement. Es gibt permanent
Überschneidungen. Waldner kann nicht gleichzeitig unser besorgter
Hausvater sein und unser Konkurrent.
Wie äußert sich diese Konkurrenz?
Köb: Etwa bei der Raumaufteilung. Wenn Waldner selbst
Eigenbedarf hat, geht das immer vor. Und wenn noch ein Lokal zusätzlich
eingerichtet wird (Anm. d Red., die "Kantine" im Quartier 21), ist es auch
eine Konkurrenz für die anderen. Ebenso bei der Vermietung der Räume, bei
den Sponsoren gibt es Konkurrenz. Waldner macht Sponsoring genau wie die
anderen Institutionen. Da kommt es zu grundsätzlichen
Interessenskonflikten. Und natürlich besteht das Gefühl, dass über das
Areal-Management Geld verdient wird, das in Waldners eigene kulturelle
Aktivitäten im Quartier 21 fließt.
Der Auftrag von Wolfgang Waldner ist allerdings kein
einfacher . . .
Köb: Es ist natürlich schwer, mit so vielen
Kulturanbietern zu einem Konsens zu kommen. Wenn Waldner gewisse Probleme
an die Direktorenkonferenz delegieren würde, wäre die einheitliche Front
der heterogenen Nutzer gegen ihn wahrscheinlich nicht mehr so einheitlich
- strategisch gesehen.
Zur Direktoren-Konferenz des Museumsquartiers. Die
Mitglieder behaupten, Waldner boykottiert sie. Waldner sagt, er wird nicht
eingeladen. Was stimmt jetzt?
Köb: Natürlich wird er eingeladen. Er ist Mitglied der
Konferenz. Er nimmt aber nicht mehr an den Sitzungen teil, weil er die vor
Monaten von den Nutzern formulierten "Grundlagen einer Zusammenarbeit"
nicht akzeptiert, wohl auch nicht akzeptieren kann. Die Konferenz habe ich
damals angeregt, weil ich meinte, wir müssen zusammenarbeiten. Jede
negative Darstellung schädigt ja auch das MQ. Ich bin viel später ins MQ
gekommen als die anderen - meine "Leidensgeschichte" ist also eine
kürzere. Aber ich bin schon am Anfang auf große Emotionalität gestoßen.
Wir haben dann Bedingungen überlegt, unter denen es funktionieren könnte:
Für den zentralen Punkt halten wir eine Auftragsänderung für Waldner. Zur
Zeit hat er politisch eben den Auftrag, zu den "langweiligen" Museen eine
dynamische, junge Kulturszene zu entwickeln, das Areal offensichtlich zu
popularisieren.
. . . und möglichst viel Geld aufzutreiben und
die Dachmarke zu stärken. . .
Köb: Wir haben in der Direktorenkonferenz auch gefordert,
dass die Dachmarken- und Standort-Vermarktung zumindest gleichwertig sein
sollte. Ob man dann das MQ wie die "Copa Cagrana" vermarkten und
ausstatten muss, ist eine andere Frage. Persönlich habe nichts gegen eine
gewisse Popularisierung. Mit mir kann man über Punsch-Standerln reden oder
Boccia. Aber ich glaube, dass das MQ im Jahresschnitt als Kulturareal
erkennbar sein sollte. Ich freu' mich über jeden Skater im Areal, über
jeden Menschen, der nur durchgeht. Aber es braucht ein Gleichgewicht. Es
könnten in den Höfen etwa im Frühling und im Herbst große
Skulpturausstellungen stattfinden, auf internationalem Niveau.
Bei all den veröffentlichten erfreulichen Besucherzahlen
kann man trotzdem nicht leugnen, dass das MQ bei weitem nicht diese
Lebendigkeit hat wie etwa das Centre Pompidou. Ist das die Mentalität?
Köb: Der zentrale Punkt ist, dass es versteckt ist hinter
einem barocken Wall. Wiener fragen mich - "Ja Museumsquartier, wo ist denn
das?" Obwohl sie jeden Tag vorbeifahren! Draußen steht groß "MQ", auf
einem Plakat liegt jemand im Wasser, aber nichts weist darauf hin, dass
die Museen dahinter sind. Sie gehen am Eingang Mariahilferstraße vorbei,
wie täglich zehn-, ja Hunderttausende Leute, und Sie merken gar nichts!
Seit ich da bin, sagen wir, da muss etwas gemacht werden. Waldners
Reaktion war: kein Geld. Als wir mit unserem Geld eine Initiative starten
wollten, gab es dann plötzlich doch entsprechende Mittel, und Waldner hat
einen Wettbewerb angekündigt. Die Ausschreibungsgrundlage gibt es jetzt
seit vier Monaten, und der Wettbewerb ist immer noch nicht ausgeschrieben.
Im August soll der Wettbewerb starten . . .
Köb: Aber warum erst jetzt? Er hätte schon letzten Herbst
ausgeschrieben werden können. Und das ist das Dringendste überhaupt,
meiner Ansicht nach.
Warum hat Ministerin Gehrer bei all diesen von Ihnen
genannten Problemen Waldners Vertrag dann bis 2009 verlängert?
Köb: Es wäre sinnvoll gewesen, wenn man auch auch die
Nutzer angehört hätte. Aber wer auch immer es verstanden hat, den Konflikt
als Politikum darzustellen, dem ist das gelungen - Rot gegen Schwarz
sozusagen. Deswegen habe ich beschlossen, Stellung zu beziehen. Denn
solange das Leopold Museum und das Mumok offiziell nicht dabei sind, kann
diese Variante gespielt werden. Jetzt sind wir beide dabei. Aber man muss
der Bundesministerin Lösungen anbieten.
Die da wären?
Köb: Man muss Wolfgang Waldner entweder vom
Programm-Auftrag befreien oder von der Verwaltung. Dann heißen wir ihn
herzlich willkommen in der Reihe der Kulturanbieter.
Was sollte sich Ihrer Meinung nach im Quartier 21 ändern?
Köb: Das ist das Problem von Waldner. Ich möchte diesen
Auftrag nicht haben, hier eine junge, dynamische Kulturszene zu
etablieren. Ich sitze im Kunstbeirat, der an viele der jungen Gruppen
Subventionen vergibt. Die bekommen dann 5000 Euro für ein Jahr - und nach
einem Jahr gibt es sie oft nicht mehr. Die Energie der Freien Gruppen in
Wien reicht, meiner Ansicht nach, gerade dazu aus, einmal im Jahr "Soho in
Ottakring" zu organisieren. Wenn es wirklich eine dynamische Kulturszene
gäbe, dann hätte man ihr die Räume im Quartier 21 unverputzt, wie sie am
Anfang waren, überlassen sollen - und nicht eine formalistische
Architektur hineingestellt. Freie Szenen entwickeln sich nicht in so
vorgefertigten, eng normierten Strukturen. Aber ich bezweifle diese
Dynamik grundsätzlich in Wien.
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