| Von Weihnachtsbaum bis Brandanschlag | |
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Die Schau "Deutsche Leitkultur" zeigt Versatzstücke vom
gegenwärtigen Leben in Deutschland.
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Seit der Begriff Deutsche Leitkultur im Oktober des Vorjahres im
Zusammenhang mit der Diskussion um eine Neuorientierung der deutschen
Einwanderungspolitik ins Spiel gebracht wurde, ist er heiß umstritten. Das
Thema hat nun die Kasseler Kunsthalle Fridericianum auf den Plan gerufen.
Kunststudenten setzen sich mit (deutscher) Identität auseinander und
beziehen Stellung zu Deutschland. Herausgekommen ist eine Schau
kultureller Vielfalt sowie eine Rekonstruktion von Orten der jüngsten
deutschen Geschichte.
Kein Nationalstolz Dem Nationalstolz räumen die Künstler in der Ausstellung "German
Leitkultur" keinen Platz ein. Am Eingang wird der Besucher mit einem
Modell des von Türken bewohnten Hauses in Solingen konfrontiert, auf das
1993 ein Brandanschlag verübt wurde. "Aus gegebenem Anlass" Als Ausstellung "aus gegebenem Anlass" bezeichnet Kurator Tobias Berger
die Kunstschau, zu der er zehn Studenten deutscher Kunstakademien einlud.
Sie sollten ihre Beobachtung kultureller Phänomene in Deutschland in
Kunstwerke umsetzen. In der Wahl ihrer Themen seien den Künstlern keine
Grenzen gesetzt worden. "German Leitkultur" wird in der ausländischen Presse nicht übersetzt",
begründet er den Titel der Ausstellung. Der Begriff sei neben Vokabeln wie
"Angst", "Heimat" und "Kindergarten" in den internationalen Wortschatz
eingegangen. Versatzstücke Die klassische Kultur und ihre deutschen Vertreter macht keiner der
jungen Künstler zum Thema. Die Exponate zeigen vielmehr ein buntes und
internationales Sammelsurium an Versatzstücken, die zum gegenwärtigen
Leben in Deutschland gehören. Zwei Video-Installationen von Anny und Sibel
Öztürk zeigen die Pop-Sängerin Madonna und Bilder einer russischen
Bauchtänzerin, die in der Türkei auftritt. Nevin Aladag filmte eine
türkische Break-Dancer-Familie in München, die bei ihren Auftritten in
fünf Sprachen singt. Elke Ziegler dokumentiert die Aktion "Sparen im
Haushalt" der "Bild"-Zeitung. Weihnachtsbaum und Video Ein aus Schaumstoff ausgebissener deutscher Weihnachtsbaum von Dirk
Meinzer gehört ebenso zur Leitkultur-Schau wie der Videofilm der Kölnerin
Bettina Pousttchi, der ihren Nachbarn, einen aggressiv agierenden
Heavy-Metal-Fan zeigt. Ebenfalls zu sehen ist ein Nachbau der Tribüne, von
der aus Ronald Reagan 1987 vor dem Brandenburger Tor den Abriss der Mauer
forderte sowie ein Modell eines besetzten Hauses der Hamburger
Hafenstraße. "Dies sind Erinnerungsfragmente von meinem Aufwachsen in der
Bundesrepublik", sagt der Berliner René Lück. Von ihm stammt auch das
Modell des in Solingen angezündeten Hauses. "Dass das Haus da steht, ist
reine Provokation", räumt er ein. Für Museumschef René Block ist die Ausstellung "ein Projekt, auf das
wir besonders stolz sind". Als "Rundgang VII" ist es zugleich Abschluss
der von ihm 1998 gestarteten Serie von Ausstellungen mit Arbeiten von
Kunststudenten. "German Leitkultur" wird von Anfang April bis zum 10. Juni
gezeigt. Link: Kunsthalle Fridericianum | ||||