Innsbruck (VN, dpa) Gespenster und
Hexen, stämmige Tiroler und traurige Harlekine: Die Welt des
österreichischen Künstlers Paul Flora ist eine Welt des scheinbaren
Widerspruchs.
Zwischen skurrilen Phantasmen und satirischer
Überzeichnung, zwischen Poesie und Ironie bewegen sich seine Bilder.
Sein häufigstes Motiv ist der Rabe. Den mythischen Vogel hat Flora
zu seinem Markenzeichen gemacht, er begegnet ihm in Venedig ebenso
wie in seiner Heimat Tirol. Dort, in der Hungerburg hoch über
Innsbruck, begeht Paul Flora am Samstag (29. Juni) seinen 80.
Geburtstag.
Die meist kleinformatigen Arbeiten des Künstlers leben aus der
Ambivalenz. Der Melancholie ringt Flora eine ironische Seite ab, der
Ironie eine romantische. Die Grauzone des Geheimnisvollen mit einmal
traumhaften, dann wieder albtraumhaften Schattierungen ist sein
Reich. In einem Bild erzählt er eine ganze Geschichte. Mit spitzer
Feder, doch auch mit großer Nachsicht und Gelassenheit spießt er die
Schwächen des Menschlichen auf. "Ich bin ironisch, aber sicher nicht
zynisch", beschreibt sich Flora selbst.
Viel viel Arbeit
Persönlich zeigt sich der Meister des Fantastischen ganz
als Realist. "Inspiration kommt nur durch Arbeit", verwahrt er sich
im Gespräch gegen jegliche Metaphysik. Und das Rezept für seine
enorme Produktivität heißt "Disziplin, nichts sonst". Seine
versponnenen Figuren und nebelhaft-geheimnisvollen Szenarien sind
"Lesefrüchte", seine exakten Kreuzschraffuren Produkt einer
profunden Ausbildung. Geboren in Glurns im Südtiroler Vintschgau,
wuchs der Arztsohn in Innsbruck auf. Sein Studium absolvierte der
stark von dem österreichischen Expressionisten Alfred Kubin
beeinflusste Zeichner an der Kunstakademie in München bei Olaf
Gulbransson.
Eine erste Ausstellung widmete die Stadt Bern dem 23-Jährigen,
der im Kriegsdienst als Gebirgsjäger in amerikanische Gefangenschaft
geraten war, bereits 1945. Rasch folgten Präsentationen in Innsbruck
und Wien, wo sich Flora dem legendären "Art Club" anschloss. Von
1957 bis 1971 schuf er scharfsinnige Karikaturen für die Hamburger
Wochenzeitung "Die Zeit".
Seine Definition für den Erfolg: "Qualität ist, Emotionen
auszulösen." Für jede seiner bislang rund 40 Buchveröffentlichungen
hat der Künstler nach eigenen Angaben "viel Zuspruch" erhalten.
Dabei gibt er die Interpretation seiner andeutungsreichen Miniaturen
in die Hand des Betrachters: "Ein Bild ist ein Spiegel, da blickt
man hinein und sieht, was man selbst hineinlegt."
Paul Flora (Foto: VN)