Bregenz (VN) Mehr als 700 Kunstprojekte wurden in Vorarlberg seit
1945 realisiert. Vor dem Hintergrund der neuen Richtlinien für Kunst
und Bau, befassen sich eine Dokumentation und zwei Ausstellungen mit
dem Thema.
War in den Jahren des Wiederaufbaus nach 1945 eine starke
Zusammenarbeit von Architekten und Künstlern zu beobachten, so sind
diese öffentlichen Aufträge im Rahmen eines Denkens, das Architektur
als eigenständige Kunst definiert, in den letzten Jahren
zurückgegangen. Mit den vor rund zwei Jahren erlassenen neuen
Richtlinien, die ein Prozent der Nettobausumme für Kunst vorsehen,
versucht das Land ein Umdenken zu fördern und "Kunst und Bau"
(anstelle des nach Behübschung klingenden "Kunst am Bau") als
gleichwertige Partner zu etablieren.
Enzyklopädie
In aufwändiger Recherche von der Kunsthistorikerin Susanne Fink
zusammengetragen und katalogisiert, ist mit dem 400 Seiten starken
Nachschlagewerk so etwas wie eine bebilderte Enzyklopädie der Kunst
im öffentlichen Raum in Vorarlberg entstanden. "Mit der Publikation
sollen Kunst und Architektur an der man täglich achtlos vorbeigeht,
vermehrt ins Bewusstsein gerückt werden", so Fink.
Auszüge aus dieser katasterartigen Bestandsaufnahme zeigt die
Ausstellung im Künstlerhaus in Form der vergrößerten Reproduktionen
der Buchseiten. Nicht bewertend, sondern unter dem Aspekt
größtmöglicher Objektivität sind jede Gemeinde und jeder Künstler im
alphabetischen Rundgang von A wie Alberschwende bis Zwie
Zwischenwasser einmal vertreten.
Nur Buchseiten
Dieser dokumentarische Teil legt es im gleich bleibenden Raster
der Buchseiten bewusst keinen Moment auf künstlerische Fotos oder
auf die Frage, wie Kunst und Architektur auch präsentiert werden
könnten, an.
Aus den Beständen
Den ebenfalls klassischen, jedoch unterhaltsameren Weg der
Präsentation geht man mit Modellen im Landesmuseum. Angesiedelt um
drei große, vom Land ausgeschriebene Wettbewerbe (Landeskrankenhaus
Feldkirch 1972 bzw. Erweiterungsbau 1989, Neubau des Landhauses in
Bregenz 1980) tut sich hier ein exemplarischer Blick auf in die
ungeahnten Tiefen der Sammlungsbestände des VLM.
Denn ausgestellt sind, aus den Beständen, nicht die ausgeführten,
sondern die eingereichten Entwürfe, was immer wieder Raum freilässt
für interessante Vergleiche. Und für ein "Aha, so hätte das auch
aussehen können". Dazu gehören die Projekte für den Festsaal im
Landhaus (die Ausführung durch Hubert Berchtold konnte ja vor
einiger Zeit in der Ausstellung ebendort nachvollzogen werden), aber
auch die unter dem Motto "Subor blibo" stehende Einreichung von Tone
Fink, oder die von Museumsdirektor Helmut Swozilek als
"entschwunden" bezeichneten Künstler, wie der Entwurf des
Kleinwalsertalers Karl Kessler. Und was waren das noch für Zeiten,
in den 70 ern, als Gottfried Bechtold einen goldfarbenen Ford Capri
gegen eine Säule mit einer Uhr crashen ließ, als radikales,
blechernes Memento mori für die Platzgestaltung des
Landeskrankenhauses in Feldkirch.
So ganz nebenbei ist die Schau mit Namen wie Emil
Gehrer, Herbert Albrecht, Tone Fink, Christian Lutz, Harald
Gfader, Werner Bösch oder Martin Rauch aber auch nicht
unrepräsentativ für die Vorarlberger Szene.