24. Februar 2006

Kunstraum Innsbruck bekommt neuen Anstrich

Der rumänische Karikaturist und Künstler Dan Perjovschi hat dem Kunstraum einen neuen Anstrich verpasst.

Artikeltext: Dan Perjovschi und wie er die Welt sah: Schwarz auf weiß hat der aus Bukarest stammende Künstler das 1999 auf der Biennale in Venedig demonstriert - und den rumänischen Pavillon über und über mit Zeichnungen, Karikaturen und politischen Graffitis ausgestattet.

Weil auch im Kunstraum noch ein wenig Fläche frei war - und weil das laufende Jahr ein Jahr der Personalen werden soll, kam Perjovschi mit Edding-Stiften ausgerüstet jetzt nach Innsbruck. Um auch hier mit spitzer Feder und scharfer Zunge das Weltgeschehen zu kommentieren.

"Ich führe eine Art Zeichentagebuch, in dem ich meine Beobachtungen festhalte", sagt Perjovschi, der eine Woche lang gebraucht hat, um den Kunstraum mit seinen Notizen unter dem Titel "Not me but you, not now but later" zu okkupieren. Bezüge zum Gastland sind ihm dabei einige untergekommen: Die gar nicht olympische Dopingaffäre etwa, der er mit Witz und Ironie gleich mehrere Wandgemälde widmet.

Doch das schier unerschöpfliche Repertoire des Künstlers geht weit über die Austro-Grenzen - und über das Zeichnen allein hinaus. Dass manchmal auch Worte allein als Cartoon funktionieren, zeigen Bodenbeschriftungen, die ortsunabhängig zum Schmunzeln bringen: Ein "Bürgermeister" wird zum "Burger King", wenn Dan Perjovschi erstmal mit ihm fertig ist.

Ein Karikaturenstreit dagegen wird um Perjovschis politische Erfahrungen erweitert: "Ich habe Ceausescu erlebt, natürlich muss ich die Meinungs- und Redefreiheit verteidigen", bezieht der Künstler nur scheinbar Stellung. Denn er schickt dem Statement nicht nur mehrere Zeichnungen voraus, sondern auch eine einschränkende Haltung hinterher: "Die Missachtung der Kultur des anderen kann verletzen. Und was ist eigentlich so schwer daran, sich einfach zu entschuldigen?"

Perjovschi, der versucht, die Welt durch seine sozialkritischen Zeichnungen ein wenig besser zu verstehen, versteht sich auch seit 23 Jahren mit Ehefrau Lia - sogar künstlerisch. "Sie liest Bücher, ich schaue mir Bilder an", bringt er die unterschiedlichen Arbeitsweisen selbstironisch auf den Punkt. Und besteht dennoch darauf, auf den Recherchen Lias aufzubauen. Die Initiatorin des Contemporary Art Archive hat den Zeichner nach Tirol begleitet - und einen Auszug ihres "Kunstgeschichte-Samplers" im Projektraum aufbereitet. Auf einer "Timeline", die europäische, rumänische und persönliche Aspekte der selbsternannten "Kunst-DJane" aufzeigt. Wer ebenfalls darauf aufbauen möchte, kann das mit Zeichnungen des Ehemannes tun. Die warten mit Blaupausen ausgestattet auf ihren Auftritt an der Wand.

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Autor: Von Ivona Jelcic
Quelle: NEUE
 
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