Der rumänische Karikaturist und Künstler Dan
Perjovschi hat dem Kunstraum einen neuen Anstrich
verpasst.
Artikeltext: Dan Perjovschi und wie er die
Welt sah: Schwarz auf weiß hat der aus Bukarest
stammende Künstler das 1999 auf der Biennale in
Venedig demonstriert - und den rumänischen
Pavillon über und über mit Zeichnungen,
Karikaturen und politischen Graffitis
ausgestattet.
Weil auch im Kunstraum noch
ein wenig Fläche frei war - und weil das laufende
Jahr ein Jahr der Personalen werden soll, kam
Perjovschi mit Edding-Stiften ausgerüstet jetzt
nach Innsbruck. Um auch hier mit spitzer Feder und
scharfer Zunge das Weltgeschehen zu
kommentieren.
"Ich führe eine Art
Zeichentagebuch, in dem ich meine Beobachtungen
festhalte", sagt Perjovschi, der eine Woche lang
gebraucht hat, um den Kunstraum mit seinen Notizen
unter dem Titel "Not me but you, not now but
later" zu okkupieren. Bezüge zum Gastland sind ihm
dabei einige untergekommen: Die gar nicht
olympische Dopingaffäre etwa, der er mit Witz und
Ironie gleich mehrere Wandgemälde widmet.
Doch das schier unerschöpfliche Repertoire
des Künstlers geht weit über die Austro-Grenzen -
und über das Zeichnen allein hinaus. Dass manchmal
auch Worte allein als Cartoon funktionieren,
zeigen Bodenbeschriftungen, die ortsunabhängig zum
Schmunzeln bringen: Ein "Bürgermeister" wird zum
"Burger King", wenn Dan Perjovschi erstmal mit ihm
fertig ist.
Ein Karikaturenstreit dagegen
wird um Perjovschis politische Erfahrungen
erweitert: "Ich habe Ceausescu erlebt, natürlich
muss ich die Meinungs- und Redefreiheit
verteidigen", bezieht der Künstler nur scheinbar
Stellung. Denn er schickt dem Statement nicht nur
mehrere Zeichnungen voraus, sondern auch eine
einschränkende Haltung hinterher: "Die Missachtung
der Kultur des anderen kann verletzen. Und was ist
eigentlich so schwer daran, sich einfach zu
entschuldigen?"
Perjovschi, der versucht,
die Welt durch seine sozialkritischen Zeichnungen
ein wenig besser zu verstehen, versteht sich auch
seit 23 Jahren mit Ehefrau Lia - sogar
künstlerisch. "Sie liest Bücher, ich schaue mir
Bilder an", bringt er die unterschiedlichen
Arbeitsweisen selbstironisch auf den Punkt. Und
besteht dennoch darauf, auf den Recherchen Lias
aufzubauen. Die Initiatorin des Contemporary Art
Archive hat den Zeichner nach Tirol begleitet -
und einen Auszug ihres "Kunstgeschichte-Samplers"
im Projektraum aufbereitet. Auf einer "Timeline",
die europäische, rumänische und persönliche
Aspekte der selbsternannten "Kunst-DJane"
aufzeigt. Wer ebenfalls darauf aufbauen möchte,
kann das mit Zeichnungen des Ehemannes tun. Die
warten mit Blaupausen ausgestattet auf ihren
Auftritt an der Wand.