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| 26.11.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung Secession: Schräger Wohnen | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Albert Oehlen schuf für die Secession 24 neue Bilder - und zeigt damit, wo die Malerei zurzeit steht. | ||
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R Etwas zu beliebige Zuckerlfarben-Großformate Oehlens
prangten etwa heuer in der schicken Malerei-Sektion der Biennale São Paulo
und statt wie einst mit Martin Kippenberger und Bruder Markus fertigt
Oehlen seine Gruppenarbeiten heute eben mit den neuen jungen Wilden wie
jüngst äußerst erfolgreich mit Jonathan Meese. Die Wiener Secession aber
bekam den in der Schweiz und Spanien lebenden Düsseldorfer Kunstprofessor
ganz für sich allein, sogar mit einem eigens für das Haus geschaffenen
Zyklus von 24 Bildern, die alle irgendwie um das Thema Interior-Design
kreisen. Kein Wunder, spiegelt sich das eklektizistische, alle Stile
durcheinander wirbelnde Wohnen von heute auch grandios in Oehlens Malerei
wieder. Abstraktes, Expressives, Schwarzweißes, Traditionelles und
Kitschiges würfelt der Künstler zu wuchtigen Collagen zwischen
Werbe-Romantik und rauem Genie-Pinselstrich zusammen. Einer Foto-Tapete
mit Palmen-Idylle verleiht er mit schneller Übermalung einen individuellen
Charakter, in den Wohnzimmer-Kamin klebt er einen wütenden Waldbrand, das
Poster einer Sängerin umfängt er mit psychedelischem Myzel, die
Wurstplatte aus dem Kochmagazin stellt er aufs passend biedere Tischchen
und eine Klimt-Nackte ins Badezimmer. Schräger Wohnen? Das ist nur das
inhaltliche Gerüst, mit dessen Hilfe Oehlen auslotet, welche Effekte und
Überraschungen man heute noch so herausholen kann aus dem guten alten
Tafelbild. Dazu bedient er sich relativ simpel, aber schön zynisch
schlampig der klassischen Collage-Technik. Doch Oehlen kann auch völlig anders. Zwischen die
knalligen Interieurs hängte er monochrome Leinwände, grau in grau
schattiert, steinfärbig wie Grisaille-Bilder. Als hätten sich dicke
Rauchschwaden um alle Dinge gewickelt, tauchen fragmentarisch Brücken,
Personen, Straßen-Cafés auf, hoch gestreckte Hände, deren Titel "Rave" uns
erst auf die richtige Spur bringen. Dramatisch romantisch, dramatisch
anders als die Collagen und plötzlich ziemlich ernst. Beeindruckend sicher
bewegt sich Oehlen im Hauptraum der Secession zwischen den Polen, hantiert
souverän mit Traditionen und Zeitgeistern, und vor allem weit entfernt
davon, sich dabei selbst zu verlieren. Bis 30. 1., Di.-So. 10-18 h, Do. 10-20 h. |
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