Schon Anfang der Neunzigerjahre hat eine
Ausstellung japanischer Künstler im Museum des 20. Jahrhunderts gezeigt,
dass "World Art" die Unterschiede künstlerischer Produktion fast
aufgehoben hat.
Das zeigt sich erneut mit den vier Künstlerinnen und einem Künstler,
die im Rahmen des EU-Japan-Jahres für drei Monate in Wien als Artists in
Residence zu Gast waren. Ihre Arbeiten werden bis 30. November im Palais
Porcia präsentiert und umkreisen mit Fotografie, Malerei und Installation
durchaus gewohnte Medien der Gegenwartskunst.
Traumatische Bilder
Hiroko Inoue will ihre gute Kommunikation mit der österreichischen
Szene für weitere Kontakte nützen – sie lebt ohnehin halb in Deutschland
und halb in Japan, wo sie auch von einer Galerie vertreten wird. In Wien
ist sie durch ihre Foto-Installation im Jugendstiltheater in Steinhof
"Inside Out" bereits aufgefallen. Dabei geht es ihr nicht nur um
Jugendliche und Kinder als Leidtragende von alltäglichen traumatischen
Situationen. Sie verweist auch mit den geschlossenen Augen der von ihr
Fotografierten auf deren Blick nach Innen.
Die in scheinbarer Meditation Stehenden lauschen dem Zug der Zeit –
dokumentiert durch eine Diaserie an der gegenüberliegenden Wand. Sie zeigt
Waschbecken und tropfende Wasserhähne, Symbol des Ablaufs von Geschichte.
Mit einem weiteren Werk ist eine von den Menschen verlassene Tischrunde
vor einem Fenster dokumentiert: doch nicht die Möbel, sondern die
zurückgelassenen Bindungen der Abwesenden interessieren Inoue.
Eine weitere Künstlerin publiziert unter dem Pseudonym "anti-cool". Und
als kühl ist ihre Installation tatsächlich nicht zu bezeichnen: sie hat
während ihrer Zeit in Österreich jedes Essen in einem Speiseplan
dokumentiert und mit einem Kaugummi der Marke Orbit zuckerfrei
abgeschlossen.
Ästhetischer Ekel
Die Produkte hat sie akribisch in Glaskästchen aufbewahrt, die
Papierhüllen bilden daneben einen Berg. Dias belegen die von Kaugummi
zugeklebten Tassen, Teller und Gläser: was nun fast ästhetisch wirkt,
erzeugt erst bei näherer Ansicht Ekelgefühle.
Shinpei Kusanagi ist der Maler in der Gruppe: zum einen hat er in
großformatigen Landschaften seine Kälteempfindungen während des
Österreich-Aufenthalts dokumentiert, zum anderen kleinere weiße oder
nächtliche Gemälde geschaffen. Die Nachtstücke sind reduzierte, von
Einzellichtern in fast lackartig glänzender Dunkelheit akzentuierte,
besondere Bespiele mit Titel wie "From Bratislava to Vienna" oder "Go back
to the moon".
Gesammeltes Wasser
Kaoru Motomiya hat diese Reise nach Bratislava ebenso thematisiert wie
ihre Besuche in Basel, Zürich, Salzburg und Linz entlang der Flüsse Donau,
Rhein und Limmat, deren Wasser sie in Gefäßen gesammelt hat. Ihre
Wanderschuhe hat sie mit Architektenpapier nachgeformt: ein Licht leuchtet
in ihnen und die Videobilder, die sie an diesen Flüssen aufgenommen hat,
sind darüber zu verfolgen. Auf dünnen Japanpapieren hat sie eine
persönliche Kartografie vollzogen, als Unterlage dafür dienten die
Bahnfahrkarten, die durch einen Schleier sichtbar werden.
Sinnvolle Fortsetzung
Maya Yonesho fasst ihren Aufenthalt in einer Vitrine zusammen: Viele
kleine Aquarelle zeigen Ausschnitte ihre Eindrücke, die auch Bezüge zu
Orten und zu den Klischees – zum Beispiel Wiener Schnitzel – aufweisen.
Der Kontakt, den ja bereits ältere Künstlerinnen wie Lore Heuermann
seitens unseres Landes intensiv pflegt, verspricht mit dem
Atelieraustausch eine sinnvolle Fortsetzung zu finden.
Was Wer Wo Wie
Ausstellung zum Kulturaustausch (Ausstellung von Karin Zimmer, 2005)
Palais Porcia
Herrengasse 23, 1010 Wien 01/531 15-75 10
Bis 30. November Mo. bis Fr., 10 bis 16 Uhr
Sinnvoller Austausch.
Samstag, 12. November
2005