| Kunst als Ort kritischer Distanz | |
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Von Matthias Osiecki.
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Sein Kunst-Interesse beruhe nicht zuletzt
darauf, dass man als Theoretiker mit der Vergänglichkeit der Lehren
befasst sei. Die Kunst gebe seiner Meinung nach aber die Möglichkeit,
außergeschichtliche und daher kritische Räume zu schaffen. So sei das
Museum innerhalb unseres Kunst-Systems ein ausgezeichneter Ort, um einen
distanzierten Blick auf die Vergangenheit zu werfen. Diese Meinung vertrat
Boris Groys, seit März diesen Jahres Rektor der Akademie für Bildende
Künste im Rahmen der Wiener Vorlesungen am Mittwoch Abend im Wiener
Rathaus.
Zu den aktuellen Aufgaben von Kunsthochschulen meinte Groys, dass Kunst
nicht gelehrt werden könne. Die Institution könne heute aber zur
"Feld-Information" beitragen, auf dem der künftige Künstler sich dann
bewegen werde. Dem Einzelnen müsse die größtmögliche Freiheit zur
Entfaltung gewährt werden. Abkehr vom traditionellen Kunstbegriff Seine Studenten an der Hochschule für Gestaltung (hfg) in Karlsruhe
hätten bei einer Umfrage, wie sie zur Kunst stehen, den Kunstbegriff als
solches völlig abgelehnt. Sie bezeichneten sich als Musiker, Maler oder
Fotografen - nicht aber als Künstler. Diese Un-Unterscheidbarkeit sei die "Hauptinstanz" des heutigen
Glaubens, was Kunst sei. Daher habe das moderne Kunst-Museum nicht für das
Geniale und Exklusive zu existieren, sondern für das Triviale und
Alltägliche. Denn das Unspektakuläre sei in der Realität zum Untergang
verurteilt. "Im Leben sind wir dazu verurteilt, nur das Außergewöhnliche
zu bewundern", hielt Groys fest. Schwierige Situation für Kunst Für die moderne Kunst sei es heute schwierig, ihre Eigenheit zu
behaupten. Gerade das mache sie aber schützenswert. Die jeweils moderne
Kunst sei natürlich immer umstritten gewesen, weil sie immer gegen
vorherrschende Traditionen rebelliert habe. Wenn also die Museen dazu geschaffen seien, nur solche "wundervollen
Dinge" wie alte Kunstwerke aufzubewahren und auszustellen, dann werde
diese Institution untergehen. Denn sie verliere ihre Legitimation. Kritik ernst nehmen Viele Theoretiker konstatierten heute, dass die Kunst in Nichtigkeit
versinke. Diese Kritik sei durchaus ernst zu nehmen. Denn man solle sich
nicht darauf verlassen, dass die moderne Kunst ohne gesellschaftliche
Legitimation weitergetragen werde. Ob im New Yorker MOMA, im Guggenheim-Museum oder
im Centre Pompidou - zunehmend werde immer häufiger
kommerzielles Design statt Kunst ausgestellt. | ||||