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17.04.2002 - Ausstellung
Kontraste für das Rot, Feuer des Gestus, Freude am Ortswechsel
Markus Prachensky, der im März siebzig wurde, malt seit bald 50 Jahren. Die Österreichische Galerie zeigt seine in ihnen entwickelten Bild-Serien retrospektiv.
VON KRISTIAN SOTRIFFER


Angefangen hat der sich gern in einen furiosen Ablauf stürzende Maler ja ganz anders: Wie seine Kollegen Josef Mikl und (zeitweise) Arnulf Rainer, beeindruckt von den die Welt in eine Konstruktion bannenden Geometrismen Piet Mondrians. Aber etwa um die Zeit, als der Innsbrucker Architektensohn bei seinem Landsmann Lois Welzenbacher sein Architekturdiplom ablegte, begann er sich völlig anders zu orientieren.

Er tat es parallel zur Entwicklung dessen, was damals als Tachismus oder Informel seine eine ganze Generation beeinflussenden Blüten trieb. Wer denkt vor Prachenskys frühen, wie später auch den Ort ihres Entstehens im Titel festhaltenden expressiv-impulsiven, sich verspritzenden Malereien nicht an Georges Mathieu? Der hatte seine "lyrische Abstraktion", geschult an japanischer Kalligraphie, mit dem Moment des jagenden Ablaufs verbunden.

Unter "Liechtenstein" (einer Atelieradresse) firmieren Prachenskys "Rouges différents sur noir" 1956, 1957. Immer ist es das Rot, Rot auf Weiß oder Rot auf Schwarz mit entsprechenden Changierungen, dem der Künstler seine Aufmerksamkeit schenkt, von dem er kaum abläßt. Obwohl sich in den siebziger und achtziger Jahren dann andere Farben einmischen: In Abfolgen, zu denen sich Prachensky zwischen "Urbino" oder "Maremma" anregen ließ und die sich in seinem Gesamtwerk durch energisch-kontrollierte Zeichensetzungen besonders gut behaupten.

Frühe Schütt-Aktionen

Lange davor aber sah sich Prachensky zwischen 1967 und 1970 in den USA um, wo er in seine "California paintings" konsolidierende Momente einführte - die Zeit von Hard Edge und Minimal Art war angebrochen. So war das aber quasi von Anfang an: Dem phrasierten eruptiven Impuls setzte der Künstler jeweils so etwas wie ein Ordnungsprinzip entgegen, wobei er das "Liquide" sozusagen zu stabilisieren suchte.

Das heißt aber auch, daß Prachensky "die feurige Natur des menschlichen Gestus", von der sein früherer Apologet Otto Mauer gesprochen hatte, immer wieder einbremste, auch effektvoll anzureichern verstand. Was sich bereits in den Italien-Serien phasenhaft auskristallisierte, führte jüngst in der Folge von "California revisited"-Arbeiten an den Rand des Geschmäcklerischen. Damit verbunden ist der definitive Abschied von durch "äußerste Konzentration gewonnenen Intuitivkräften", wie sie Prachensky am Beginn zu erobern erhofft hatte.

Zurück zum "Liquiden", wie es ja auch Mathieu selbst in Wien vorgeführt hatte. 1959 hat Prachensky im Theater am Fleischmarkt Rotfarbe über Leinwände fließen lassen, dabei aber nicht daran gedacht, die Resultate anders als aus einer temporären Situation heraus beurteilen zu sollen. Bei Hermann Nitsch sollte das später anders sein, und ihm macht er gern das Recht streitig, als Erster geschüttet zu haben.

Wenn Prachensky reist - und das tut er, wovon "Bali-trumpet" oder "Hongkong Ramble" zeugen, bis zuletzt - hat das jeweils eine schubartig entwickelte Jahresproduktion zur Folge. Stets nützte er dafür Monate, die seine Anwesenheit in der Akademie, an der er lernte und von 1983 bis 2000 lehrte, nicht erforderten.

Etwa neunzig Bild-Einheiten verteilen sich jetzt über acht Räume links und rechts des Eingangs zur Österreichischen Galerie. Das ist - bei nicht allzu großer Differenzierung eines gleichbleibenden, wenn auch zu wechselnden Resultaten führenden Ansatzes - ein wenig zu üppig. Konzentration hätte dem Vorhaben, den Künstler als einen der konsequentesten Vertreter des internationalen Informel auszuweisen, gut getan.

Bis 23. Juni in Zusammenarbeit mit der Galerie Ulysses, die ihrerseits neue Bilder aus dem Komplex "California revisited" bis 2. Juni zeigt; Di-So 10 bis 18 Uhr, Ulysses Di-Fr 13 bis 19, Sa 11 bis 15 Uhr.



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