Angefangen hat der sich gern in einen furiosen Ablauf
stürzende Maler ja ganz anders: Wie seine Kollegen Josef Mikl und
(zeitweise) Arnulf Rainer, beeindruckt von den die Welt in eine
Konstruktion bannenden Geometrismen Piet Mondrians. Aber etwa um die Zeit,
als der Innsbrucker Architektensohn bei seinem Landsmann Lois Welzenbacher
sein Architekturdiplom ablegte, begann er sich völlig anders zu
orientieren.
Er tat es parallel zur Entwicklung dessen, was damals als
Tachismus oder Informel seine eine ganze Generation beeinflussenden Blüten
trieb. Wer denkt vor Prachenskys frühen, wie später auch den Ort ihres
Entstehens im Titel festhaltenden expressiv-impulsiven, sich
verspritzenden Malereien nicht an Georges Mathieu? Der hatte seine
"lyrische Abstraktion", geschult an japanischer Kalligraphie, mit dem
Moment des jagenden Ablaufs verbunden.
Unter "Liechtenstein" (einer Atelieradresse) firmieren
Prachenskys "Rouges différents sur noir" 1956, 1957. Immer ist es das Rot,
Rot auf Weiß oder Rot auf Schwarz mit entsprechenden Changierungen, dem
der Künstler seine Aufmerksamkeit schenkt, von dem er kaum abläßt. Obwohl
sich in den siebziger und achtziger Jahren dann andere Farben einmischen:
In Abfolgen, zu denen sich Prachensky zwischen "Urbino" oder "Maremma"
anregen ließ und die sich in seinem Gesamtwerk durch
energisch-kontrollierte Zeichensetzungen besonders gut behaupten.
Frühe Schütt-Aktionen
Lange davor aber sah sich Prachensky zwischen 1967 und
1970 in den USA um, wo er in seine "California paintings" konsolidierende
Momente einführte - die Zeit von Hard Edge und Minimal Art war
angebrochen. So war das aber quasi von Anfang an: Dem phrasierten
eruptiven Impuls setzte der Künstler jeweils so etwas wie ein
Ordnungsprinzip entgegen, wobei er das "Liquide" sozusagen zu
stabilisieren suchte.
Das heißt aber auch, daß Prachensky "die feurige Natur
des menschlichen Gestus", von der sein früherer Apologet Otto Mauer
gesprochen hatte, immer wieder einbremste, auch effektvoll anzureichern
verstand. Was sich bereits in den Italien-Serien phasenhaft
auskristallisierte, führte jüngst in der Folge von "California
revisited"-Arbeiten an den Rand des Geschmäcklerischen. Damit verbunden
ist der definitive Abschied von durch "äußerste Konzentration gewonnenen
Intuitivkräften", wie sie Prachensky am Beginn zu erobern erhofft hatte.
Zurück zum "Liquiden", wie es ja auch Mathieu selbst in
Wien vorgeführt hatte. 1959 hat Prachensky im Theater am Fleischmarkt
Rotfarbe über Leinwände fließen lassen, dabei aber nicht daran gedacht,
die Resultate anders als aus einer temporären Situation heraus beurteilen
zu sollen. Bei Hermann Nitsch sollte das später anders sein, und ihm macht
er gern das Recht streitig, als Erster geschüttet zu haben.
Wenn Prachensky reist - und das tut er, wovon
"Bali-trumpet" oder "Hongkong Ramble" zeugen, bis zuletzt - hat das
jeweils eine schubartig entwickelte Jahresproduktion zur Folge. Stets
nützte er dafür Monate, die seine Anwesenheit in der Akademie, an der er
lernte und von 1983 bis 2000 lehrte, nicht erforderten.
Etwa neunzig Bild-Einheiten verteilen sich jetzt über
acht Räume links und rechts des Eingangs zur Österreichischen Galerie. Das
ist - bei nicht allzu großer Differenzierung eines gleichbleibenden, wenn
auch zu wechselnden Resultaten führenden Ansatzes - ein wenig zu üppig.
Konzentration hätte dem Vorhaben, den Künstler als einen der
konsequentesten Vertreter des internationalen Informel auszuweisen, gut
getan.
Bis 23. Juni in Zusammenarbeit mit der Galerie
Ulysses, die ihrerseits neue Bilder aus dem Komplex "California revisited"
bis 2. Juni zeigt; Di-So 10 bis 18 Uhr, Ulysses Di-Fr 13 bis 19, Sa
11 bis 15 Uhr.
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