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Kunst oder Verbrechen?

Muehl-Ausstellung in Wien schürt heftige Emotionen


Zwei Werke des skandalträchtigen Künstlers Otto Muehl in der Wiener Ausstellung: "Hitler und Eva Braun" und "Hinrichtung".
Beide Gemälde stammen aus dem Jahr 1984.
dpa
Vom 03.03.2004
 
Von dpa-Korrespondentin Irmgard Schmidmaier

Kunst oder Verbrechen - die Frage schürt die Emotionen in Wien, wo von heute an eine Ausstellung zum Gesamtwerk des österreichischen Künstlers Otto Muehl zu sehen ist. Ehemalige Bewohner der von Muehl gegründeten Künstlerkommune fordern: "Verbrechen dürfen nicht als Kunst ausgestellt werden!" Der Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK), Peter Noever, beharrt auf der Trennung von Mensch und Werk: "Bei allem Respekt und Verständnis für Emotionen - hier ist das Thema die Kunst. Wir präsentieren das Werk eines wichtigen Künstlers der Gegenwart."

Muehl war in den 60er Jahren gemeinsam mit Hermann Nitsch, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler Mitbegründer des Wiener Aktionismus. In seiner 1970 gegründeten Kommune, die 1972 in den "Friedrichshof" im Burgenland einzog, propagierte er die "Aktionsanalyse" als Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen durch die Kunst und freie Sexualität. 1991 bis 1998 verbüßte Muehl eine Haftstrafe wegen Drogenmissbrauchs, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs Minderjähriger.

In den vergangenen Tagen hatten ehemalige Kommunenbewohner Vorwürfe gegen Muehl wegen sexuellen Missbrauchs und Gewaltanwendung erneuert und protestierten gestern bei der Vorbesichtigung gegen die Ausstellung. Ihre Empörung richtet sich gegen jene Teile der Schau, in der das Leben der Kommune aus der Sicht Muehls als Utopie von einer freien Gesellschaft gezeichnet wird. Dazu gehören Plakate wie die "XII AA Gebote" zur Aktionsanalyse oder zum "Kinderaufwachsen" in der Kommune, in der Zweierbeziehungen ebenso verboten waren wie Privateigentum.

Noever signalisierte Verständnis für die Proteste der Muehl-Opfer: "Die Aufarbeitung und Darstellung dessen, was innerhalb der Kommune geschehen ist, ist wichtig, sprengt aber den Rahmen einer Ausstellung. Die Kenntnis des Werkes ist die Voraussetzung, um überhaupt eine kultivierte Diskussion führen zu können."

Die Ausstellung im MAK zeigt bis 31. Mai unter dem Titel "Otto Muehl. Leben - Kunst - Werk. Aktion Utopie Malerei 1960-2004" insgesamt 480 Arbeiten des Künstlers. In drei Kapiteln fasst die Schau das umfangreiche und heterogene Werk zusammen, von den ersten Gerümpelplastiken und Materialbildern über die Malerei und Dokumentationen seiner Aktionen bis hin zu den aktuellen "Electric Paintings". Es ist dies die erste Gesamtschau zur Arbeit Muehls, der heute, stark von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnet, mit sieben Künstlerfamilien in einer kleinen Kommune in Portugal lebt. Das Eingangskapitel "Aktion" beschreibt den Weg Muehls vom Studium der Germanistik und Geschichte sowie der Kunstpädagogik über erste Lehrerfahrungen und Einsätze als Zeichentherapeut hin zum eigenen Schaffen. Fotografien und Filmausschnitte dokumentieren die Materialaktionen und Direct-Art-Performances der 60er Jahre. Diese Arbeiten bereiten schließlich den Schritt Muehls vor, 1970 die erste Kommune zu gründen.

Die Trennung zwischen Kunst und Leben aufzuheben und im befreiten, gleichberechtigten Zusammenleben gesellschaftliche Zwänge abzulegen, war Kernpunkt seiner sozialen Utopie. Diese fasste er in der Aktionsanalyse zusammen und wollte sie in der Kommune Friedrichshof umsetzen. Fotografien und Gebots-Plakate zum Leben in der Kommune sowie malerische Arbeiten bilden den Kern des zweiten Kapitels "Utopie".

Der Bereich "Malerei" schließlich zeigt Muehl als technisch versierten Künstler, der etwa im Van-Gogh-Zyklus von 1984 mit Motiven der Kunstgeschichte spielt und gleichzeitig politische Themen aufgreift. In den "Electric Paintings", die seit 2001 entstehen, verwendet er Motive und Fotografien aus seiner früheren Arbeit, verfremdet sie mittels Computer und fügt sie zu kurzen Clips zusammen.

www.mak.at

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