VN Fr, 4.4.2003

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Kultur 

Als Bechtold den Ford crashte

Kunst und Bau im Land: In Bregenz werden heute zwei Ausstellungen eröffnet

Bregenz (VN) Mehr als 700 Kunstprojekte wurden in Vorarlberg seit 1945 realisiert. Vor dem Hintergrund der neuen Richtlinien für Kunst und Bau, befassen sich eine Dokumentation und zwei Ausstellungen mit dem Thema.

War in den Jahren des Wiederaufbaus nach 1945 eine starke Zusammenarbeit von Architekten und Künstlern zu beobachten, so sind diese öffentlichen Aufträge im Rahmen eines Denkens, das Architektur als eigenständige Kunst definiert, in den letzten Jahren zurückgegangen. Mit den vor rund zwei Jahren erlassenen neuen Richtlinien, die ein Prozent der Nettobausumme für Kunst vorsehen, versucht das Land ein Umdenken zu fördern und "Kunst und Bau" (anstelle des nach Behübschung klingenden "Kunst am Bau") als gleichwertige Partner zu etablieren.

Enzyklopädie

In aufwändiger Recherche von der Kunsthistorikerin Susanne Fink zusammengetragen und katalogisiert, ist mit dem 400 Seiten starken Nachschlagewerk so etwas wie eine bebilderte Enzyklopädie der Kunst im öffentlichen Raum in Vorarlberg entstanden. "Mit der Publikation sollen Kunst und Architektur an der man täglich achtlos vorbeigeht, vermehrt ins Bewusstsein gerückt werden", so Fink.

Auszüge aus dieser katasterartigen Bestandsaufnahme zeigt die Ausstellung im Künstlerhaus in Form der vergrößerten Reproduktionen der Buchseiten. Nicht bewertend, sondern unter dem Aspekt größtmöglicher Objektivität sind jede Gemeinde und jeder Künstler im alphabetischen Rundgang von A wie Alberschwende bis Zwie Zwischenwasser einmal vertreten.

Nur Buchseiten

Dieser dokumentarische Teil legt es im gleich bleibenden Raster der Buchseiten bewusst keinen Moment auf künstlerische Fotos oder auf die Frage, wie Kunst und Architektur auch präsentiert werden könnten, an.

Aus den Beständen

Den ebenfalls klassischen, jedoch unterhaltsameren Weg der Präsentation geht man mit Modellen im Landesmuseum. Angesiedelt um drei große, vom Land ausgeschriebene Wettbewerbe (Landeskrankenhaus Feldkirch 1972 bzw. Erweiterungsbau 1989, Neubau des Landhauses in Bregenz 1980) tut sich hier ein exemplarischer Blick auf in die ungeahnten Tiefen der Sammlungsbestände des VLM.

Denn ausgestellt sind, aus den Beständen, nicht die ausgeführten, sondern die eingereichten Entwürfe, was immer wieder Raum freilässt für interessante Vergleiche. Und für ein "Aha, so hätte das auch aussehen können". Dazu gehören die Projekte für den Festsaal im Landhaus (die Ausführung durch Hubert Berchtold konnte ja vor einiger Zeit in der Ausstellung ebendort nachvollzogen werden), aber auch die unter dem Motto "Subor blibo" stehende Einreichung von Tone Fink, oder die von Museumsdirektor Helmut Swozilek als "entschwunden" bezeichneten Künstler, wie der Entwurf des Kleinwalsertalers Karl Kessler. Und was waren das noch für Zeiten, in den 70 ern, als Gottfried Bechtold einen goldfarbenen Ford Capri gegen eine Säule mit einer Uhr crashen ließ, als radikales, blechernes Memento mori für die Platzgestaltung des Landeskrankenhauses in Feldkirch.

So ganz nebenbei ist die Schau mit Namen wie Emil

Gehrer, Herbert Albrecht, Tone Fink, Christian Lutz, Harald Gfader, Werner Bösch oder Martin Rauch aber auch nicht unrepräsentativ für die Vorarlberger Szene.

VON ARIANE GRABHER

Die Ausstellungen "Kunst und Bau in Vorarlberg seit 1945" werden um 17 im Vorarlberger Landesmuseum und Uhr um 20 Uhr im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis eröffnet. Ausstellungsdauer VLM bis 18. Mai (geöffnet Dienstag bis Sonntag 9 bis 12 und 14 bis17 Uhr), Künstlerhaus bis 4. Mai (geöffnet Dienstag bis Samstag 14 bis 18, Sonn- und Feiertag 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr).

Von Bechtolt gibt es nicht nur einen "Crash-Porsche", sondern auch einen "Crash-Ford". (Foto: ag)

Paradefall: Golmerbahnprojekt von Stroehle. (Foto: Hueber)

Kunst und Architektur sollen vermehrt ins Bewusstsein gerückt werden.

SUSANNE FINK




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