
Die Zeiten, in denen Kulturmanager schlechter als ihre Kollegen in der Wirtschaft bezahlt wurden, sind vorbei: 2008, in seinem letzten Jahr als Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, verdiente Wilfried Seipel erheblich mehr als der Bundeskanzler. Weil es wahrscheinlich viel schwieriger ist, auf winzige Skarabäen und die Saliera aufzupassen, als den bürgerlichen Koalitionspartner in Schach zu halten.
Im Falle des Kunsthistorischen Museums wurden die Einkommen von Seipel (ca. 357.900 Euro) und dessen kaufmännischen Leiter Paul Frey (ca. 146.300 Euro) hochgerechnet. Denn der Rechnungshof gibt in seinem Bericht das durchschnittliche Einkommen pro Geschäftsführer an.
Wenn es aber nur einen Chef gibt - die übrigen Direktoren der Bundesmuseen haben einen Kogeschäftsführer bis dato verhindert - kann man das erhobene Einkommen ganz leicht einer konkreten Person zuordnen.
Da stellen sich schon einige Fragen: Warum verdiente Agnes Husslein (Belvedere) im Jahr 2008 um 46.500 Euro mehr als Peter Noever (Mak)? Warum stieg das Einkommen von Gabriele Zuna-Kratky (Technisches Museum) gegenüber 2006, der letzten Erhebung, um 24.700 Euro, jenes von Edelbert Köb (Mumok) hingegen nur um 8500 Euro?
Eines lässt sich aber klar ablesen: Im musealen Bereich (inkl. Nationalbibliothek) gibt es fast ebenso viele Frauen wie Männer in Führungsposition - und sie verdienen in der Regel mehr als ihre Kollegen. Denn der Fall Seipel hat sich mit Jahresende erledigt: mit der Abgabe von zwei Studien, für die der Ägyptologe von der Kulturministerin respektable 100.000 Euro erhält. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)
Zum Nachlesen:
Seipels vergoldeter Abschied vom KHM
Was die Generaldirektoren, Geschäftsführer und sonstigen Chefs 2008 verdienten
Was sich so tut in der Wiener Kulturszene: heiße Gerüchte und harte Facts, aktuelle Kurzreportagen und feine Beobachtungen.
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