"Ich und Kaminsky" heißt ein Künstlerroman Daniel
Kehlmanns. "Wir und Kaminsky": das sind keine Kunstfiguren, sondern der
1945 in Dresden geborene Maler Thomas Kaminsky und das
Kunstsammler-Ehepaar Dieter und Gertraud Bogner. Diesen beiden gehört das
Schloss Buchberg nahe Gars am Kamp, das sie seit 20 Jahren mit
Rauminstallationen und -interventionen ausstatten, etwa dem
"Österreichzimmer" von Peter Weibel und Werken von Stanislav Kolibal (auf
dem Schüttboden), Dan Graham, Dora Maurer, Heimo Zobernig.
In den mittelalterlichen Mauern von Buchberg bespielt nun
Kaminsky mit seiner Farbfeldmalerei sechs Räume. Durch zwei Interventionen
hat er sich bereits mit der Magie des Ortes vertraut gemacht: Da ist sein
kadmiumgelber, in einen ehemaligen Mauerdurchlass eingefügter Schacht,
oben und unten von Spiegeln abgeschlossen, die - alter Trick - ein Gefühl
der Enge bei gleichzeitiger unendlicher Wiederholung vorgaukeln. Und als
duftige Deckenmalerei streute er in eines der vielen von Stuckatur
umgrenzten weißen Mauerfelder winzige rote, blaue, gelbe und graue
Dreiecke.
Die nun hinzugefügten "mobilen" Arbeiten führen den
Begriff Malerei teilweise ganz eng, lösen ihn zugleich auf, interpretieren
ihn dreidimensional, prüfen ihn auf seine Tauglichkeit als Medium einer
Schule des Sehens. So in einer Gruppe klassisch gemalter oder
gespachtelter Tafelbildern und Holzschnitte: Unter Beschränkung auf wenige
reine Farben untersuchen sie Grundformen wie Rechteck, Quadrat, Kreis auf
ihre Präsenz im Raum hin. Poetisch ergänzt und erweitert werden sie durch
ein auf einem Tisch aufgelegtes Riesen-Leporello und einige kleinere
Bücher voller poetischer Tusch- und Aquarell-Übungen.
Gegenüber finden sich kleine bemalte Objekte, gebaut aus
Zahnstochern, Küchenschwämmen, Uhrwerken, Gummiringen. Teils
ungegenständlich, teils zu obskuren Galgen-Szenarien zusammengefügt,
setzen sie das Sehspiel fort und wollen an ungewohnten Orten wie
Wandnischen, Fenstersimsen, Türdurchgängen entdeckt werden. Für drei davon
hat der Maler aus Schaumstoffplatten sogar eigene kleine Verschläge
gebaut. Wer die Objektchen trotzdem sehen will, kann dies nur durch einen
Türspion tun, der sie wiederum in weite Ferne zu rücken scheint und die
Frage aufwirft: Wo stehen wir? Wohin entführt uns Kunst?
Samstag und Sonntag sowie auf telefonische Anfrage
(02985/2264, 01/5128577). Zur Finissage am 27. Juli liest Daniel
Kehlmann aus seinem Roman.
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