| Salzburger Nachrichten am 25. August 2005 - Bereich: KI
Otto-Wagner-Pavillon in Wien wiedereröffnet
Neues Leben erfüllt den Otto-Wagner-Pavillon am Wiener Karlsplatz ab
Freitag: Der 1898 errichtete Jugendstilbau, der in den vergangenen Jahren
weitgehend ungenutzt war, wird vom Wien-Museum mit einer Ausstellung über
seinen Erbauer Otto Wagner wiedereröffnet. Schließlich sei das Gebäude ein
"Fixstern im Wiener Präsentationsfirmament", freute sich am Donnerstag
Wien-Museum-Chef Wolfgang Kos. Dabei sei es ein "reiner Zufall", dass es den Pavillon und seinen
gegenüberliegenden Zwillingsbau überhaupt noch gibt. Den ehemaligen
Haltestellen der Stadtbahn drohte Ende der sechziger Jahre der Abriss, als
am Karlsplatz die U-Bahn gebaut wurde. Nach Protesten der Bevölkerung
wurden die Bauten aber demontiert und 1977 eineinhalb Meter über dem
ehemaligen Platzniveau wieder aufgestellt. Den westlichen Pavillon nutzte das Wien Museum für kleinere
Ausstellungen, während das Gegenüber an ein Cafe verpachtet wurde. Noch
heute befinden sich beide Bauten im Besitz der Wiener Linien, so Kos. Nachdem der Bau nun einige Jahre verschlossen war, sei die
Wiedereröffnung "hoch an der Zeit", meinte Wiens Kulturstadtrat Andreas
Mailath-Pokorny bei der Präsentation des Konzepts. Sie sei ein wichtiger
Baustein zur Revitalisierung des Karlsplatzes. Auf rund 100 Quadratmetern werden neben Projektzeichnungen und Plänen
für realisierte Bauten auch Modelle der Kirche am Steinhof und des nie
verwirklichten Stadtmuseums unweit der Karlskirche gezeigt.
Jugendstilarchitekt Wagner (1841-1918) gilt als Wegbereiter der Wiener
Moderne und verband seinen ästhetischen Anspruch mit der praktischen
Zweckmäßigkeit seiner Entwürfe. Als Paradebeispiel gilt die von Wagner geplante Wiener Stadtbahn, die
heutigen U-Bahn-Linien U4 und U6, sowie die Vorortelinie, für die er ab
1894 als künstlerischer Gesamtplaner verantwortlich war. Die neue
Ausstellung wird allerdings im Winter geschlossen bleiben - das Gebäude
ist nicht klimatisierbar. |