Künstler sind gemein

(cai) Das ist wirklich nix für Leute, die’s eilig haben. Empfindliche
Personen kriegen davon eventuell sogar das Stockholmsyndrom. Was
Manfred Grübl da gebastelt hat, ist nämlich womöglich die gemeinste
Falle seit dem Knusperhäuschen. Sollten Sie also eine Topfpflanze
daheim haben, gießen Sie sie ausreichend, bevor Sie die Galerie
Feichtner betreten. Sie könnte sonst verwelkt sein, wenn Sie sie
wiedersehen. Okay, so schlimm ist’s auch wieder nicht.
Gleich hinterm Eingang, da lauert er: der Kidnapper. Eigentlich eine
Konstruktion aus engen Gängen und drei Türen. Spätestens wenn die
letzte hinter einem zugefallen ist, merkt man: Verdammt! Keine
Türschnalle auf dieser Seite. Jetzt ist man zwar endlich herinnen
in der Galerie, kann aber nimmer raus. Hm. Soll das der perfideste
Intelligenztest seit dem Rätsel der Sphinx sein? Vielleicht wird zu
jeder vollen Stunde die Entriegelung ja eh automatisch aktiviert und
man muss nur Ruhe bewahren. Oder man braucht dem Galeristen bloß eine
Frage zu beantworten: "Was ist das: Um 19 Uhr geht es aufrecht auf zwei
Beinen, um 20 Uhr rutscht es verzweifelt flehend auf den Knien herum
und um 21 Uhr rennt es, als hätte man ihm Hummeln in den Hintern
eingeflößt?" Na ja, man sollte doch lieber den Schalter suchen, der die
Türen gerade so lange offen hält, dass ein gut trainierter Fußgänger
knapp entkommt.
Die Lösung für obiges Rätsel ist übrigens: Der Vernissagebesucher.
Denn am Eröffnungsabend hat autoritär dreinblickendes Wachpersonal die
Geiseln erst um Punkt neun freigelassen. Grübls Kunst kann man eben
nicht passiv konsumieren. Man ist mitten drin. (Unignorierbare
Kunstwerke? Beinah genial.) Drum ist man sehr misstrauisch, wenn im
finstern Keller ein Lichtstreifen den Boden abtastet. Wenn das Licht
einen erwischt, kriegt man dann einen Tinnitus? I wo. Komischerweise
geht kein höllischer Alarm los.
Strenger Purpurismus
(cai)Was ist die Steigerung von "Natur pur"? "Natur purpur ."
Midori Mitamura hat ein nostalgisches Secondhand-Kleid gekauft und dann
die purpurnen Blümchen aus dem Muster gepflückt. Nicht aus dem Stoff
geschnitten, nein, als Inspirationsquelle benutzt für die
Ornamente, die sie über die Galerie Insam verteilt hat. Dazu kommen
noch herzige Häschen, Mascherln und surreale Momente wie etwa eine
elfenfressende Pflanze (jedenfalls hängen da Beinchen heraus) – und
alles ist violett. Ein vages Alice-im-Wunderland-Gefühl beschleicht
einen. Aber eigentlich versteh ich nur "Eki" (das japanische Wort für
"Bahnhof"). Auf der japanischen Ausgabe von "Vom Winde verweht" sitzt
nun ein lila Falter. Eine allegorische Darstellung des
Schmetterlingseffekts (weil doch ein Flügelschlag in Atlanta einen
Taifun in Japan auslösen kann)? Eher nicht. Wie sich hier ein altes
Kleid zu einer poetisch kitschigen Fantasiewelt verselbständigt hat und
jedes Detail mit unglaublicher Hingabe arrangiert worden ist, ist schon
bemerkenswert.
Franz der Würger
(cai)Manchmal überkommt es ja auch mich, dann erwürg’ ich die Senftube
und zeig’s dem Würschtl auf dem Teller so richtig. Und der Ringel
quetscht halt Farbtuben aus. Zeichnet damit gleich direkt. Wie er seit
Jahrzehnten herumpatzt, sieht man beim Gerersdorfer. Köpfe, Köpfe. (Und
Nackerte.) Wenn die meisten tatsächlich Selbstporträts sind, dürfte der
Ringel nicht sonderlich eitel sein. Da und dort muss man lachen: "Elfi
spuckt." Eine Serie über eine, die ein Sekret absondert. Eine
"Sekretärin" quasi. Na ja, immerhin ist er unverwechselbar.
Galerie Feichtner
(Seilerstätte 19) Manfred Grübl Bis 21. März Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr Sa.: 10 – 16 Uhr
Galerie Grita Insam
(An der Hülben 3) Midori Mitamura Bis 21. März Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr
Galerie Gerersdorfer
(Währinger Straße 12) Franz Ringel: "Ich" Bis 7. März Do., Fr., Sa.: 11 – 20 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 04. März 2009
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