Peter Noever, Ex-Direktor des MAK, wird 70 – nicht unter den besten Umständen
Zwiespältige Kunstnähe
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Der Skandal ist noch nicht ausgestanden: Peter Noever, Ex-Direktor des MAK. Foto: apa/Hans Klaus Techt
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Von Christoph Irrgeher

Vom Innovator des Kunstbetriebs zum Skandal-Direktor.

Rechnungshof hat mit seiner Prüfung begonnen.

Reichen 220.000 Euro für tätige Reue aus?
Wien. Immerhin online gibt es die Allianz noch. Der Ex-Direktor und das Museum für angewandte Kunst: auf
http://peternoever.mak.at
sind sie weiterhin vereint. Auch wenn das Intro der betagten Site fast
zu leugnen scheint, dass Noever 25 Jahre Chef war: Ein roter Strich
spaltet den Namen in "No" und "Ever".
Jenseits der virtuellen Welt wurde dagegen ein harter Schlussstrich
gezogen: Weil Noever die Geburtstage seiner Mutter wiederholt auf
MAK-Kosten feiern (und dafür Rechnungen fälschen) ließ, wurde er im März
entlassen. Keine zehn Monate vor dem Ende seines Vertrags.
Interimistisch leitet nun Martina Kandeler-Fritsch, bisher Noevers
Stellvertreterin, das Haus. Bis Sommer will Kulturministerin Claudia
Schmied eine neue Führungsfigur finden.
Vermeintliche Hexenjagd
Nicht gerade die besten Umstände für ein rundes Jubiläum: Am 1. Mai
feiert Peter Noever seinen 70. Geburtstag. Über fehlende Freunde muss er
dennoch nicht klagen. Bereits Ende Februar – als Noever im Umfeld von
Wirtschaftsprüfungen Fehler eingestand und vorerst freiwillig das Feld
räumte – scharten sich Freunde des vermeintlichen Hexenjagd-Opfers auf
einer Fanseite im Internet. Ein "kleingeistiges" Land vernichte einen
seiner wenigen Kunst-Visionäre: Das ist der Tenor der Beiträge von
Künstlern wie Erwin Wurm. Auch journalistisch springen manche für den
Jubilar in die Bresche: Noch nie, rühmte ein "profil"-Kolumnist, "wurde
ein Museumsdirektor derart als Teil der Kunst, die er ausstellte,
international akklamiert".
Diese Teil-Werdung der Kunst darf als unstrittig gelten – jedoch im
positiven wie negativen Sinn. Gewiss ist Noever als jener Innovator zu
feiern, der das MAK einst zu mondänem Glanz führte. Nicht nur die
bauliche Umgestaltung des Hauses fand internationalen Beifall, auch
Noevers Faible für zeitgenössische Kunst, die der MAK-Chef ab 1986 in
Ausstellungen auslebte – und dafür 1991 in der Kulturzeitschrift "Pan"
zum Ausstellungsmacher des Jahres gekürt wurde, 1996 den Museumspreis
des Europarates erhielt.
Unerfreulich dagegen die Nebenwirkungen der Noever’schen Kunstnähe –
wobei sich die Kritik nicht nur an den Mama-Partys im Museum entzündet.
Musste Noever tatsächlich alljährlich Wochen in Los Angeles zubringen,
wo das MAK eine Expositur besitzt? War es rechtens, Noevers eigene
Arbeiten im Museum auszustellen, ihm gar als "Designpionier" die
Homepage peternoever.mak.at zu finanzieren – die nach Museumsauskunft 11.500 Euro kostete, laut Kritikern jedoch anfangs keinerlei Bezug zum Museum hatte?
Fragen wie diese – inklusive eine Überprüfung von Fuhrpark- und
Fahrtenkosten sowie eine erneute Durchleuchtung der Party-Kosten –
beschäftigen in nächster Zeit den Rechnungshof (RH). Auf Begehr der
Grünen hat er nun begonnen, die Finanzen des MAK in den Jahren 2001 bis
2010 zu prüfen. Die spannende Frage: Ob jene 220.000 Euro, die Noever
zur Abdeckung der durch ihn verursachten Schäden deponiert hat, reichen.
Es könnte für den Ex-Direktor – laut APA ermittelt die
Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue – über
Gedeih und Verderb entscheiden: Noevers 220.000 Euro können nur dann als
"tätige Reue" gelten und somit eine Strafe aufheben, wenn der
tatsächliche Schaden nicht einen Cent höher liegt.
Zwar hat PricewaterhouseCoopers die MAK-Finanzen bereits überprüft
und beziffert den Schaden mit 173.000 Euro. Aber erstens handelt es sich
nur um eine Schätzung. Zweitens beschränkte sich die Analyse (die nur
die Partys bemängelte) auf einige Themen. Und drittens könnte der RH in
Bezug auf gewisse Punkte – etwa die Homepage – zu völlig anderen
Schlüssen kommen.
Printausgabe vom Mittwoch, 27. April 2011
Online seit: Dienstag, 26. April 2011 20:00:00