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16.07.2003 - Kultur News
Museumsquartier: "Ich freu' mich über jeden Skater"
Was ist am immer wieder aufflammenden Streit zwischen Museumsquartier-Nutzern und Betriebsgesellschaft Parteipolitik und was Sachdiskussion? Mumok-Direktor Edelbert Köb im Gespräch.
VON BARBARA PETSCH UND ALMUTH SPIEGLER


Die Presse: Als Direktor eines Bundesmuseums stehen Sie zwischen den politisch motivierten Fronten Gerald Matt/Wolfgang Wais und Wolfgang Waldner. Wie sehen Sie die scheinbar festgefahrene Situation?

Edelbert Köb: Wenn dreizehn große Nutzer des Museumsquartiers in den wesentlichen Sachfragen einer Meinung sind, heißt das doch etwas. Es gibt strukturelle Probleme: die Unvereinbarkeit von Facility Management und Kulturmanagement. Es gibt permanent Überschneidungen. Waldner kann nicht gleichzeitig unser besorgter Hausvater sein und unser Konkurrent.

Wie äußert sich diese Konkurrenz?

Köb: Etwa bei der Raumaufteilung. Wenn Waldner selbst Eigenbedarf hat, geht das immer vor. Und wenn noch ein Lokal zusätzlich eingerichtet wird (Anm. d Red., die "Kantine" im Quartier 21), ist es auch eine Konkurrenz für die anderen. Ebenso bei der Vermietung der Räume, bei den Sponsoren gibt es Konkurrenz. Waldner macht Sponsoring genau wie die anderen Institutionen. Da kommt es zu grundsätzlichen Interessenskonflikten. Und natürlich besteht das Gefühl, dass über das Areal-Management Geld verdient wird, das in Waldners eigene kulturelle Aktivitäten im Quartier 21 fließt.

Der Auftrag von Wolfgang Waldner ist allerdings kein einfacher . . .

Köb: Es ist natürlich schwer, mit so vielen Kulturanbietern zu einem Konsens zu kommen. Wenn Waldner gewisse Probleme an die Direktorenkonferenz delegieren würde, wäre die einheitliche Front der heterogenen Nutzer gegen ihn wahrscheinlich nicht mehr so einheitlich - strategisch gesehen.

Zur Direktoren-Konferenz des Museumsquartiers. Die Mitglieder behaupten, Waldner boykottiert sie. Waldner sagt, er wird nicht eingeladen. Was stimmt jetzt?

Köb: Natürlich wird er eingeladen. Er ist Mitglied der Konferenz. Er nimmt aber nicht mehr an den Sitzungen teil, weil er die vor Monaten von den Nutzern formulierten "Grundlagen einer Zusammenarbeit" nicht akzeptiert, wohl auch nicht akzeptieren kann. Die Konferenz habe ich damals angeregt, weil ich meinte, wir müssen zusammenarbeiten. Jede negative Darstellung schädigt ja auch das MQ. Ich bin viel später ins MQ gekommen als die anderen - meine "Leidensgeschichte" ist also eine kürzere. Aber ich bin schon am Anfang auf große Emotionalität gestoßen. Wir haben dann Bedingungen überlegt, unter denen es funktionieren könnte: Für den zentralen Punkt halten wir eine Auftragsänderung für Waldner. Zur Zeit hat er politisch eben den Auftrag, zu den "langweiligen" Museen eine dynamische, junge Kulturszene zu entwickeln, das Areal offensichtlich zu popularisieren.

. . . und möglichst viel Geld aufzutreiben und die Dachmarke zu stärken. . .

Köb: Wir haben in der Direktorenkonferenz auch gefordert, dass die Dachmarken- und Standort-Vermarktung zumindest gleichwertig sein sollte. Ob man dann das MQ wie die "Copa Cagrana" vermarkten und ausstatten muss, ist eine andere Frage. Persönlich habe nichts gegen eine gewisse Popularisierung. Mit mir kann man über Punsch-Standerln reden oder Boccia. Aber ich glaube, dass das MQ im Jahresschnitt als Kulturareal erkennbar sein sollte. Ich freu' mich über jeden Skater im Areal, über jeden Menschen, der nur durchgeht. Aber es braucht ein Gleichgewicht. Es könnten in den Höfen etwa im Frühling und im Herbst große Skulpturausstellungen stattfinden, auf internationalem Niveau.

Bei all den veröffentlichten erfreulichen Besucherzahlen kann man trotzdem nicht leugnen, dass das MQ bei weitem nicht diese Lebendigkeit hat wie etwa das Centre Pompidou. Ist das die Mentalität?

Köb: Der zentrale Punkt ist, dass es versteckt ist hinter einem barocken Wall. Wiener fragen mich - "Ja Museumsquartier, wo ist denn das?" Obwohl sie jeden Tag vorbeifahren! Draußen steht groß "MQ", auf einem Plakat liegt jemand im Wasser, aber nichts weist darauf hin, dass die Museen dahinter sind. Sie gehen am Eingang Mariahilferstraße vorbei, wie täglich zehn-, ja Hunderttausende Leute, und Sie merken gar nichts! Seit ich da bin, sagen wir, da muss etwas gemacht werden. Waldners Reaktion war: kein Geld. Als wir mit unserem Geld eine Initiative starten wollten, gab es dann plötzlich doch entsprechende Mittel, und Waldner hat einen Wettbewerb angekündigt. Die Ausschreibungsgrundlage gibt es jetzt seit vier Monaten, und der Wettbewerb ist immer noch nicht ausgeschrieben.

Im August soll der Wettbewerb starten . . .

Köb: Aber warum erst jetzt? Er hätte schon letzten Herbst ausgeschrieben werden können. Und das ist das Dringendste überhaupt, meiner Ansicht nach.

Warum hat Ministerin Gehrer bei all diesen von Ihnen genannten Problemen Waldners Vertrag dann bis 2009 verlängert?

Köb: Es wäre sinnvoll gewesen, wenn man auch auch die Nutzer angehört hätte. Aber wer auch immer es verstanden hat, den Konflikt als Politikum darzustellen, dem ist das gelungen - Rot gegen Schwarz sozusagen. Deswegen habe ich beschlossen, Stellung zu beziehen. Denn solange das Leopold Museum und das Mumok offiziell nicht dabei sind, kann diese Variante gespielt werden. Jetzt sind wir beide dabei. Aber man muss der Bundesministerin Lösungen anbieten.

Die da wären?

Köb: Man muss Wolfgang Waldner entweder vom Programm-Auftrag befreien oder von der Verwaltung. Dann heißen wir ihn herzlich willkommen in der Reihe der Kulturanbieter.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach im Quartier 21 ändern?

Köb: Das ist das Problem von Waldner. Ich möchte diesen Auftrag nicht haben, hier eine junge, dynamische Kulturszene zu etablieren. Ich sitze im Kunstbeirat, der an viele der jungen Gruppen Subventionen vergibt. Die bekommen dann 5000 Euro für ein Jahr - und nach einem Jahr gibt es sie oft nicht mehr. Die Energie der Freien Gruppen in Wien reicht, meiner Ansicht nach, gerade dazu aus, einmal im Jahr "Soho in Ottakring" zu organisieren. Wenn es wirklich eine dynamische Kulturszene gäbe, dann hätte man ihr die Räume im Quartier 21 unverputzt, wie sie am Anfang waren, überlassen sollen - und nicht eine formalistische Architektur hineingestellt. Freie Szenen entwickeln sich nicht in so vorgefertigten, eng normierten Strukturen. Aber ich bezweifle diese Dynamik grundsätzlich in Wien.



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