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09.07.2003 - Ausstellung
Hinab in den unendlichen Farbschacht!
"Wir und Kaminsky" im "Kunstraum Buchberg" nahe Gars am Kamp.
VON JOHANNA HOFLEITNER


"Ich und Kaminsky" heißt ein Künstlerroman Daniel Kehlmanns. "Wir und Kaminsky": das sind keine Kunstfiguren, sondern der 1945 in Dresden geborene Maler Thomas Kaminsky und das Kunstsammler-Ehepaar Dieter und Gertraud Bogner. Diesen beiden gehört das Schloss Buchberg nahe Gars am Kamp, das sie seit 20 Jahren mit Rauminstallationen und -interventionen ausstatten, etwa dem "Österreichzimmer" von Peter Weibel und Werken von Stanislav Kolibal (auf dem Schüttboden), Dan Graham, Dora Maurer, Heimo Zobernig.

In den mittelalterlichen Mauern von Buchberg bespielt nun Kaminsky mit seiner Farbfeldmalerei sechs Räume. Durch zwei Interventionen hat er sich bereits mit der Magie des Ortes vertraut gemacht: Da ist sein kadmiumgelber, in einen ehemaligen Mauerdurchlass eingefügter Schacht, oben und unten von Spiegeln abgeschlossen, die - alter Trick - ein Gefühl der Enge bei gleichzeitiger unendlicher Wiederholung vorgaukeln. Und als duftige Deckenmalerei streute er in eines der vielen von Stuckatur umgrenzten weißen Mauerfelder winzige rote, blaue, gelbe und graue Dreiecke.

Die nun hinzugefügten "mobilen" Arbeiten führen den Begriff Malerei teilweise ganz eng, lösen ihn zugleich auf, interpretieren ihn dreidimensional, prüfen ihn auf seine Tauglichkeit als Medium einer Schule des Sehens. So in einer Gruppe klassisch gemalter oder gespachtelter Tafelbildern und Holzschnitte: Unter Beschränkung auf wenige reine Farben untersuchen sie Grundformen wie Rechteck, Quadrat, Kreis auf ihre Präsenz im Raum hin. Poetisch ergänzt und erweitert werden sie durch ein auf einem Tisch aufgelegtes Riesen-Leporello und einige kleinere Bücher voller poetischer Tusch- und Aquarell-Übungen.

Gegenüber finden sich kleine bemalte Objekte, gebaut aus Zahnstochern, Küchenschwämmen, Uhrwerken, Gummiringen. Teils ungegenständlich, teils zu obskuren Galgen-Szenarien zusammengefügt, setzen sie das Sehspiel fort und wollen an ungewohnten Orten wie Wandnischen, Fenstersimsen, Türdurchgängen entdeckt werden. Für drei davon hat der Maler aus Schaumstoffplatten sogar eigene kleine Verschläge gebaut. Wer die Objektchen trotzdem sehen will, kann dies nur durch einen Türspion tun, der sie wiederum in weite Ferne zu rücken scheint und die Frage aufwirft: Wo stehen wir? Wohin entführt uns Kunst?

Samstag und Sonntag sowie auf telefonische Anfrage (02985/2264, 01/5128577). Zur Finissage am 27. Juli liest Daniel Kehlmann aus seinem Roman.



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