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Kunstberichte
Oberes Belvedere zeigt "Max Oppenheimer – Mahler und die Musik"

Lippenscharfes Bildnis der Willensekstase

Musiker 
sind in Oppenheimers "Klingler-Quartett" auf Hände reduziert. 
Foto: Belvedere

Musiker sind in Oppenheimers "Klingler-Quartett" auf Hände reduziert. Foto: Belvedere

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Als "brillen- und lippenscharf" bezeichnete Thomas Mann das Bildnis von Hofoperndirektor Gustav Mahler inmitten des monumentalen Gemäldes "Die Philharmoniker", an dem Max Oppenheimer von 1926 bis 1952 arbeitete. Das Bild begleitete ihn von Berlin über Wien und die Schweiz bis ins Exil in den USA und kam erst nach einer Odyssee im Oberen Belvedere zur neuen Präsentation.

Als eine Art Testament Oppenheimers (1885–1954) hat es komplexe Bezüge zur Musik und bildenden Kunst der Moderne in Wien. Vor allem ist es aber eine Apotheose Mahlers, den der Künstler sehr verehrte. In der Staatsoper hätte es sein Schöpfer, der mit "Mopp" signierte, gerne gesehen, doch da kam nach 1945 Kollege Oskar Kokoschka zum Zuge. Inmitten aller Protagonisten mit stark biografischem Akzent hat es aber als Dauerleihgabe der Artothek nun seinen idealen Platz gefunden.

Kurator Alexander Klee kann, über die bisherigen Forschungsergebnisse hinaus, neben historischen Bezügen im innovativen Malstil auch Oppenheimers Doppelbegabung als Geiger finden. Gesamtkunstwerksideen seit der Beethovenausstellung der Secession sind für alle Künstler damals wichtig. Nicht die futuristische und kubistische Bewegungstendenz alleine ist hier eingeflossen, sondern eine mit Farbe und abstrakten Formen die Schallwellen und ihre Wirkung auf den Hörer erklärende Darstellung. Das ist eigentlich eine Vorwegnahme der Parallelen von Arnold Schönberg und Wassily Kandinsky und deren Austausch über Tonwerte.

Akzentuierte Gesten

Oppenheimers starke Akzentuierung von Geste und Gesichtsausdruck verbindet sich in den kleineren Kompositionen mit einer meist gedämpften Farbigkeit in Braun und Grau. Das regte insbesondere Kokoschka an, der die innere Bewegung als Nervenanspannung in seinem Werk weiter kultivierte. Auch Egon Schiele, der mit Oppenheimer das Atelier teilte und sich von ihm Ratschläge geben ließ, hat seine berühmt exaltierten Handgesten aus dessen Bildern bezogen.

Oppenheimer stellte Schönberg in seiner Krise von 1909 dar – die Hände am Rücken; vom Klingler-Quartett malte er nur die mit den Instrumenten verschmelzenden Hände. Seine flackernde Lichtakzentuierung ist für den Expressionismus unentbehrlich.

Strahlen zerstückelnder Lichtgrate finden sich im Hintergrund von "Ferruccio Busoni am Klavier", aber auch im Rosé-Quartett um den Schwager Gustav Mahlers. Die fälschliche Zuschreibung des Porträts von Ernst Koessler an Kokoschka beweist dann umso mehr, wie wichtig der immer noch unterschätze Oppenheimer für die Wiener Szene war.

Über die Freundschaft mit Heinrich Mann kam es zum Bildnis des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann 1926, der ihm damals eine besondere Kunstkritik für das Berliner Tagblatt schrieb. Auch er bewunderte Mahler und widmete ihm als Reaktion auf die Todesnachricht die Novelle "Tod in Venedig". Der Kreis schließt sich nicht nur formal um die Instrumente.

Aufzählung Ausstellung

Max Oppenheimer – Mahler und die Musik
Alexander Klee (Kurator)
Belvedere Meisterwerke im Fokus
Bis 13. Februar 2011



Printausgabe vom Donnerstag, 23. September 2010
Online seit: Mittwoch, 22. September 2010 19:05:00

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