Bludenz
(VN-ag) Mit leichtem Gepäck ist Martin Kaar in
Bludenz angereist. Eine Rolle Papier, ein paar Lichtröhren - that's
it. Die Licht-Architektur, die er aus dem unprätentiösen Material
mit wenigen Eingriffen "zaubert", beweist einmal mehr die
Wandelbarkeit des "allerArt"-Ausstellungsraumes.
Und es gibt ihn doch nicht, den idealen Blickpunkt.
Zumindest ist man geneigt, diese Erkenntnis aus der aktuellen
Ausstellung in der Bludenzer Galerie allerArt mitzunehmen, wo Martin
Kaar eine "Lichtecke" und eine "Lichtwand" baut. Das Bauen und die
Auseinandersetzung mit Raum kommen bei dem 1974 in Linz geborenen,
an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien studierenden Martin
Kaar nicht von ungefähr, findet sich in der Biografie des Künstlers
doch der Verweis auf ein begonnenes Architekturstudium.
Getrickst
Was seine lichtkünstlerischen Interventionen und die
Auseinandersetzung mit Künstlern wie Dan Flavin oder James Turrell
anbelangt, legt Martin Kaar die Karten offen auf den Tisch.
So sind die UV-Röhren, die das Schwarzlicht beisteuern, auch
formal-ästhetisch ein Bestandteil der Gesamtinstallation. Einzig mit
der Wahrnehmung und dem voraussehbaren Gebaren des Betrachters, das
Gesehene im Kopf zu bekannten Bildern zusammenzufügen, "trickst" der
Künstler - besonders in der Installation "Lichtecke". Keine
Projektion, sondern ein genau berechnetes, geometrisch-statisches,
planes Gefüge aus geklebtem Papier wird im Zusammenspiel mit dem
Licht als Raumkörper wahrgenommen, der sich erst aus der Bewegung
des Betrachters im Raum konstituiert.
Optische Täuschung
Dem Idealfall zum Trotz existieren eine Vielzahl anderer
gültiger, vielleicht sogar interessanterer Blickpunkte, die die
Suche im Raum zu einer Wanderung durch mögliche Landschaften und
Szenarien werden lassen.
Von einer ähnlich raffinierten Form der optischen Täuschung lebt
auch der zweite Eingriff Kaars, eine immaterielle "Lichtwand", deren
hell gleißende Streifen sich über drei Raumebenen erstrecken und den
dunklen Raum dazwischen in Schwingung zu versetzen scheinen. Die
schwebende Lichtarchitektur spielt mit der Wahrnehmung, verleiht dem
Raum neue Gestalt und dem Betrachter ein neues, an die Erscheinung
des Lichts gebundenes Erleben eines bekannten Raumes.
Aktuelle Arbeit von Martin Kaar.
(Foto: A. Grabher)