Grobschlächtige Kunst

Von Roland Schöny.


Auf den Fotografien von Bjarne Melgaard posieren langhaarige Musiker in schwarzen Lederjacken und mit grimmig geschnittenen Gesichtern. Ähnliche Figuren finden sich auf seinen Zeichnungen.

Bjarne Melgaard, 2000 / ©Bild: A. Hausenblas
Bjarne Melgaard, 2000 / ©Bild: A. Hausenblas

Auffallend dabei sind die Bezüge zur Musikgruppe Slayer (Schlächter). Die Rocker sind nicht nur für ihren Hang zu germanischen Mythen bekannt, sondern auch für rechtsextreme Äußerungen, wofür sie in der Pop-Welt bereits heftig kritisiert wurden. Es wäre also verwunderlich, wenn der Künstler Bjarne Melgaard aus der Haltung eines Fans heraus arbeiten würde. Melgaards Hauptinteresse gilt der Konstruktion von Identitäten. Er fragt, welche Mittel zur Selbstdarstellung oder Selbstinszenierung in unterschiedlichen Zusammenhängen eingesetzt werden und thematisiert die Frage des Nationalismus auf komplexe Weise diskutieren.

Melgaard, der in Norwegen geboren wurde und unter anderem in New York und in mehreren Städten Australiens lebte, hat höchst unterschiedliche Formen der Inszenierung in der Musikwelt erlebt. Seine Arbeiten, die sich dem Heavy-Metal- bzw. dem Black-Metal-Genre widmen, sind in Kollaboration mit dem norwegischen Autor Didrik Soderlind entstanden. Gemeinsam mit ihm und Michael Moynihan hat Melgaard ein Buch mit dem Titel "The Lords of Chaos" - "Die Herren des Chaos" herausgegeben.

Bjarne Melgaard, 2000 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: A. Hausenblas
Bjarne Melgaard, 2000 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: A. Hausenblas

In der Auseinandersetzung mit dieser Musik, die seit den neunziger Jahren bloß noch eine Randerscheinung des Pop ist, kristallisierte sich allmählich heraus, dass es diesen Musikern, die auf ihren Platten und CD-Covers wie auch durch ihre Kleidung bewusst nordische Mythen aufgreifen, um eine antiamerikanische Haltung gehe.

Steigende Anerkennung

Bjarne Melgaard, 2000 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: A. Hausenblas
Bjarne Melgaard, 2000 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: A. Hausenblas

Musik und verschiedene Mythen machen einen Teil der Arbeit von Bjarne Melgaard aus, der zur Zeit große internationale Beachtung findet. Unter anderem wurden Werke von ihm im Stedelijk-Museum in Amsterdam, auf der Biennale von Sao Paulo oder auf der Manifesta 2 in Luxemburg gezeigt. Außerdem präsentierte ihn die Kästner-Gesellschaft in Hannover.

Ein solcher Boom ist ungewöhnlich für einen Künstler, der immerhin erst 30 Jahre alt ist. Hinzu kommt, dass er sich grundsätzlich mit extremen Lebensformen auseinandersetzt und auch Homosexualität oder Sado-Maso-Rituale thematisiert. Melgaard erklärt dazu, dass er an starken visuellen Images interessiert sei. Seine Bilder sollen daran erinnern, dass die Extreme, von denen sie erzählen, gar nicht soweit vom Alltag entfernt seien.

Bezüge zum Aktionismus

Bjarne Melgaard, 2000 / ©Bild: A. Hausenblas
Bjarne Melgaard, 2000 / ©Bild: A. Hausenblas

Mit einem Rückblick auf die Kunstgeschichte lassen sich Bezüge zwischen Melgaards Fotografien und Zeichnungen und dem Aktionismus herstellen. Denn auch für den Aktionismus hatte die Fotografie zentrale Bedeutung. Aber auch im Bereich junger Kunst der Gegenwart lassen sich Parallelen erkennen. Auch der junge Berliner Jonathan Mese greift unterschiedliche Mythen der Populärkultur auf. Genauso der extreme Brite Lee Wagstaff, der seinen gesamten Körper mit Symbolen tätowiert und das zu einem Kunstprojekt erklärt hat. An der amerikanischen Westcoast wiederum ist eine junge Szene im Umfeld der Klasse von Mike Kelley entstanden, die sich in Zeichnungen und Fotografien mit Rock-Musik beschäftigt. Bjarne Melgaard bietet dazu eine Art europäischen Gegenpol.

Tipp:

Werke von Bjarne Melgaard sind bis Mitte Mai in der Galerie Krinzinger zu sehen.

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