| Salzburger Nachrichten am 28. März 2006 - Bereich: Kultur
Der Standpunkt: Kunst muss möglich sein KARL HARB
Ob es geschickt ist, wenn sich Kunstkurator Max Hollein in das
Statement flüchtet, Kunst, die erst entstehe, könne man nicht erklären,
sei einmal dahingestellt. Tatsache ist wohl auch, dass sich viele Menschen
unter einem "umgedrehten Hubschrauber" oder einem "Bauzaun" schwerlich
"Kunst" vorstellen können. Das ist ihr gutes Recht. Es würde aber eine
(welt-)offene Gesellschaft auszeichnen, wenn sie dies auf Zeit einfach
aushielte. Die Salzburger allerdings neigen dazu, alles, was sie nicht
kennen, gar nicht erst versuchsweise zuzulassen. Ein (Totschlag-)Argument:
Anschlag auf das Weltkulturerbe. Dieses müsse unangetastet bleiben.
Niemand stellt die historischen Bauwerke in Frage. Bestenfalls kann Kunst
(wenn sie gut ist, was man tatsächlich erst erkennen kann, wenn sie "vor
Ort" installiert wurde) temporär sogar einen neuen Blick auf "Geschichte"
zulassen. Dafür gibt es längst weltweit großartige (und auch schlechte)
Beispiele. Verbieten hilft nicht weiter. Wenn ein Stadtrat Wochen, nachdem
"künstlerische" Mozartkugeln aufgestellt worden sind, diese nachträglich
verbannen will, macht er sich leider argumentativ genauso lächerlich. Das zweite Argument wiegt schwerer: Steuergeldverschwendung. Es zielt
nämlich auf einen Konsens der Gesellschaft, der (bisher) besagt, so wie
für andere Bereiche des Gemeinwesens solle auch für "Kultur" ein gewisser
Betrag aufgewendet werden. Wie dieser Betrag vergeben wird, ist nicht
Sache der Politik - so lange der Rahmen nicht gesprengt wird, also
"Schulden" gemacht werden. Das aber kann erst die Abrechnung von
"Kontracom" zeigen. Vorher wäre es auch ein Zeichen nobler
Bürgergesinnung, mit der Sache nicht blindlings abzurechnen. |