| Grobschlächtige Kunst | |
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Von Roland Schöny.
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Auf den Fotografien von Bjarne Melgaard
posieren langhaarige Musiker in schwarzen Lederjacken und mit grimmig
geschnittenen Gesichtern. Ähnliche Figuren finden sich auf seinen
Zeichnungen.
Auffallend dabei sind die Bezüge zur Musikgruppe Slayer (Schlächter). Die
Rocker sind nicht nur für ihren Hang zu germanischen Mythen bekannt,
sondern auch für rechtsextreme Äußerungen, wofür sie in der Pop-Welt
bereits heftig kritisiert wurden. Es wäre also verwunderlich, wenn der
Künstler Bjarne Melgaard aus der Haltung eines Fans heraus arbeiten würde.
Melgaards Hauptinteresse gilt der Konstruktion von Identitäten. Er fragt,
welche Mittel zur Selbstdarstellung oder Selbstinszenierung in
unterschiedlichen Zusammenhängen eingesetzt werden und thematisiert die
Frage des Nationalismus auf komplexe Weise diskutieren. Melgaard, der in Norwegen geboren wurde und unter anderem in New York
und in mehreren Städten Australiens lebte, hat höchst unterschiedliche
Formen der Inszenierung in der Musikwelt erlebt. Seine Arbeiten, die sich
dem Heavy-Metal- bzw. dem Black-Metal-Genre widmen, sind in Kollaboration
mit dem norwegischen Autor Didrik Soderlind entstanden. Gemeinsam mit ihm
und Michael Moynihan hat Melgaard ein Buch mit dem Titel "The Lords of
Chaos" - "Die Herren des Chaos" herausgegeben.
In der Auseinandersetzung mit dieser Musik, die seit den neunziger
Jahren bloß noch eine Randerscheinung des Pop ist, kristallisierte sich
allmählich heraus, dass es diesen Musikern, die auf ihren Platten und
CD-Covers wie auch durch ihre Kleidung bewusst nordische Mythen
aufgreifen, um eine antiamerikanische Haltung gehe. Steigende Anerkennung
Musik und verschiedene Mythen machen einen Teil der Arbeit von Bjarne
Melgaard aus, der zur Zeit große internationale Beachtung findet. Unter
anderem wurden Werke von ihm im Stedelijk-Museum in Amsterdam, auf der Biennale von Sao
Paulo oder auf der Manifesta 2 in Luxemburg gezeigt. Außerdem präsentierte
ihn die Kästner-Gesellschaft in Hannover. Ein solcher Boom ist ungewöhnlich für einen Künstler, der immerhin erst
30 Jahre alt ist. Hinzu kommt, dass er sich grundsätzlich mit extremen
Lebensformen auseinandersetzt und auch Homosexualität oder
Sado-Maso-Rituale thematisiert. Melgaard erklärt dazu, dass er an starken
visuellen Images interessiert sei. Seine Bilder sollen daran erinnern,
dass die Extreme, von denen sie erzählen, gar nicht soweit vom Alltag
entfernt seien. Bezüge zum Aktionismus
Mit einem Rückblick auf die Kunstgeschichte lassen sich Bezüge zwischen
Melgaards Fotografien und Zeichnungen und dem Aktionismus herstellen. Denn
auch für den Aktionismus hatte die Fotografie zentrale Bedeutung. Aber
auch im Bereich junger Kunst der Gegenwart lassen sich Parallelen
erkennen. Auch der junge Berliner Jonathan Mese greift unterschiedliche
Mythen der Populärkultur auf. Genauso der extreme Brite Lee Wagstaff, der
seinen gesamten Körper mit Symbolen tätowiert und das zu einem
Kunstprojekt erklärt hat. An der amerikanischen Westcoast wiederum ist
eine junge Szene im Umfeld der Klasse von Mike Kelley entstanden, die sich
in Zeichnungen und Fotografien mit Rock-Musik beschäftigt. Bjarne Melgaard
bietet dazu eine Art europäischen Gegenpol. Tipp: Werke von Bjarne Melgaard sind bis Mitte Mai in der Galerie Krinzinger zu sehen. | ||||||||||